Nein, nicht dass ich mir sowas modernes zulegen wollte, aber ich hatte gestern meine Yamaha FZR 1000 bei Aster in Menden in der Werkstatt. Übrigens nicht die schlechteste Adresse, nette Leute, gutes Werstattteam und vorallem den netten Service für 10 Euro pro Tag bei einem Werkstattaufenthalt ein Ersatzmotorrad zu bekommen. Und genau diesen Service habe ich gestern in Anspruch genommen, denn irgendwie musste ich ja schließlich zur Arbeit kommen. Die FZ1 war dann die einzig noch freie Maschine, wie praktisch. Die Eckdaten der Maschine: Teilverkleidet, rund 1000 Kubik, 150 PS, 4 in 1 Anlage, schwarz.

Nach einer kurzen Einweisung vom Chef ging’s dann zur Arbeit, erste Fahreindrücke: Dank dem breiten und flachen Lenker sehr handlich, Leistung genug. Allerdings kommt die Kupplung sehr plötzlich, spricht der Übergang von schleifender Kupplung bis greifender Kupplung geht sehr schnell, aber das ist wohl reine Gewohnheitssache, oder es lag daran, dass die FZ1 gerade mal 167 Kilometer auf dem Zähler hatte. Deswegen konnte ich übrigens die Leistung des Motors nicht wirklich testen, die Maschine war schließlich noch nicht eingefahren und ich habe den Drehzahlmesser nur auf maximal 5.000 U/min gebracht. Das der rote Bereich allerdings erst bei 12.000 U/min beginnt, lässt doch einiges ahnen, allerdings hatte ich auch den Eindruck, dass Motoren mit Vergasersystemen gegenüber den Einspritzmotoren irgendwie spontaner am Gas hängen.

Von außen sieht die FZ1 ja doch durchaus recht ansprechend aus, was mir aber beim Fahren sofort negativ aufgefallen ist, sind diese schrecklichen Rückspiegel. Wenn du auf dem Motorrad sitzt, dann sieht die Kanzel mit den Spiegeln irgendwie aus, wie lustlos drangeklebt, es passt nicht recht. Da der Windschutz der Kanzel auch nicht besonders ist – da zieht es ähnlich wie bei einem naked Bike mit kleiner Tourenscheibe – von daher wäre es vielleicht gar nicht schlecht gewesen die FZ1 mit einer klassischeren Kanzel zu versehen, die auch nicht so weit nach vorne steht, aber nun ja: Über Geschmack lässt sich streiten, mir ist es jedenfalls negativ aufgefallen.

Yamaha FZ1 Fazer

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Die Instrumente sind übrigens auch ein wenig langweilig. Der Tachometer ist digital und dieselbe Einheit zeigt auch noch die Temperatur des Kühlsystems und die Uhrzeit an. Gerade letzteres finde ich bei einem Motorrad schrecklich, was allerdings ein persönlicher Tick von mir ist. Ich finde einfach an ein Motorrad gehört keine Uhr, ich will verdammt noch mal nicht wissen, wie lange ich jetzt schon „mal eben Zigaretten hole“ und ich bin da, wenn ich fertig bin, jawohl! Aber das ließe sich ja sogar recht einfach ändern: Einen Streifen Gewebetape drüber und gut.

Auf der Rückfahrt nach Feierabend habe ich dann noch ein wenig die Handlichkeit getestet und ich muss sagen, hier überzeugt die FZ1 wirklich, das Mopped fährt sich wie ein Mountainbike und geht super in die Kurven und lässt sich prima auch im Wechsel von rechts nach links legen – der Superbikelenker macht’s möglich. Das Fahrwerk schluckte dabei auch größere Unebenheiten und Schlaglöcher der sauerländischen Straßen ohne Probleme.

Der Klang des Motors und der Auspuffanlage ist wie bei allen neuen Modellen sehr EU konform. Selbst die 2009er Yamaha R1 klingt mit der Serienanlage nach nichts, wer also einen ordentlichen Sound haben will, der wird da im Zubehör noch ein wenig oder viel (Akrapovic) Geld lassen müssen, sonst macht die Karre irgendwie nur „brumm brumm“ und es fehlt an Agressivität, wie es für 150 PS eigentlich angemessen wäre. Meine Kilo FZR klingt mit der Serienanlage jedenfalls 1000 mal besser.

Die Sitzposition war für meine Größe (194 cm) noch okay, aber etwas kleinere Fahrer/-innen werden es da deutlich angenehmer haben. Der Sitz an sich ist bequem und mit einem wertigen Material überzogen, nicht mehr dieses plastikartige Kunstleder wie früher. Leider bin ich auf dem Sitz aber immer ohne es zu wollen nach vorne gerutscht, was ich als etwas unangenehm empfand, weil ich aufgrund meiner Größe dann die Knie etwas mehr anwinkeln musste. Naja, das ist mein übliches Größenproblem – eine Enduro wäre für mich optimal, oder ein dicker Tourer, aber darum geht’s hier ja nicht.

Mein Fazit: Insgesamt eine schöne Maschine, die sehr gut zu fahren ist, meinem persönlichen Eindruck aber mit einigen optischen und akkustischen Mängeln behaftet ist. Einiges wäre schöner zu lösen gewesen. Vielleicht liegt’s aber auch daran, dass ich generell eher Richtung Youngtimer tendiere.