Gestern Abend habe ich die FZR 1000 an einen Teilehändler verkauft. Lustigerweise kannte ich ihn sogar, da er seine Teileverwertung nur in Nebentätigkeit ausübt und hauptberuflich Schrauber in der hiesigen Yamaha Werkstatt ist. Er konnte sich sogar an die FZR erinnern. Ein paar Ersatzteile bin ich auch noch losgeworden, so dass ich am Ende 650 € in meine Tasche stecken konnte.
So wirklich weinerlich bin nicht gewesen, die FZR war zwar schon ein geiles Teil, aber für mich auch mehr ein Spaßobjekt, denn ein Objekt der absoluten Begierde. Es war schön, solange es dauerte. Bei der ETZ war’s schlimmer und bei der XJ wird es ganz schlimm, wobei ich im Moment gar nicht sicher bin, dass ich die überhaupt loswerde. Die Preise sind nämlich generell total im Keller, auch bei den Gebrauchtteilen, wie mir der Teilehändler erzählte. Das ist einerseits toll, wenn man ein Motorrad oder Teile kaufen will, aber für mich in meiner Situation gerade denkbar unpassend.
Die Entscheidung ist jedenfalls gefällt. Meine Enfield wird gegen eine Enfield Sommer Diesel getauscht. Gerne hätte ich meine Enfield umbauen lassen, aber ich habe keine Lust zu warten und vorallem auch keine Lust das neue Getriebe einzufahren. Da nehme ich doch lieber die gut eingefahrene Vorführmaschine vom Flo. Hauptsache Enfield.
Die Verrückten (positiv gemeint!) vom Enfield-Forum, das ich ja technisch betreue und hoste, haben übrigens eine Spendenaktion für mich gestartet, damit ich endlich wieder mit einem stattlichen englischen Eisen durch die Gegend bollern kann. Das ist mir sehr unangehem, da ich ungern Geld von anderen Menschen als meinen Arbeitgebern annehme, aber ich kann mich wohl nicht dagegen wehren und ich kann wirklich jeden Cent gebrauchen, denn so dicke habe ich es einfach nicht. Wenn ich den Nebenjob nicht hätte, könnte ich mir gar nichts erlauben.
Die Enfield-Gemeinde ist schon etwas besonderes und spezielles. Ich habe noch nie einen Zusammenhalt in einer Motorrad-Community erlebt wie in dieser. Wo geholfen werden kann, da wird geholfen, da wird nicht nur an sich gedacht. Ich weiß nicht einmal warum das so ist. Vielleicht weil Enfield-Fahrer es gewohnt sind Probleme zu haben und man sich mit Rat und Tat zur Seite stehen muss, um diese zu lösen. Vielleicht aber auch nicht.
Jedenfalls ist Enfield für mich immer noch etwas ganz besonderes, fast heiliges und das nicht nur wegen den Maschinen, sondern vorallem wegen den Menschen, die diese Motorräder bewegen.
Manchmal ist es richtig einen Schritt zurück zu machen, gerade in Zeiten, wo du keine Zeit hast. Ich jedenfalls komme im Moment zu nichts, es fehlt mir nicht nur an Zeit, sondern auch an Kraft, dabei müsste ich einiges an der Ural machen, einiges an der FZR, ein bischen was an der XJ und ganz viel an der Enfield. Und weil mich das irgendwie nervt werde ich meinen Fuhrpark nun drastisch reduzieren und die Enfield in etwas völlig neues verwandeln.
Die Ural, die FZR und die XJ stehen ab sofort zum Verkauf, um mit dem Geld den Umbau der Enfield zu einem Dieselmotorrad finanzieren zu können. Ja richtig, meine Enni wird einen Hatz Motor bekommen, es führt kein Weg daran vorbei. Ich habe nicht die Zeit und nicht die Lust mich mit dem 500er Benzinmotor rumzuärgern, auch wenn es sehr toll ist einen solchen Langhuber mit mächtig Dampf zu fahren, aber das mit dem Gleitlager da unten drin ist einfach ein epischer Fehler. Da hole ich mir später lieber mal eine alte 350er Enfield.
Ich biete die anderen Motorräder nun hier im Blog gerne allen Interessenten an, auch wenn ich mir davon nicht viel Erfolg verspreche. Dafür lässt sich aber die Geschichte der Motorräder hier im Blog sehr gut nachvollziehen, ich habe nämlich immer alle wichtigen Sachen zu einem Beitrag gemacht.
Zur Ural 650 BJ 92 [VERKAUFT!]
Zur Yamaha FZR 1000 (2LA) BJ 87 [VERKAUFT!]
Zur Yamaha XJ 650 (4K0) BJ 82
Falls jemand interessiert ist: m_schieferdecker@hotmail.com oder m.schieferdecker@piratenpartei-nrw.de – ich gebe gerne detaillierter Auskunft über die von mir zum Privatverkauf angebotenen Maschinen. Telefonnummer steht im Impressum.
Ich hoffe es wird respektiert, wie schmerzhaft es für mich war, diesen Beitrag zu schreiben. Gerade die XJ! *seufz*
Nun ist es tatsächlich passiert: Ich habe ein Motorrad verkauft – zum ersten Mal in meinem Leben. Die ETZ ist Geschichte, Vergangenheit, nur noch eine schöne Erinnerung an rund 15.000 Kilometer auf der rattigen Zonenfeile. Doch Motoren sind wie Menschen: Je älter sie werden, um so mehr verschleißen sie und mit ziemlicher Sicherheit wird irgendwann ein wichtiges Teil versagen. Das ist der Lauf der Dinge. Beim Motor der ETZ versagte nach über 74.000 Kilometern das Lager des Pleuls.
Danach gingen mir so einige Gedanken durch den Kopf: Dieselmotor rein, Austauschmotor rein, oder den Motor neu aufbauen. Letztendlich entschied ich dann aber die MZ zu verkaufen, denn egal was ich gemacht hätte, es wäre entweder zu teuer, zu zeitaufwändig, oder beides gewesen. Und da ich bis heute nicht dazu gekommen bin, die Enfield wieder zusammenzuschrauben, war die Entscheidung ein Motorrad abzugeben vielleicht nicht die schlechteste. Außerdem war für mich zusätzlich die Bestätigung: Nein, du bist kein Motorrad-Messie.
Einige Tage, nachdem ich eine Anzeige ins MZ Forum gesetzt hatte, meldete sich dann tatsächlich ein Interessent, der die ETZ kurz darauf abgeholt hat. Übrigens nicht zum ausschlachten, sondern zum Wiederaufbau, was mich sehr gefreut hat.
Jedenfalls wünsche ich dem Käufer viel Spaß mit der Maschine und hoffe das meine seine Emme noch ein langes und würdiges Leben haben und niemals zum Organspender wird.
Ein Ersatzmotorrad habe ich mir schon ausgesucht: Nächstes Jahr gibt’s noch eine SR 500. Patricks Maschine hat mich auf der #Twitaly Tour so begeistert, da komm ich wohl nicht dran vorbei.
Und nun noch ein Abschiedsfoto… *schief*