Meine Motorradgeschichte beginnt mit den 50 Kubikzentimetern einer Simson S51, die ich auch im Winter gefahren bin. Leider hatte ich damals aber noch keinen Motorradführerschein und auch keine entsprechende Kleidung, die im Allgemeinen und im Besonderen irgendwie wintertauglich gewesen wäre. Aber ich will an diesem Abend unbedingt noch nach Werdohl in meine Stammkneipe, mich mit Freunden treffen, obwohl es schweinekalt ist und ein wenig schneit.

Da erinnere ich mich an die alte Lederkombi aus den 80ern, die mir mein Onkel, der leider seine Motorradleidenschaft aufgab, irgendwann mal geschenkt hat. So eine Vollederkombi ist doch bestimmt wärmer als eine Jeans denke ich mir und krame das formschöne Teil aus dem Kleiderschrank. Hm, sexy, weiße und rote Streifen, die quer über das Oberteil laufen und Blitze stilisieren, dicke Protektoren an Schultern, Ellenbogen und Knien. Naja, aus den 80ern halt und übrigens von Schuh.

Also zwänge ich mich in die Kombi, für die ich eigentlich ein wenig zu lang bin, aber es geht gerade noch. Dann runter und rauf auf die Reng-Deng-Deng. Und in der Tat: Ich friere zwar, aber es ist zu ertragen. Im Alt Werdohl angekommen machen wir dann was wir so machen. Billiard spielen, qutaschen, was essen, trinken. Vielleicht noch eine Runde Dart. Die Zeit verfliegt.

Irgendwann mache ich mich wieder auf den Weg nach Hause, aber ich fahre mit der Reng-Deng-Deng noch an der Tankstelle vorbei, weil der Tank mal wieder befüllt werden möchte und ich noch Kippen und Bier brauche. Da kommt ein Mann auf mich zu.

"Ist das eine Simson?". Ich nicke. "S51", sage ich ihm.

"So ein Ding hatte ich auch mal, unverwüstlich und schnell. Locker 70. Kein Problem. Naja, gute Fahrt noch!"

Er dreht sich um und wendet sich wieder seinem Auto zu, blickt dann aber nochmal zurück.

"Aber eine Sache noch", und nach einer kleinen Gedenkpause,  "meinste eigentlich nicht, du bist ein wenig overdressed?"