Vorweg die Klärung der Frage: Was zur Hölle ist eine Primärkette, was macht die überhaupt, und wieso muss die gespannt werden?

Die Primärkette ist nicht zu verwechseln mit der Sekundär- oder auch Antriebskette, die Primärkette ist die Kette, die in vielen Motorradmotoren die Drehung und damit die Kraft der Kurbelwelle über die Kupplung auf das Getriebe überträgt. Wie jede Kette (Gott Lob! dem Kardanantrieb), muss auch die Primärkette dann und wann gespannt werden – bei der Enfield grob über den Daumen gepeilt, wenn sie anfängt am Metall des Primärkastens anzuschlagen, oder besser natürlich schon vorher. Bei der Enfield sollte die Kontrolle und – wenn notwendig – das Nachspannen alle 10.000 Kilometer erledigt werden, eine Primärkette, die sich so gelängt hat, dass ein Nachspannen nicht mehr gut möglich ist, sollte natürlich ersetzt werden.

Primärkasten der Royal Enfield

Das Nachspannen ist nicht wirklich schwierig, nachteilig ist nur, dass die Kette natürlich wie jede Kette geschmiert wird – bei meiner Enfield mit Elektrostarter durch 640 ml ATF Öl, welches in den Primärkasten gefüllt wird. Dieses Öl muss also erstmal abgelassen werden. Dumm nur, dass es bei der Enfield dafür keine Ablassschraube gibt, also muss erstmal die zentral auf dem Primärdeckel sitzende Mutter gelöst werden, die einzige Mutter übrigens, die den Primärdeckel hält.

Danach vorne am Primärdeckel etwas ziehen, so dass sich ein kleiner Spalt bildet und das Altöl langsam in die vorher geschickt positionierte Ölwanne laufen kann. Bloß nicht den ganzen Deckel abziehen, das gibt Sauerei. Geduld ist eine Tugend. Wenn ein Großteil des Altöls abgelaufen ist, kann der Spalt nach und nach vergrößert werden, die Ölwanne muss dabei natürlich mitwandern. Nachdem der Primärkasten ausgeblutet ist, kann der Primärdeckel einfach entfernt werden.

Primärkettenspanner der EnfieldNun sehen wir vorne im Primärkasten die Lichtmaschine, hinten die Kupplung und mittig unten den Kettenspanner. Das Einstellen der Kette ist nicht schwierig, einfach die Kontermutter an der Schraube des Spanners lösen, durch herausdrehen der Schraube lässt sich die Primärkette nachspannen, da die Kette vom Spanner weiter nach oben gedrückt wird.

Nochmal nachmessen, ob alles passtDie richtige Spannung der Primärkette ist erreicht, wenn es sich straff anfühlt, aber die Kette noch genug nachgibt, oder für die Präzisionsfetischisten ausgedrückt: Das Spiel der Primärkette ist optimal eingestellt, wenn der obere Lauf der Kette in der Mitte exakt 6,35 mm Spiel hat. Einfacher ist es allerdingt nach Gefühl zu spannen und dann mit einem einfach Lineal nachzuprüfen, ob es ungefähr passt. Es handelt sich ja bei meinem Testobjekt um eine Enfield und nicht um eine Hochleistungsmaschine.

Spannend wird es nun nochmal beim Aufsetzen des Deckels, der schließlich dichten soll. Dazu sollte die Dichtung Primärkastenseitig mit einem Tuch gereinigt und von Ölresten befreit werden. Ebenso der Primärdeckel sollte am später aufliegenden Rand sauber abgewischt werden. Dann den Deckel wieder aufsetzen und die Zentralmutter etwas mehr als handfest wieder auf den Stehbolzen schrauben. Die Schraube darf nicht zu fest angezogen werden, sonst verzieht sich der Deckel.

Danach die Öleinfüllschraube über der Zentralmutter öffnen und die bei der Bullet mit E-Starter vorgeschriebene Menge von 640 ml ATF oder SAE 20 Öl einfüllen. Hat die Enfield keinen E-Starter, dann die Kontrollschraube unten öffnen und so viel Öl einfüllen, bis das Öl beginnt aus der Kontrollbohrung zu tropfen.

Nach dem Verschließen der Öleinfüllöffnung kann eine Probefahrt gemacht werden. Sollte der Deckel nicht richtig dichten, muss die Zentralmutter noch ein wenig fester angezogen werden, bis es dicht ist. Allerdings sollte beim Anziehen daran gedacht werden: Zu fest ruiniert den Deckel, vorsichtig also. Wenn es einfach nicht dicht werden will, dann besser alles nochmal aufmachen, eine zweite Dichtung aus Dichtpappe basteln, mit Hylomar auf den Deckel kleben, danach wird es dann auf jeden Fall dicht sein. Ich habe es aber auch so wieder dicht bekommen.