Seit ich Motorrad fahre bin ich auch Winterfahrer. Da ich aber noch nicht so lange Motorradfahrer bin, kam ich noch nie in den "Genuss" eines echten Winters, denn die Temperaturen waren die letzten Jahre mit den Jetzigen absolut nicht vergleichbar. Vor einigen Tagen war es hier in Balve - 21° und leider musste ich feststellen, dass der Auspruch eines anderen Winterfahrers aus dem Enfield Forum zutrifft: Im Winter geht alles hinnig was angeschlagen ist.

Zuerst hatte ich massive Zündprobleme bei der Ural was daran lag, dass die verbastelte Entenspule an den Spulenanschlüssen nicht dicht waren, da die Gummiüberzieher einfach zu groß waren. Ich brauchte nur in die Nähe der Spule zu kommen und bekam eine gewischt. Kerzenstecker erwähne ich gar nicht erst. Aber da bietet der Zubehörhandel ja diverse Abhilfen: Flugs eine Chinesenspule und NGK Stecker und neue Zündkabel bestellt und siehe da, es funkt nur noch da wo es soll. Und der Zündfunken ist zudem noch wesentlich kräftiger.

Nächstes Problem war dann, dass die Originalzündspule eigentlich unter dem Zündungsdeckel sitzt. Die Zündkabel kommen an der Seite heraus und laufen durch zwei Gummidichtungen, die den Raum unter dem Deckel gegen Feuchtigkeit abdichten. Tja, diese Dichtungen fehlten natürlich. Bei Kälte gefror also alles unter dem Zündungsdeckel und das führte auch wieder zu Zündaussetzern. Nur gut, das ich ein alter Trickser bin und weiß, das WD40 Feuchtigkeit verdrängt. Also durchs Loch ordentlich Sprühöl - ich nenne es seitdem Zündöl - und es tut wieder. Das ich diese Prozedur gelegentlich wiederholen musste, versteht sich wohl von selbst.

Dann gab bei den Extremtemperaturen die Batterie der Ural mehrfach auf und die beschädigten Außenhüllen der Bowdenzüge ließen die eingedrungene Feuchtigkeit gefrieren. Also froren Kupplungs und Gaszüge komplett ein und das teilweise sogar während der Fahrt. Kochendes Wasser hilft, sorgt aber dummerweise für noch mehr Feuchtigkeit. Irgendwann hatte ich dann einfach die Schnauze voll und stellte die Ural in die Garage und gab eine Teilebestellung auf. Neue Bowdenzüge und Teile um die Zündung endlich dicht zu kriegen.

Ich habe schließlich ja noch die MZ, die auch ohne Probleme beim dritten Kick ansprang, obwohl sie zwei Wochen in der Garage gestanden hatte. Und nein, ich habe keine Garagenheizung also dachte ich, die Batterie der MZ würde den Temperaturen trotzen, doch leider leider... das ich kürzlich mal das Licht angelassen hatte rächte sich. Abends war die Batterie zu schwach. Das aber konnte ich erst feststellen, nachdem ich einen Liter kochendes Wasser über den unteren Motorblock geschüttet hatte, weil das Getriebeöl eingefroren war und der Kickstarter nicht griff. Festgefroren. Also habe ich auch die MZ stehen lassen, um mir am nächsten Morgen eine niegelnagelneue Gelbatterie (Schnäppchen! Nur 40 statt 80 Euro) zu kaufen. Nach deren Einbau wurde ich wieder mit einer problemlosen Zündung beglückt.

Bis heute Morgen. Ich fahre aus der Garage, lege den Leergang ein und will gerade absteigen und die Maschine aufbocken, als es ein mehrfach krachendes Geräusch gibt und der Motor abstirbt. Ich wusste sofort, dass das was Fieses war und tatsächlich: Der Motor ist fest, was mit großer Wahrscheinlichkeit daran liegt, dass es das untere Nadellager des Pleuls zerlegt hat. Lecker. Der Motor ist im Ersatzteilhimmel.

Nun habe ich heute halt mal Urlaub und schraube seit dem die bestellten Teile an die Ural. Die neue Batterie hat auch schon ihren Platz im Beiwagen gefunden. Ob sie sich mit dem Laderegler verträgt? Mal sehen. Ich bin dann wieder in der Garage.

Habe ich eigentlich erwähnt, dass es auf dem Motorrad arschkalt ist bei -21 Grad? Zumindest wenn man ein Motorrad hat, das funktioniert...