Im Blog von Mike Werner bin ich auf ein Papier der EU aufmerksam geworden und nach dem Lesen wusste ich nicht, ob ich nun lachen oder weinen soll.

Hier ein Auszug aus dem geschichtsträchtigen Text (Seite 36, Quelle: http://www.umweltbundesamt.de/verkehr/downloads/reduction-energy-use-transport.pdf)

IV.4. Increase of technical unit efficiency: motorcycles

The fleet of motorcycles is rather big and is going to increase further. That means the efficiency of motorcycles is low, and in addition the air pollution due to them is relatively high.35 Moreover, the current power and performance levels are unacceptable. The current average fleet fuel consumption of motorcycles and scooters in the EU is about 4.1 l/100 km (equivalent to about 98 g CO2/km). Although the energy efficiency of motorcycles needs to be improved significantly, there is some hope that Euro 3 motorcycles with catalytic converter run with leaner air fuel ratios and thus have lower fuel consumption. Based on a statistical analysis of the correlation between power to mass ratio (PMR) and fuel consumption of European motorcycles, the following measures are recommended:

  • Well-tuned carburettors or – better – direct injection for exact fuel dosing.

  • Only 1-cylinder engines for an exactly harmonised air fuel ratio.

  • Use of 4-stroke engines, because of the scavenging losses by 2-stroke engines.

  • Automatic transmission for reasonable gear changing to avoid increased fuel consumption (and noise) in consequence of strong acceleration.

  • Not more than 650 cm³ cylinder capacity.

Da nicht Jede/r des Englischen mächtig ist, hier meine freie Übersetzung zu diesem wichtigen Papier:

Die Flotte von Motorrädern ist groß und wird sich weiter vergrößern. Das bedeutet, dass die Effizienz von Motorrädern gering, aber die Luftverschmutzung relativ gesehen hoch ist. Die derzeitigen Leistungslevel sind inakzeptabel. Der durchschnittliche Treibstoffverbrauch der Motorrad- und Rollerflotte liegt in der EU derzeit bei 4,1 Liter/100 Km (das entspricht 98 g CO2/Km). Daher muss die Energieeffizienz von Motorrädern signifikant verbessert werden, wir hoffen das EURO 3 Motorräder mit Katalysator mit einem mageren Luft/Treibstoff Gemisch betrieben werden und folglich einen niedrigeren Kraftstoffverbrauch haben werden. Basierend auf einer statistischen Analyse in Beziehung auf den Leistung pro Masse Wert (PMR) und den Krafstoffverbrauch der europäischen Motorräder, empfehlen wir die folgenden Maßnahmen:

  • Gut abgestimmte Vergaser, oder – besser – Direkteinspritzung für die exakte Dosierung des Treibstoffs.

  • Nur 1-Zylinder Motoren für ein genau harmonisiertes Luft/Treibstoff Gemisch.

  • Verwendung von 4-Takt Motoren, wegen den starken Unreinheiten (Anm: Meinen die Spülverluste?) der 2-Takt Motoren.

  • Automatikschaltung für angemessene Gangwechsel, um erhöhten Treibstoffverbrauch (und Lärm) als Konsequenz von starkem Beschleunigen zu vermeiden.

  • Nicht mehr als 650 cm³ Zylindervolumen.

Meine Meinung, ganz ehrlich? Hier waren offensichtlich merk- und denkbefreite Profis am Werk, die fern ab jeder Realität, basierend auf sinnlosen Statistiken, technisch betrachtet falsche Konzepte entwickeln und dabei noch unsere Steuergelder sinnlos verbraten. Aber das ist nur meine persönliche Meinung. Es mag jeder sehen wie er will.

Was bedeuten denn nun die Vorschläge der EU im einzelnen?

Punkt 1: Verbesserung der Vergaser, oder Direkteinspritzung

Zum Thema Vergaser ist nur zu sagen, dass ein Vergaser immer tip top eingestellt sein muss, sonst läuft das Mopped nicht anständig. Und Direkteinspritzung wird bei den meisten neuen Motorrädern inklusive G-Kat bereits eingesetzt. MZ hat bereits 2002 einen Motorradmotor mit Direkteinspritzung vorgestellt, also was bitte soll dieser Einwand? Es entsteht der Eindruck, als wäre das EU Papier anhand veralteter Daten entstanden.

Punkt 2: Verwendung von Einzylinder Motoren

Ich als Eintopferfahrener kann hier nicht wirklich dagegensprechen, wenn ich nicht als Nestbeschmutzer gelten will, allerdings hat ein Einzylinder leider auch prinzipbedingte Nachteile. Weniger Leistung und stärkere Vibrationen. Einen Einzylinder zu fahren ist zwar schön, aber technisch gesehen ein Rückschritt. Mehrzylinder sind vibrationsarm und haben eine bessere Leistungsausbeute.

Punkt 3: Verwendung von 4-Takt Motoren

Dem kann ich zustimmen, muss aber hier auch wieder anfügen, dass dieser Punkt an der Realität vorbei geht. Das Einzige was in großen Stückzahlen noch als Zweitakter vom Band läuft sind Roller. Aber selbst hier findet derzeit bereits seit längerem ein Umdenken statt. Neuere Rollerkonzepte sind viergetaktet (Rex, Kymco). Wobei das Zweitaktprinzip für kleine Motoren technisch gesehen besser geeignet ist, als das 4-Takt Prinzip, da die Zweitakter eine bessere Leistungsausbeute besitzen.

Punkt 4: Automatikschaltung statt Fußschaltung

Kurz: Absoluter Bockmist. Jeder weiß doch, dass Fahrzeuge mit Automatik einen höheren Verbrauch haben, als (normal gefahrene) Fahrzeuge mit manuellem Getriebe. Was übrigens auch am Beispiel der Roller deutlich wird: Durch die Fliehkraftkupplung drehen diese schon beim Anfahren sehr hoch und haben einen erhöhten Kraftstoffverbrauch. Wenn Sprit gespart werden soll, dann sollte den Rollern endlich mal eine ordentliche Schaltung verpasst werden.

Punkt 5: Nicht mehr 650 cm³

Der letzte Punkt ist dann auch der absolute Oberhammer und hier kristalisiert sich heraus, was die EU will. Fassen wir zusammen: Die EU will Fahrzeuge mit einem Einzylinder 4-Takt Motor, Direkteinspritzung, G-Kat und Automatikgetriebe. Ich habe nach diesen Begriffen gegoogelt und die EU will laut Top-Ergebnis eindeutig, dass nur noch Fahrzeuge vom Typ Suzuki Burgmann AN 400 gebaut werden. Der passt nämlich genau ins Schema.

Ich persönlich halte nicht viel von einer derartigen Regulierung. Das hat für mich nichts mehr mit persönlicher Freiheit und auch nicht viel mit Umweltschutz zu tun. Aber in letzter Zeit bringt die EU ja des öfteren seltsame Ideen hervor, wie z.B. die Vorratsdatenspeicherung und weitere nette Dinge, die letzten Endes nur Einschnitte in die Freiheitsrechte aller EU Bürger bedeuten. Ich kann das nur auf die immer größer werdende Kluft zwischen Volk und Volksvertreter zurückführen. Aber ist ja auch kein Wunder. Wenn ich jeden Morgen mit einem 3 Liter Auto (wohlgemerkt: Hubraum, nicht Verbrauch!) ins EU Parlament kutschiert werden würde, dann hätte ich auch keinen Bezug zur Realität und schon gar keinen Bezug zu Motorrädern mehr.

Umweltschutz ist wichtig, keine Frage, und das Öl ein nur begrenzt verfügbarer Rohstoff ist, steht auch nicht zur Debatte, aber wenn Konzepte zur Verbesserung des Umweltschutzes erstellt werden, dann müssen diese technisch sinnvoll sein und sich an der Realität orientieren, ansonsten taugt das Konzept nur für die große braune Rundablage. Und genau da gehört das oben beschriebene Konzept hin. In den Papierkorb.