Jenseits der nichtssagenden Massenware gibt es immer wieder ganz besondere Zweiräder, die von ihren Besitzern geliebt, gepflegt und gehegt werden. Ob ein Motorrad etwas Besonderes ist, liegt zweifelsfrei im Auge des Betrachters, deshalb sei erwähnt, dass ich nur meine äußerst subjektive Sicht der Dinge schildere. Mein einziges Kriterium für die Gegenstände dieser Serie ist "Das könnte ich mir als Zweitmotorrad vorstellen", denn ganz ehrlich: Gegen meine Enfield anzustinken, das schaffen bei mir nicht viele Motorräder (außer die Zweitakter, haha). Aber zur Sache. Heutiger Gegenstand meiner Begierde ist die Honda CX 500, in der Szene auch bekannt unter dem klangvollen Namen "Güllepumpe". Gleich vorweg: Der Spitzname für dieses wirklich schöne Kraftrad entstammt einem Werner Comic. Dort fällt nämlich die Güllepumpe des Bauern aus und kurzerhand wird die Wasserkühlung einer CX 500 umfunktioniert, um dem Bauern aus der Not zu helfen.

GüllepumpeDoch lösen wir uns mal von dem Gedanken an wabernde stinkende ekelige grüne Arschsuppe, die durch einen Kühler gepumpt wird und schlagen stilvollere Töne an: Ich habe zwei Beine, zwei Arme, warum also nicht auch zwei Zylinder? Gut, ich persönlich mag ja eher den Eintopf, aber der längs eingebaute V-Twin der CX 500 ist wirklich sehr schön anzusehen, das muss ich eingestehen. Zudem ist die CX 500 (und natürlich auch die spätere 650er) ein wirklich ehrliches und echtes Alltagsmotorrad. Sehr robust und wartungsarm, dank Kardan und Wasserkühlung. Laufleistungen über 100.000 Km sind keine Seltenheit, also scheint das Motorkonzept von wahlweise 34 PS (20 KW) und 50 PS (37 KW) aufgegangen zu sein.

Zudem war die CX keine Eintagsfliege, denn Honda hat eine intensive Modellpflege betrieben und die CX in ihren verschiedenen Varianten von 1978 bis 1985 gebaut. Ein Model sticht dabei besonders hervor, die CX 500 Turbo (1982 - 1985) und die CX 650 Turbo (1983 - 1985): Die einzigen Serienmaschinen, die Honda je mit einem Abgasturbo versehen hat. Leider auch mit minderem Erfolg. Von der CX 500 Turbo konnten lediglich 380 Stück und von der CX 650 Turbo sogar nur 78 Stück abgesetzt werden. Das macht sie heutzutage allerdings um so wertvoller und wer ein solches Sahnehäubchen sein Eigenen nennen kann, der kann noch auf starken Wertzuwachs hoffen.

CX500 B (1982)Mir persönlich gefällt übrigens die CX 500 B (ab 1982) am besten. Ein wirklich sehr schönes Motorrad, lediglich die Felgen... da wären Speichen doch irgendwie schöner, aber das war Anfang der 80er eben so. Wie schon kurz erwähnt, ist im Bereich Zuverlässigkeit bei der CX wenig zu bemängeln. Kardan, Wasserkühlung, kontaktlose Zündung (CDI), was soll da schief gehen? Lediglich bei den frühen Modellen gab es des öfteren Mängel an der Lichtmaschine, da diese wohl etwas schwach gewickelt war. Ansonsten nur die üblichen Verdächtigen: Hier mal ein Kerzenstecker, da mal eine Vergasermembran... der übliche Verschleiß also. Auch die Ersatzteilbeschaffung über Honda läuft derzeit noch problemlos. Immerhin stehen die frühen Güllepumpen an der Schwelle zum Oldtimer Status, da ist auch dieser Aspekt nicht ganz unwichtig. Übrigens hat auch heute, nach fast 30 Jahren, die CX immer noch (oder wieder?) eine große Anhängerschaft. Es gibt viele Clubs, Treffs und auch im Internet finden sich viele CX Seiten (Link1, Link2, Link3, Link4, Link5).

Die CX 500 B könnte ich persönlich mir sehr gut als Zweitmotorrad vorstellen: Robust, Wartungsarm und günstig im Unterhalt, nicht soviel PS, dass man von der Landschaft nichts mehr sieht und wenn das Ding mal umfällt kostets auch nicht gleich 500 Euro, nur weil die Verkleidung einen Riss hat. Der Motor ist wirklich schön, und gerade das A und das B Modell haben eine sehr schön geformte Silhouette.
Das C Modell (C = Custom = Chopper) hingegen gefällt mir nicht besonders, was aber hauptsächlich daran liegt, dass ich nicht besonders auf hohe Lenker stehe, wenn es nicht wirklich ein Custom Chopper ist. Also Serien Chopper...? Geht mal gar nicht finde ich. Wenn schon Chopper, dann auch richtig.

CX 1000 UmbauReizvoll ist natürlich auch die Güllepumpe Turbo, aber die ist schlichtweg unbezahlbar. Und dann gibt es da natürlich noch die Ultimative Güllepumpe - die Übergülle von Andreas Demmig (siehe Bild). Ich sag's mal so: Die pumpt mit ihren 1000 cm³ schon ordentlich Gülle. Ein wirklich sehr netter Umbau der CX auf 4 Zylinder in einen GL Rahmen.

Die 650er Modelle sind ganz okay, nur die GL 650 ist an Hässlichkeit kaum zu überbieten - in meinen Augen ist die Frontverkleidung einfach pfui bah. Jedem das seine, mir die CX 500 B. Tolles Teil. Ich muss mal wieder Lotto spielen. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Ich habe mir die CX recht genau angeschaut und bin zur Einsicht gekommen: Werfe deine Vorurteile über Bord, nur weil ein Motorrad mit Spitznamen sinngemäß als Scheißefördergerät bezeichnet wird, muss es nicht schlecht sein. Im Gegenteil. Es gibt viele schöne Dinge mit Scheiß Namen: Carmen Electra (hört sich an wie ein Roller von Piaggio) oder Halle Berry (ich dachte immer Halle sei eine Stadt) aber was soll's. Namen sind ja bekanntlich nur Scheiß, äh Schall und Rauch.

In diesem Sinne: Ein Hoch auf die Güllepumpe! Möge sie uns mit ihren Fahrerinnen und Fahrern noch lange erhalten bleiben.