Hossa, der Urlaub ist vorbei und heute morgen bin ich vor der Arbeit mit der MZ ETZ 250 zum TÜV gefahren. Ich hatte schon ein wenig Bammel, ob das mit der neuen Plakette hinhaut, vorallem weil ich zum ersten Mal die Maschine komplett selbst für den TÜV hergerichtet habe. Aber die Geschichte von Anfang an...

Es gibt Arbeitstage im Leben, die sind einfach nur stressig und nervlich belastend. Gerade im November war es irgendwie ein wenig viel, so dass ich kurzfristig beschloss: Ich brauche Urlaub. Dringend. Und Computer sind während dieses Urlaubs unbedingt zu meiden, außer zum Zocken. Ich wollte mal wieder was mit den Händen machen, etwas schaffen das greifbar ist und verlagerte den Urlaub deshalb kurzerhand in die Garage.

Verschleiß am Standrohr - noch im RahmenDie ETZ musste ja noch durch den TÜV und für den Winter fitt gemacht werden, leider lag bei der MZ aber auch einiges im Argen: Die Gabel siffte bereits nicht mehr, denn wo kein Öl, da auch kein Siff, die Reifen waren fertig und zudem auch ungleichmäßig abgefahren, die Elektrifizierung war auch nicht mehr ganz funktionabel, das Getriebeöl ebenfalls am Ende seines Lebenszyklus angekommen, ein paar Roststellen wollten auch bekämpft werden, und die Farbe langweilte mich und wurde geändert.

Die Gabel hatte ich bereits noch vor meinem Urlaub ausgebaut und komplett zerlegt. Alle Teile wurden von mir dann gründlich gereinigt und auf Verschleiß geprüft, der sich glücklicherweise noch im Rahmen hielt, so dass ich keine neuen Standrohre benötigte. Wäre ja auch noch schöner gewesen. Und bei der Reinigung fand ich auch endlich den Grund, warum der Simmering des linken Holms bereits 2 Wochen nach der Reparatur wieder undicht wurde: Ölschlamm im Gleitrohr.

Neuer Simmering nach dem vorsichtigen EinklopfenUnten in den Gleitrohren, über der Ablassschraube, hatte sich einiges an Ölschlamm angesetzt, was dazu führte, dass die Füllmenge von 230 ml Gabelöl durch das zusätzliche Volumen des Schlamms nicht mehr gepasst hat. Vermute ich zumindest. Vielleicht war's einfach nur eine ungenügende Reinigung der Teile durch die Werkstatt und Dreck zwischen Simmering und Standrohr. Einen Rostpickel habe ich zwar nicht gefunden, aber zur Sicherheit habe ich vor dem Zusammenbau der Gabel die Standrohre noch ein wenig poliert, um die Flächen wirklich absolut sauber und glatt zu bekommen.

Der Zusammenbau der Gabel ging recht zügig und problemlos, die MZ Telegabel ist wirklich sehr einfach aufgebaut, kein Problem also. Beim Gabelöl habe ich diesmal eine Viskosität von 15 gewählt, damit die Federwirkung nicht so lasch, sondern schön straff ist. Das mit der Gabel hat mir übrigens richtig Spaß gemacht, vorallem auch, weil ich dabei etwas total Neues gelernt habe und ich die Teleskopgabel zum ersten Mal komplett in allen Einzelteilen auf der Werkbank liegen hatte.

Gabelholm wieder zusammengesetztDa ich für eine Reifenpanne am Straßenrand gerüstet sein will, habe ich diesmal auch die Reifen von Hand, sprich mit Montiereisen und Muskelkraft, gewechselt, was sich aber als gar nicht so einfach herausstellte, denn die Reifenmontage ist nur mit der richtigen Technik durchführbar - und die will eben erstmal verstanden und geübt werden. Machte mir der erste Reifen noch ein wenig Kopfzerbrechen, ging es beim zweiten Reifen dann schon besser. Wer's auch mal probieren will: Mach nicht den Fehler und versuch es mit pisseligen Montiereisen, hol lieber gleich richtig Stabile, das vereinfacht das Arbeiten erheblich! Und Spüli und Talkumpuder sind ebenfalls sehr hilfreich.

Ein ausführlicher Bericht zur Reifenmontage und auch zur Gabelinstandsetzung folgt übrigens in Kürze.

Nachdem die Pellen dann wieder ihren Platz in der ETZ eingenommen hatten, wollte ich eine Probefahrt machen, doch leider sagte die Bordelektrik nach dem Drehen des Zündschlüssels keinen Pieps mehr. Und das obwohl es am Tag zuvor noch - wenn auch schwächlich - geleuchtet hatte. Deswegen hatte ich extra die Batterie geladen.

Die Telegabel ist wieder montiertMein erster Gedanke war: "Oh scheiße, nun hast du die Elektrik gehimmelt", weil ich die Batterie zum Laden nicht ausgebaut hatte. Beim Durchmessen mit dem Multimeter wurde es dann immer kurioser: Die Batterie hatte 11 Volt, bei gedrehtem Schlüssel floss der Strom auch korrekt über die Sicherung zum Dauerplus des Zündschlosses, doch von dort wurde der Strom nicht an die Zündung weiterverteilt. Also vom Laderegler gegen die Diodenplatte gemessen, der Strom floss in Strömen, meines erachtens alles in Ordnung, WTF? Ein Zündschloss geht doch nicht über Nacht kaputt?

An dem Abend hatte ich dann um 22 Uhr 30 die Schnauze voll und habe im MZ Forum nachgefragt, um mich danach frustiert ins Bett zu hauen. Am nächsten Morgen dann die fruchtbare Diagnose: Batterie platt. Ruhespannung von 11 Volt ist viel zu wenig. Das ist nämlich tiefentladen.

Tja, weil meine Ural mit einer ziemlich ausgemergelten Batterie, die nur noch 10 Volt liefert, auch noch fährt, war ich davon ausgegangen, dass es bei der MZ doch eigentlich auch so sein müsste, aber nichts da. Die Ruhespannung muss über 12 Volt liegen, sonst funkt es nicht im Zylinder. Probehalber habe ich also die Batterie der Yamaha angeschlossen und siehe da: Es leuchtet und funkt.

Also habe ich die alte Batterie nochmal für mehrere Stunden ans Ladegerät gehangen und während dessen noch einiges an Kleinigkeiten erledigt, Roststellen bearbeitet, die Amaturen wieder zusammengesetzt, die ich zwecks Fehleranalyse zerlegt hatte. Danach habe ich den Tank abgeschliffen, weil ich diesen am nächsten Tag schwarz matt lackieren will.

Nach einigen Stunden klemme ich dann das Ladegerät ab und messe mit dem Multimeter die Spannung der Batterie: 13 Volt. Na bitte es geht doch, was auch der Test nach dem Einbau bestätigt - Licht und Zündfunke satt.

Also Benzinhahn auf und kick it, nach fünfzig Versuchen gebe ich auf. Seufzend mach ich mich über den Vergaser her, schütte den alten Sprit aus der Schwimmerkammer, reinige alles und baue es wieder zusammen. Nochmals betätige ich den Kicker gefühlt einige tausend Male, nichts.

Naja egal. Vielleicht ist sie einfach nur besoffen, also gehe ich erstmal duschen, um danach mit der Yamaha zu Steffi zu fahren. Als ich dann wieder in der Garage stehe kann ich es doch nicht lassen: Choke ziehen, ein wenig Gas, kicken und hurra, sie läuft. Völlig überrascht drehe ich noch eine Runde auf der Straße, dann stelle ich die ETZ zufrieden wieder in die Garage. Nur noch ein paar Kleinigkeiten und ich bin fertig.

Am nächsten Tag fuhr ich dann gegen Mittag wieder in die Garage und erledigte den letzten Rest: Bremslichtschalter und Bremse einstellen, defektes Leuchtmittel ersetzen, Benzinschlauch erneuern, Tank lackieren, Getriebeöl wechseln, Getriebeölkontrollschraube abdichten (Gewinde ist durch, ich war's nicht!), Auspuff entrosten und lackieren und hier und da noch ein wenig Konservierung und Ausdruck der Zuneigung durch gezielte Anbringung von Öltropfen.

Dann die erste Probefahrt kurz um unser Dorf, wobei mir übrigens die Polizei entgegen kommt, mich aber ziehen lässt. Funktioniert alles wunderbar, die Gabel gabelt, der Motor röhrt, der Auspuff stinkt und die Reifen rollen. Nur der Vergaser sifft noch etwas, aber naja - das hat er immer getan, vielleicht kann er einfach nicht anders, eine angeborene Inkontinenz. Morgen geht's zum TÜV.

Meine MZ ETZ 250 ist wieder auf der Straße

Zufrieden fahre ich mit der Maschine zu Steffi und am nächsten Morgen vor der Arbeit zum TÜV nach Iserlohn. Ich muss etwas warten und als ich endlich dran bin schlägt mein Puls doch etwas höher, aber der Prüfer ist nett und nimmt der Maschine vorurteilsfrei - ob der seltsamen Optik - unter die Lupe.

Licht? Funktioniert! Blinker? Geht, geht nicht! Bremslicht? Sehr gut! Die anschließende Probefahrt bestätigt, dass die Bremsen gut verzögern und zack ich habe die neue Plakette. Ohne Mängel. Wir quatschen noch ein wenig und dann geht's ans bezahlen: 37,95 Euro. Als ich frohlockend kundtue, dass ich den Betrag sehr gerne bezahle, lacht die Bürokraft, aber es ist tatsächlich so: Ich bin glücklich der MZ aus eigener Kraft ohne die Inanspruchnahme einer Werkstatt einen neuen Stempel zu verpassen. Und ein bischen stolz bin ich auch.

Dann fahre ich zur Arbeit, mit dem Gedanken, einen wirklich schönen Garagenurlaub verbracht zu haben. Aber es warten noch die Ural und die Enfield auf mich. Was mache ich eigentlich an Weihnachten?

MZ ETZ 250 mit neuem TÜV