Freitag Morgen, es ist acht Uhr und nach dem ersten Kaffee, den ich mir gemeinsam mit Steffi in den Kopf schütte, bin ich bereit für die Reise zu meinem ersten richtigen Motorradtreffen. Naja, was heißt richtig, sagen wir mal so: Bereit für das erste Treffen, dessen Inhalt ein für meine Verhältnisse modernes Motorrad ist – die Yamaha XJ. Es geht an die Rhön, doch ich werde nicht allein Anreisen, ich habe mich mit Siggi und Ludwig in Dortmund verabredet und so fahre ich von Menden nach Dortmund in meine Wohnung, um noch ein paar Sachen zu packen.

Diesmal vergesse ich es nicht, eine Jeans und normales Schuhwerk einzupacken, was möglicherweise auch mit dem im Vergleich zur Enfield üppigen Platzangebot der Seitenkoffer der XJ liegen mag. Nachdem ich meinen Kram zusammengesucht habe, fahre ich fix über die B1 nach Hörde – entpuppt sich als scheiß Idee, weil die B1 mal wieder dicht ist. Ich komme gerade so fast pünktlich bei Siggi an der Garage an, und nach einer kurzen Vorstellung warten wir gemeinsam auf Ludwig, der wohl ebenso mit dem Verkehr auf der B1 zu kämpfen hat. Siggi fährt mit seiner kürzlich für kleines Geld erstandenen und wieder schön zurecht gemachen 750er Seca – ein Traum in vollverkleidetem rot. Nach 20 Minuten Wartezeit fährt Ludwig mit seiner 900er vor und nach einer Zigarette fahren wir gemeinsam los.

DSC00041.jpgIch habe die Route geplant, sie führt uns über die B1 bis nach Werl, dann fahren wir durch den Arnsberger Wald bis nach Brilon und machen die erste Rast. Dieser Teil der Strecke ist ist identisch mit der Strecke, die ich nach Dreseden letztes Jahr zu meiner Hochzeit gefahren bin – ein komisches Gefühl, zumal es nun fast genau ein Jahr her und die Ehe bereits zerbrochen ist. Wir fahren weiter in Richtung Bad Arolsen, bis plötzlich die Straße gesperrt ist und es eine Umleitung gibt. Die Umleitung errinnert mich an die letzten Monate meines Lebens, das von Irrungen und Wirrungen geprägt war, und so verhält es sich auch mit dieser Umleitung: Sie ist ziemlich beschissen beschildert und wir kommen tüchtig von meiner geplanten Route ab – auch das wie ein Spiegel der Vergangenheit. Doch dann treffen wir hinter Marsberg auf die Autobahn und ohne lang zu diskutieren fahren wir auf und in zügiger Geschwindigkeit Richtung Kassel. Ist es seltsam, dass ich auch hier Parallelen zu meinem Lebensverlauf ziehe? Von schlecht beschilderten Umleitungen ab auf die Autobahn, zurück auf Kurs.

Hinter Kassel wechseln wir auf die A7 und machen kurz darauf unsere zweite Rast. Wir stellen fest, dass mein Hinterreifen ziemlich runter ist. Ich hatte es bisher nicht als großes Problem gesehen, dass die Rille in der Mitte des Reifens bereits seit einigen tausend Kilometern verschwunden ist. Siggi meint, die Rennleitung würde bei Sichtprüfung meines Reifens zwei Pünktchen auf der Richterskala einräumen und die Weiterfahrt verweigern. Scheiße, ich bin einfach die Avon Reifen von der Enfield gewohnt, die halten ihre 13.000 Kilometer und mehr, weil sie einfach so herrlich steinhart sind. Mit den „hochmodernen“ Reifen auf meiner XJ ist das eben anders – wieder was gelernt.

DSC00042.jpgSiggi bietet mir vor der Weiterfahrt noch an, ich solle nach dem Treffen zu ihm kommen, er hat noch eine hintere Felge liegen, mit einem fast neuen Reifen, den er so oder so nicht fährt. Wir können einfach das Rad tauschen und gut. Eine super Idee, wie ich finde, vorallem, weil ich bedingt durch meinen aktuell anstehenden Umzug und die hohen Kosten meiner derzeitigen Wohnung, die ja eigentlich für zwei gedacht war, finanziell sehr stark belastet bin. Da ist ein solches Angebot wie ein rettender Strohhalm in der rauhen See.

Autobahnfahren ist langweilig und zugleich anstrengend. Gerade das vorausfahren fällt mir schwer, weil ich damit keine Erfahrung habe und die Autobahn ja bekanntermaßen eher meide. Klar, das gesetzte Ziel rückt schnell näher, doch um welchen Preis? Die Windgeräusche sind nervtötend, im Rückspiegel ist nicht mehr wirklich viel zu erkennen, so dass es mir schwer fällt einen Überholvorgang einzuleiten und überhaupt scheint die Autobahn – wie der Name schon sagt – eben nur für Autos gemacht zu sein.

Kurz vor dem Ziel legen wir abseits der Autobahn noch eine Rast ein, tanken für den morgigen Tag und erholen uns ein wenig von den Strapazen der bisherigen Fahrt. Ein Eis, einen Red Bull und ein paar Zigaretten später fahren wir weiter und kurz darauf von der Autobahn ab, Richtung Motten. Die Bundesstraße tut gut. Endlich wieder normale Geschwindigkeiten, endlich wieder Kurven. Wir erreichen Motten nach einer viertel Stunde und kurz darauf, nach einer kurvenreichen Bergfahrt, den Ort Kothen, das Ziel unserer Reise. Das Gasthaus zur Postkutsche ist schnell gefunden, denn es stehen bereits einige andere XJ auf dem Parkplatz und nach dem einchecken gesellen wir uns in die vorerst noch kleine Runde. Schließlich sitzen wir in Jeans und T-Shirt da, trinken unserer erstes Bier und erholen uns von den Strapazen der Reise.

DSC00044.jpgNach und nach trudeln immer mehr XJ Fahrer ein und es wird klar: Ein tolles Treffen steht bevor. Durchweg nette Leute, freundlich, offen, nett und am Abend haben sich dann geschätzt fast 20 Fahrerinnen, Fahrer und Sozia eingefunden und es gibt ein reichliches Abendessen.

Dann gibt es die erste Humanschädigung zu beklagen, der eintreffende XJ Forumsteilnehmer „Freibeuter“ präsentiert einen lädierten kleinen Finger, wobei der mittlere Knochen einen deutlichen Knick aufweist. Der nach dem Kontakt mit einem Außenspiegel gebrochene Finger muss fachgerecht behandelt werden, also geht es mit der Dose eines Mitfahrers ab ins Krankenhaus.

Das Essen war gut und zudem im Unterkunftspreis von 65,- € für das ganze Wochenende inbegriffen. Da kann ich nicht meckern, zumal es meiner im Moment leicht angespannten Finanzlage entgegen kommt. Der Sprit ist schon teuer genug.

Nach dem Abendessen geht es munter weiter mit ordentlich süffigem Bier und irgendwann ist der Freibeuter mit gerichtetem und gegipstem Finger sogar wieder dabei. Nach dreieinhalb Liter Bier werde ich irgendwann langsam müde, obwohl mich das Bier ein wenig an das Kölsch letzte Woche in Solingen erinnert… egal welche Menge ich auch in mich reinschütte, es wirkt nicht. Aber da die Fahrt anstrengend war, beschließe ich langsam in mein Bett zu kriechen. Wir haben morgen schließlich 250 Kilometer vor uns. Also bestelle ich mir noch einen Humpen von der leckeren Gerstenkaltschale, die ich mit auf’s Zimmer nehme und mich in die Falle haue. Die Zimmer sind wirklich nett, sogar mit Dusche, aber leider ohne Fernbedienung für den Fernseher. Ich bleibe beim Sender Phoenix kleben, was allerdings dem Plan das Bier noch aufzutrinken nicht entgegenkommt.

Am nächsten Morgen erwache ich ziemlich ausgeschlafen und gut gelaunt. Was ein Bett doch so für positive Vibrations erzeugen kann, oder vielmehr die Tatsache auf einem Motorradtreffen mal ohne Rückenschmerzen und mit einem seltsamen Geschmack im Mund aufzuwachen. Leider habe ich dann doch noch ein erschreckendes Erlebnis: Das Bier von gestern Abend ist noch halbvoll. „Was für eine Verschwendung“, murmelnd schlurfe ich ins Bad, schütte das Bier ins Klo und nehme eine Dusche. Danach schmeiße ich mich direkt in meine Moppedklamotten und gehe nach unten, in der Hoffnung, dass noch Kaffee da ist. Für’s Frühstück bin ich nämlich leider etwas spät, aber ich bin so oder so nicht der große Müsli, Toastbrot, oder Schnittenesser. Kaffee, Kippe, dann bin ich wach.

DSC00047.jpgNach zwei Kaffee, fahr ich noch eben schnell Bargeld holen. Im vielleicht fünf Kilometer entfernten Motten ist eine Volksbank, also rauf auf den Bock und raus aus Kothen, hinein in die ersten Kurven eines neuen Tages. Erst geht es eine kurvige Strecke bergauf und nach Überwindung des Hügels wieder runter – klingt logisch, ist es auch, schließlich haben das Berge so an sich. Kurz vor Kothen passiert es dann: Vor einer recht scharfen Linkskurve schalte ich recht hart in den dritten runter, um die Bremswirkung des Motors auszunutzen und plötzlich rutscht mein Hinterrad weg. Das Motorrad stellt sich kurz etwas quer, bis sich der Reifen wieder fängt. Adrenalin schießt mir in die Blutbahn. Von wegen Kaffee, Kippe und ich bin wach: Jetzt bin ich wirklich wach. Verdammte scheiße, der Reifen ist wirklich fertig – zumindest in der Mitte, an den Seiten hat er ja noch Profil, aber irgendwie beruhigt mich der Gedanke gerade nicht wirklich. Ich finde sliden ja durchaus cool, aber bitte nur dann, wenn ich mich vorher drauf eingestellt habe. Nachdem ich das Geld geholt habe, beschließe ich für die Rückfahrt, die Gänge etwas vorsichtiger einzukuppeln. Wenn der Hinterreifen runter ist, wäre eine Anti Hopping Kupplung übrigens nicht schlecht. Damit lässt sich das Maximale an Lebensdauer des Reifens herausholen.

DSC00052.jpgUm kurz vor zehn ist dann die Besprechung der geplanten Ausfahrt. Es werden zwei Touren angeboten: Einmal was für die schnellere Fraktion und dann noch was für die Blümchenpflücker. Ich denke, bei den Blümchenpflückern bin ich gut aufgehoben, auch wenn ich so an meinen Hinterreifen denke. Aber als die schnelle Truppe dann losfährt, packt es mich und ich fahre doch dort mit. Warum auch nicht? Probieren geht über studieren, manche Erfahrungen wollen gemacht werden.

Also fahren wir raus aus Kothen und nehmen den ersten Berg samt Kurven. Noch ist die Geschwindigkeit zügig aber nicht schnell, trotzdem fahre ich sehr verhalten, mein Reifen verursacht im Hinterkopf einfach ein schlechtes Gewissen. Immer wieder falle ich zurück, was sich dann dadurch rächt, dass ich nach den Kurven eine regelrechte Aufholjagt starten muss, um dranzubleiben. Dadurch bin ich teilweise einfach viel zu schnell unterwegs. Ich hätte nicht als letzter fahren sollen. Hinter mir ist nur Susanne, unsere Lumpensammlerin, vor mir sind neun oder zehn andere Maschinen und wie das beim Fahren in der Gruppe so ist, zieht sich der Pulk nach den Kurven immer ein wenig auseinander. Die Aufholjagt auf den Führenden wird dann nach hinten weitergereicht. Teilweise kann ich das Tempo mitgehen, teilweise ist es mir aber auch zu schnell, da ich das Gefühl habe am Maximum meiner Schräglage angekommen zu sein, was die spätere Kontrolle meiner Reifen übrigens noch bestätigen wird.

DSC00056.jpgNachdem wir eine Stunde durch die Landschaft geballert sind, halten wir an einer Tankstelle und treffen auf die langsamere Gruppe, die nur kurz nach uns eintrifft. Nachdem alle 27 Maschinen betankt sind, geht es weiter. Für mich ab jetzt in der Blümchenpflückergruppe, ich bin ja hier auf Urlaub, da brauch ich keinen Stress und der Gedanken an den Reifen nagt einfach zu sehr an meinen Gedanken, als dass ich stressfrei fahren könnte. Lieber kein Risiko eingehen.

Und langsam geht es bei den Blümchenpflückern auch nicht zu, wie ich feststellen darf. Ellen gibt das Tempo vor und ich mag ihre Geschwindigkeit, die Raum für Reserven lässt, sehr angenehm. Jetzt habe ich Zeit mal ein wenig auf die tolle Landschaft zu achten, das Gebiet um die Rhön ist wirklich traumhaft, fast heimisch fühle ich mich hier, denn die hügelige Landschaft mit Feldern und Nadelwäldern erinnert mich doch sehr an das Sauerland. Nur der Asphalt ist hier in wesentlich besserem Zustand, da können sich die Sauerländer mal ruhig eine Scheibe von abschneiden.

Nach tollen Kurven und viel Landstraße gibt es dann eine interessante Bergauffahrt, die hoch über den Tälern bei einer Gaststätte endet, wo wir ein Mittagessen eingeplant haben und ein Tisch für uns reserviert ist. Ich bestelle mir hausgemachte Sülze – nicht Jedermanns Sache, aber ich liebe die einfache Küche – und ein Erfrischungsgetränk, also Kaffee. Die urige Hütte ist gut gefüllt, nicht nur mit uns Motorradfahrern, auch einige Wanderer und Spaziergänger sind hier eingekehrt. Nach dem Essen gehe ich vor die Tür und rauche mit zitternden Händen eine Zigarette. Weiter unten im Tal war es überhaupt nicht kalt, aber hier oben, wo der Wind stark weht friere ich mir echt einen ab. Schnell wieder rein und noch einen Kaffee zum warmwerden und eine Apfelsaftschorle gegen den Durst.

Nachdem Alle bezahlt haben wird draußen noch ein Gruppenfoto geschossen, danach steigen wir wieder auf unsere Maschinen. Es kommt wie es kommen musste, mein Anlasser tut’s mal wieder nicht. Keine Ahnung ob die Kohlen runter sind, irgendein öminöser Magnetschalter keine Lust hat, aber im Anschieben bin ich ja erfahren, was dann natürlich auch problemlos klappt.

DSC00059.jpgAlso geht es weiter, den Berg wieder hinab, zurück auf die Landstraße. Wir kommen an vielen Stellen vorbei, an denen ich denke, dass ich hier schonmal gewesen bin. Kann sein, dass die Strecke sich mehrfach gekreuzt hat, ich habe irgendwie die Orientierung verloren, macht aber nichts. Ellen fährt vor, sie kennt den Weg. Eine Kurve folgt der nächsten, der Tageskilometerzähler zeigt mit jeder Minute mehr an.

Am Nachmittag kehren wir in einer Gaststätte ein, trinken Kaffee und essen Kuchen. Danach ruhen sich alle noch ein wenig aus und stehen redent um ihre Maschinen herum. Die Stimmung ist nun leicht gedämpft, die Anstrengungen der bisherigen Fahrt machen sich auch bei mir bemerkbar. Ich bin es nicht gewohnt solch umfangreiche Ausfahrten zu fahren, da bei den Enfield Treffen meist wesentlich kürzere Strecken absolviert werden. Liegt wohl auch einfach ein wenig daran, dass die Enfield einfach ein wenig langsamer ist.

Dann gehen wir den letzten Teil der Ausfahrt an, die Rückkehr zur Postkutsche. Rauf auf die XJ, den Knopf gedrückt, der E-Starter funktioniert diesmal sogar und wir fahren los. Wieder führt uns Ellen durch die wunderschöne Landschaft der Rhön. Als wir einere längere Gerade bergab fahren, überholt uns plötzlich jemand auf einer Rennmaschine. Er überholt zudem noch in einem riskanten Manöver einen Lieferwagen und geht sehr tief in die uns noch bevorstehende langezogene S-Kurve. Als wir dann die Kurve durchfahren, kommt uns der Tiefflieger wieder entgegen, das Knie auf dem Boden schleifend und weit nach vorne gerichtet, Schräglage extrem. Hätte auch schief gehen können und Auslaufzonen gibt es nur auf der Rennstrecke.

Wir legen kurz vor dem Ziel noch einen Tankstopp ein, der sportlich ambitionierte Fahrer wird zum allgemeinen Gesprächsinhalt, wobei die Worte, die gesprochen werden nicht gerade freundlich sind. Nachdem die Tanks wieder mit Inhalt gefüllt sind starten wir die Schlussetappe und erreichen schon nach kurzer Zeit das Ziel. Alle steigen nach rund 250 Kilometern glücklich aber geschafft von ihren Maschinen. Ellen bedankt sich bei allen für die schöne Tour, für das entgegengebrachte Vertrauen und für das disziplinierte gemeinsame Fahren. Mein persönliches Fazit: Ein tolle Ausfahrt mit vielen Kurven, durchweg netten Mitfahrer/-innen, super organisiert und verantwortungsvoll geführt.

DSC00063.jpgSchön ist auch zu sehen, dass es nicht nur auf Enfieldtreffen immer etwas zu schrauben gibt, bei einer der XJ Ratten funktioniert das Bremslicht nicht, was durch eine gemeinsame Fehlersuche und Überbrückung eines gebrochenen Kabels schnell behoben werden kann. Danach wird sich etwas frisch gemacht und wir treffen uns im Garten der Postkutsche, wo der Koch für uns Grillgut aufgefahren hat, dass mir das Wasser im Munde zusammenläuft. Wer viel fährt, muss auch viel essen – aber erstmal ein Bier, den Staub aus der Kehle spülen.

Der Abend verläuft sehr gemütlich, Grillgut und Bier wirken wie eine Beruhigungstablette auf mich. Ein wenig Aufruhr gibt es noch, als drei XJ Fahrer eintreffen und berichten, dass sich ein R1 Fahrer unter die Planke geschoben hat. Glücklicherweise ist nichts passiert, aber sie kriegen die Karre nicht aus dem Dreck. Also fahren einige hin um zu helfen. Nach ihrer Rückkehr berichten sie allerdings, dass der Gestürzte es wohl doch alleine geschafft hat und nicht mehr da war.

Nach ein paar Bier und netten Gesprächen ist es dann irgendwann spät und Zeit zu Bett zu gehen. Es wird morgen eine harte Rückfahrt, da wir mit vier Maschinen – Siggi, Ludwig, Micha mit Sozia und ich – die gesamte Strecke auf der Dosenbahn zurücklegen wollen. Also haue ich mich hin und falle schnell in einen tiefen, festen und traumlosen Schlaf.

Am nächsten Morgen erwache ich relativ ausgeruht, packe schnell meinen Kram zusammen und gehe dann zum Frühstück. Die Stimmung ist trotz des Allen bevorstehenden Aufbruchs ruhig und gelassen, nicht verkehrt an einem Abreisetag. Unentspannt abzureisen ist ja nicht Sinn der Sache. Nach dem Frühstück packe ich dann meine Klamotten in die Koffer der XJ, ich bin wieder mal begeistert wie praktisch die Dinger sind und erstaunt, was da so alles hinein passt. Selbst ein Sack Katzenstreu oder ein paar Sixpacks sind kein Problem und im Nachhinein bin ich wirklich froh mich für die XJ als Drittmopped entschieden zu haben. Einerseits wäre mir dann das tolle Treffen entgangen, andererseits hätte ich mehr Probleme gehabt bestimmte Dinge des Alltags zu erledigen, da ich ja nun seit längerer Zeit definitiv kein Auto mehr zu Verfügung habe. Natürlich ist die Enfield ein verlässliches Motorrad, aber die Taschen fassen nicht viel und mal eben mit 140 von A nach B ballern, das geht eben nicht und dafür ist die Enfield auch zu schade. Nein, es war die richtige Entscheidung die XJ zu kaufen.

DSC00067.jpgNachdem alles gepackt ist, verabschieden sich die Ersten und treten den Weg in die Heimat an. Aber einige der Teilnehmer bleiben noch da, um Mittag zu essen, so auch Ludwig und Siggi, also warten wir noch ein Weile, bis die Zeit auch dieses Ereignis zur Vergangenheit werden lässt und starten dann. Ein letztes Mal verlassen wir Kothen, fahren die Kurvenstrecke über den Berg und erreichen nach einer halben Stunde die Autobahn.

Was soll ich jetzt schreiben? Die Autobahn ist Dosenrevier. Sie bringt dich schnell von A nach B, schnell und unspektakulär, vergleichbar mit Dingen, die praktisch sind, aber scheiße aussehen: Herrenhandtaschen, Feinripunterwäsche, kurz geschorene Haare, Anhängerkupplungen an Motorrädern, Winterreifen, Goldwings, Gewebeklebeband, Voodoo Puppen, Roller, Fahrradhelme, Regenkleidung, Sturzbügel und solcher Kram.

Nach drei oder vier Stunden erreichen wir Unna und trennen uns, wobei ich Ludwig noch zur B236 bringe, damit er nicht über die B1 Richtung Bochum muss. Erledigt aber glücklich komme ich schließlich an meiner Wohnung an, schaffe das Gepäck nach oben und gehe duschen, ich bin total durchgeschwitzt. Während das heiße Wasser an mir herunterläuft und die Muskeln sich langsam ein wenig entspannen, lasse ich das Wochenende vor meinem inneren Auge nochmal Revue passieren.

Bleibt nur eins zu sagen: Es war schön.


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