Gestern Abend war ich noch bei einem Kumpel in Dortmund, ein wenig Quatschen und ihm bei der Einrichtung einer USB Festplatte unter Windows ME helfen – was ja schon ein kleines Abenteuer für sich war. Auf der Rückfahrt geht dann auf einmal die FZR aus, als ob sie keinen Sprit mehr im Tank hätte.

Also schiebe ich die Kilo erstmal ein paar hundert Meter zu einer Stelle, wo ich genug Licht zum basteln habe. Mein erster Verdacht ist die Benzinpumpe, die sich beim Einschalten der Zündung nämlich normalerweise mit einigen Geräuschen meldet, doch das kleine messingfarbene Ding macht keinen Mucks mehr. Die Sitzbank und die rechte Seitenverkleidung ist schnell entfernt, ich versuche die Pumpe durch sanfte Schläge mit dem Messer wieder zum Pumpen zu überreden, doch irgendwie scheint sie beleidigt.

Ich will dann die linke Seitenverkleidung abnehmen, doch die ist noch durch eine Kreuzschlitzschraube gesichert und da fällt mir ein, dass ich überhaupt kein Werkzeug dabei habe. Nur ein Taschenmesser, dass sich zum Schrauben überhaupt nicht eignet, aber so scharf ist, dass man damit einen Truthahn tranchieren könnte. Sofort denke ich: „Oh man, wenn du das hier bloggst, wird der erste Kommentar von Stephan lauten, dass ich mir endlich einen Leatherman kaufen soll“ – Wir hatten letzte Woche noch darüber gesprochen, als wir uns in Düsseldorf getroffen haben.

Nun ja, hilft nichts, ich rufe mal den ADAC an und warte dann auf den Servicewagen, vielleicht kriege ich die Geschichte mit ein wenig Unterstützung und Werkzeug wieder hin. Nach 45 Minuten fährt dann der gelbe Engel vor und ich erläutere ihm das Problem. Wir bauen dann erstmal die Seitenverkleidung komplett ab und sehen uns die Sicherungen an, die natürlich alle in Ordnung sind. Der ADAC Mensch versucht dann all die Sachen, die ich auch schon versucht habe, aber ich lasse ihn mal machen, schaden kann es ja nicht. Das Pumpgelump will aber trotzdem nicht Pumpen. Irgendwann fällt dann der magische Satz: „Also das Einzige was ich Ihnen noch anbieten kann, ist den Abschleppdienst zu rufen.“ – „Jo, mach mal“, sage ich cool, aber in mir bricht eine leichte Panik aus, ich will nicht schon wieder mit dem Schandkarren nach Hause, schon gar nicht mit einer Yamaha, das geht ja mal gar nicht.

Also wende ich mich nochmal der rechten Seite des Motorrads zu und überprüfe die Steckverbindungen, als mit eine kleine einzelne 10 Ampere Sicherung ins Auge fällt. Ich ziehe die Sicherung, sie ist noch ganz, aber die Kontakte sind korrodiert, ich reibe ein wenig mit den Fingern und platziere die Sicherung wieder in der Fassung.

Als ich den Zündschlüssel drehe, höre ich endlich wieder das Benzinpumpengelump, dass durch ein klackendes Geräusch seine ordnungsgemäße Funktion demonstriert und Benzin in die Vergaserbank fördert. Ich sage dem ADAC Mensch erfreut, dass er sich das mit dem Schandkarren in die Haare schmieren kann.

Bevor ich die FZR ans Laufen kriege muss mir der ADAC aber noch kurz Starthilfe geben, die Batterie ist von den vielen Startversuchen etwas schwächlich.

Die Seitenverkleidung ist schnell montiert. Die Kreuzschlitzschraube nehme ich allerdings für die andere Seite, was sich als weise Entscheidung beweist, denn während der Rückfahrt muss ich noch einmal eine kleine Zwangspause einlegen und die elektrische Verbindung der Benzinpumpensteuerung gängig machen. Tja, kleine Ursache, große Wirkung.

Ich bin froh, als ich endlich um 2 Uhr 20 bei Steffi ankomme.

In den nächsten Tagen werde ich mal die Steckverbindungen der FZR säubern und mit Kontaktspray bearbeiten.

Und vielleicht kaufe ich mir einen Leatherman.