In Sri Lanka fuhr ein Anhänger der Tamil Eelam (Liberation Tigers of Tamil Eelam, kurz: LTTE), die für einen eigenen tamilischen Staat im Norden der Insel kämpfen, mit seinem Motorrad an einem Polizeiposten vorbei und zündete einen Sprengsatz. Dabei wurden 12 Polizisten und ein Zivilist getötet, weitere 40 Personen wurden verletzt.

Der Bürgerkrieg in Sri Lanka tobt nun seit mehr als 25 Jahren und wird, wie bei solchen Konflikten leider üblich, auf dem Rücken der Zivilbevölkerung ausgetragen. Der Konflikt verdeutlicht ähnlich anschaulich, wie der De-facto Krieg zwischen Israel und den radikalen Palästinensern, dass nicht diejenige Partei zu ihrem Recht kommt, die am gewalttätigsten ist, nein, niemand ist im Recht. Gewalt ist kein Argument und Gleiches mit Gleichem zu beantworten führt nicht zu einer Lösung.

Wenn sich zwei verfeindete Gruppen über so lange Jahre bekämpfen verwischen die ursprünglichen Gründe der Auseinandersetzung und zudem wird die Gewalt zu einer Art Normalität. Die Menschen treffen ein Arrangement mit dem Krieg. In diesem Status noch zu einer gewaltfreien Lösung zu kommen ist schwierig, die Standpunkte sind auf das Wesentliche reduziert, die Fronten im wahrsten Sinne des Wortes verhärtet und die Gewalt wird von den verfeindeten Gruppen frei ausgelebt.

All das wird auf beiden Seiten mit fadenscheinigen Argumenten gerechtfertigt: Religion, Land, Resourcen, Geschichte, Stolz oder Glauben. Manchmal ist sogar ein kindisches "die haben angefangen" oder "wir waren zuerst da" zu vernehmen, natürlich hübsch verpackt in hohlen Wortphrasen, oder verkleidet im hellbraunen Mäntelchen des Patriotismus.

Es wird sich mir persönlich nie erschließen, wie sich ein Mensch einen Sprengstoffgürtel umschnallen, auf ein Motorrad setzen und dann sich selbst und Andere in den Tod reißen kann. An den gern zitierten 99 Jungfrauen kann es wohl kaum liegen, schließlich sind die Mehrheit der Tamilen Hinduisten. Die Selbstmordattentäter der verschiedenen und unabhängigen Konflikte dieser Welt haben unterschiedliche Religionen, aber eines haben sie sicherlich gemeinsam: Sie sind haßerfüllt und dumm genug freiwillig zu sterben und Anderen zu schaden. Seltsamerweise ist es bei der mililtarisierten Gegenseite nicht anders. Die Soldaten, die in diesen Konflikten kämpfen, verhalten sich teilweise ebenso - nur eben mit Rangabzeichen auf den Schultern und einer Waffe in der Hand. Beide Seiten begehen Greueltaten und fühlen sich im Recht. Realistisch betrachtet, ziemlich idiotisch.

Bleibt nur eins zu hoffen: Das Herr Schäuble nun nicht auf die Idee kommt Motorräder mit Ortungssystemen auszurüsten oder gar zu verbieten. Schließlich könnten sie ja für terroristische Anschläge in Deutschland benutzt werden. Aber das ist eine andere Geschichte...