Ich bin in den Siebzigern geboren, habe diese Ära also nicht wirklich mit erlebt. Aber noch heute kann ich mich für die 50er Mokicks aus diesen Jahren begeistern und verstehen, warum Männer der Generation vor mir bei den Name „Kreidler“, „Hercules“, „Zündapp“ und „Simson“ schnell ins Schwärmen geraten und oft auch einige interessante Geschichten parat haben.

Das Design der Maschinen dieser Zeit ist sehr interessant. Es verbindet die runden 60er mit den eckigen und kantigen 80er Jahren und ist etwas ganz besonderes. Viel Chrom wurde verbaut (außer bei den Simson Modellen), die Technik war einfach und auch einfach zu Warten. So waren die Mokicks der Traum vieler Jugendlicher und selbst heute sind noch einige der nachrückenden M-Klasse Fahrer von diesen Maschinen fasziniert und kaufen sich anstatt eines Plastik Rollers aus Frankreich oder Japan, lieber eine gute alte Kreidler/Hercules/Zündapp aus West- oder eine Simson aus Ost-Deutschland.

Kreidler FlorettKreidler war sicherlich einer der prägensten Mokick Hersteller in den 70er Jahren. Die Kreidler Florett dürfte sicherlich noch vielen ein Begriff sein und stellt eine sehr vielfältiges Modell dar. Die schönsten Modelle hatten einen verchromten Tank und ein verchromtes Vorderschutzblech, sowie später auch einen Drehzahlmesser. Diese Modelle, zum Beispiel die Florett RS sind auch heute noch beliebt, auch wegen der Motorleistung von 6,25 PS.
Und schön anzusehen sind die Kreidler Floretts allemal: Eine schöne Linie, die auf interessante Art durch den liegenden Zylinder geprägt wird, der auch das wohl prägenste Element bei Kreidler ist. Alle anderen Mokicks dieser Zeit hatten stehende Zylinder.

Zündapp KS50Der direkte Konkurrent zur Kreidler Florett waren Anfang der Siebziger wohl die Zündapp KS50 und auch die GTS50. Zündapp verschaffte sich gegenüber seiner Konkurrenz Anfang der 70er einen kleinen Vorsprung, da einige Modelle mit wassergekühltem Motor in Serie gefertigt angeboten wurden. Die Modelle erhielten dann den Zusatz „WC“ (Water Cooled). Ein weiterer kleiner Vorsprung gelang Zündapp, indem eine elektronische Kondensatorzündung bereits ein Jahr vor allen anderen Herstellern in diesem Segment eingeführt wurde.

Simson S50Völlig außer Konkurrenz stand hingegen die Firma Simson, schließlich trennte eine Mauer Ost- und West-Deutschland. Simson produzierte in der DDR seit den 50er Jahren Kleinkrafträder (SR1) und Motorräder (Awtowelo/Simson AWO 425 T und S). In den 60er Jahren wurde dann der Bau der schon fast legendären „Vogelserie“ (Spatz, Star, Habicht, Sperber, Schwalbe) eingeleitet. Großer Vorteil bei Simson war immer, dass alle Modelle miteinander kompatibel waren, da die Mokicks nach dem Baukastenprinzip entworfen wurden. 1974 wurde dann die S50 vorgestellt, die zum absoluten Renner der DDR Jugend avancierte. Top Straßenlage, motorradartiges Design, kombiniert mit einfacher, robuster Technik und einem 3,6 PS starken Motor, welche die S50 immerhin auf rund 70 Km/h beschleunigten. Zugegeben, die Mokicks der DDR waren optisch nicht so schön ausgestattet, wie ihre West Pendants – es gab keine Chromteile oder ähnlichen zierenden Schnickschnack – aber dafür ist die Wartungsfreundlichkeit in meinen Augen immer noch unübertroffen.
Noch erfolgreicher war übrigens der Nachfolger der S50, die S51, dessen wirklich gute Fahrleistungen ich aus eigener Erfahrung absolut bestätigen kann.

Hercules K50Aber zurück nach West-Deutschland. Dort gab es einen weiteren großen Hersteller von Kleinkraft- und Motorrädern – die Firma Hercules. Sehr beliebt war in den 70er Jahren, wegen dem modernen Design und der hohen Zuverlässigkeit, die Hercules K50. Auch bei Hercules wurde Modellvielfalt groß geschrieben. So gab es z.B. die K50 Ultra mit windschnittiger Cockpitverkleidung oder die K50 RL mit 6,25 PS. Die Motoren der Maschinen kamen von Fichtel & Sachs und sind noch heute für ihre Zuverlässigkeit bekannt. Größter Coup von Hercules war allerdings nicht die K50, sondern die K125 BW – das Bundeswehr Melderkrad, das von der Bundeswehr in großen Beständen zur Ausstattung der Truppe gekauft wurde. Und sehr erfolgreich war natürlich auch das Mofa schlechthin – die Hercules Prima, die vielen sicherlich noch ein Begriff ist.

Heute werden diese Maschinen noch immer als Liebhaberstücke gehandelt und können z.B. bei eBay für teilweise recht kleines Geld erworben werden, sofern der Käufer nicht vor einer Restauration zurückschreckt. Für gut erhaltene Sammlerstücke im Originalzustand legt man in der Regel 1000 bis 2000 Euro auf den Tisch.

Ich persönlich empfinde es als großen Verlust, dass alle Firmen von damals nicht mehr existieren bzw. keine Krafträder mehr bauen. Die 50 Kubik Klasse wird heute von ausländischen Firmen dominiert und beschränkt sich in der Regel auf „Krafträder“ vom Typ „Scooter“, die mit den 50ern der Siebziger und Achtziger Jahre nichts zu tun haben. Der Kult um die Mokicks ist sicherlich zum großen Teil durch die motorradähnliche Bauweise entstanden. Das umfasst den Rahmen, die Gabel, den Motor und natürlich die Fußschaltung, die völlig gegensätzlich zum Konzept des heute üblichen Scooters sind. Ich wage sogar zu behaupten, dass die Qualität der damaligen Maschinen wesentlich besser war, also die 50er der heutigen Zeit. Ich denke in 10 Jahren wird es keinen dieser Plastikroller bei eBay oder sonstwo zu kaufen geben. In der Regel hält so ein Ding nur 5 Jahre und landet dann auf dem Sondermüll – und da gehört es auch hin.

Ein Kult entsteht nur um Dinge, die für eine lange Lebensdauer entwickelt und gebaut wurden. So wie die kultigen Leichtkrafträder aus den 70er Jahren.