Vorgestern Abend durfte ich nach zwei Monaten Werkstattaufenthalt meine Enfield endlich wieder aus den Fängen der Zweiradmechaniker befreien und erfreut feststellen, dass alle Probleme behoben wurden. Im neuen Zylinder bewegt sich nun ein neuer Kolben, der E-Starter funktioniert auch wieder und ich muss den Seitendeckel des Luftfilterkastens nun nicht mehr mit Draht verschließen – hier leistet nun wieder ein Schloss seinen Dienst. Auch eine neue Kette ist der Enfield spendiert worden, da die alte durch Wintereinsatz nicht mehr zu gebrauchen war.

Die Kette war das einzige, dass ich bezahlen musste (141,– EUR), die restlichen Mängel wurden auf Gewährleistung repariert. Auch die Öle musste ich nicht bezahlen, da „es so lange gedauert hat“. Eine nette Geste wie ich finde.

Auch wenn die Wartezeit schon etwas lang war für meinen Geschmack, bin ich mit dem Service zufrieden. Einzig die Zünd- und Limakabel werde ich nochmal neu verlegen, die hängen mir etwas zu frei, aber sonst steht die Enfield wieder gut da.

Leider muss ich sie jetzt erstmal neu einfahren, was natürlich anstrengend ist, weil ich mich immer in einem gewissen Drehzahlbereich aufhalten muss. Da die Enfield keinen Drehzahlmesser hat, kommt das Gehör und der Tacho zum Einsatz.

Folgende Geschwindigkeitsbereiche konnte ich für die Einfahrphase einer 5-Gang Enfield bisher ermitteln:

1. Gang: Bis 20 Km/h

2. Gang: 21 bis 35 Km/h

3. Gang: 36 bis 45 Km/h

4. Gang: 46 bis 58 Km/h

5. Gang: 58 bis 70 Km/h

Das sind natürlich nur so ungefähre ca. Werte. Die wichtigste Einfahrregel für die Enfield ist: Fahr mit Arsch und Ohren. Diese zwei Körperteile sagen dir schon, ob du nun zu unter- oder zu hochtourig fährt. Und eben das gilt es dringend zu vermeiden. Zudem sollte die Düsennadel während der Einfahrzeit eine Kerbe höher gehängt werden, damit das Gemisch im Teillastbereich etwas fetter wird.

500 Kilometer müssen auf diese Art gefahren werden, dann ist ein Öl und Ölfilterwechsel fällig. Auch die Ventile müssen kontrolliert und bei Bedarf eingestellt werden – was bei der Enfield aber sehr einfach ist. Danach kann langsam damit begonnen werden, die Drehzahlen kurzzeitig zu steigern und nach 1.500 Km sollte es dann gut sein.

Da ich ja schonmal eingefahren habe, weiß ich allerdings, dass sich alles erst nach 2.500 Km so richtig eingespielt haben wird. Aber Hauptsache, sie läuft wieder!

Nebenbei erwähnt: Es war total ungewohnt als ich mich auf die Enfield gesetzt habe. Ich bin ja in der letzten Zeit immer mit der ETZ gefahren und die ist ja sehr hochbeinig. Aber gestern bin ich eine kleine 50 Km Tour gefahren und war sofort wieder „eins mit dem Motorrad“.

Made like a gun – runs (again) like a bullet: Royal Enfield Bullet 500