Heute war ich mit Steffi die Royal Enfield Diesel LD 440 abholen. Nach der problemlosen Anfahrt nach Selm (nahe Lünen) begrüßen uns Achim und seine Frau herzlich. Nach einem Kaffee und dem regeln des finanziellen, geht es dann daran, das Gefährt für die Überführung fertig zu machen. Während Steffi eifrig Fotos knipst, damit ich auch mal zu sehen bin, stellen Achim und ich fest, dass die Batterien (das Ding hat zwei!) etwas schwächlich sind - zu schwächlich jedenfalls um die Fuhre mit dem E-Starter zu starten. Aber kein Problem: Der Lombardini Motor hat ja auch einen Seilzustarter. Nach drei mal kräftig ziehen läuft sie sofort, ich bin ein wenig stolz auf mich, dass ich den Diesel angezogen bekommen habe. Klasse Sache, denn schwächliche Batterien halten so nicht von einem erfolgreichen Start des Motors ab. Interessant ist auch, dass wenn der Motor läuft, der Schlüssel einfach abgezogen werden kann. Der Motor läuft weiter, es gibt schließlich keine Zündung bei einem Diesel. Irgendwie logisch, aber man denkt halt erstmal über sowas gar nicht nach.

Nachdem das Kennzeichen montiert ist und wir noch einige Ersatzteile in den Kofferraum von Steffis Auto geladen haben reite ich vorsichtig los. Ich hatte anfänglich ja etwas Bedenken, was das rechts geschaltete Getriebe angeht, aber nach bereits wenigen Kilometern hat sich das gegeben. Der Diesel bollert unter mir, als nagele er um sein Leben und hat für die mickrigen 11 PS ein irres Drehmoment. Ich halte kurz an der Tankstelle, tanke Diesel, die Kassiererin schaut komisch, sagt aber nichts. Das mit der Schaltung ist irgendwie doch gar nicht so kompliziert und der Leerlauffinder, der mit einem Hackentritt von jedem Gang aus in den Leerlauf schaltet eine praktische Sache. Als ich die Stadt verlasse, nehme ich fahrt auf und der Lombardini beschleunigt mich problemlos auf 80 Km/h. Mehr will ich erstmal nicht, solange der Motor noch nicht richtig warm ist.

In den ersten richtigen Kurven wird mir wieder bewusst, wie scheiße doch so ein Enfieldfahrwerk in Kombination mit diesem antiquierten Rahmen ist. Aber ich weiß ja von meiner Benzin Bullet, wie das ist und so seltsam es auch klingt, aber irgendwie fühle ich mich auf dem Motorrad sofort zuhause. Enfield eben. Das muss so. Schwammig, unruhig, aber gemütlich. Genau wie der Schwingsattel, darauf fühlt sich mein Hintern richtig wohl. Kein Vergleich zur harten dünnen Sitzbank der KLX.

Ohne Probleme erreiche ich über Kamen und Unna schließlich Menden, wo ich mich mit Steffi treffen will. Steffi ist noch nicht da, also parke ich auf dem Parkplatz vor dem Haus, wo sich sofort eine kleine Menschentraube vorwiegend bestehend aus Kindern um mich und die Enfield bildet. Alles wollen sie wissen und ich muss geduldig die Fragen beantworten und dann dürfen auch alle Kids auch mal aufsitzen. Nach einem Kaffee und 30 Minuten Wartezeit, rufe ich Steffi an, die sich total entnervt über das Navigationsgerät beschwert, das ihr den falschen Weg gewiesen hat. Nach 45 Minuten Verspätung ist sie dann endlich da und nach einem weiteren Kaffee treten wir die Heimreise an.

Ich mache allerdings noch einen kleinen Umweg über meine Hausstrecke, das Hönnetal. Der Diesel zieht mich mit mehr Kraft als erwartet durch die Kurven und wie einige Mal heute bereits, laufe ich auf den PKW Verkehr auf und muss die Geschwindigkeit drosseln. Ein Hindernis ist der Diesel also nicht, 11 PS sind nicht zu wenig. Im Gegenteil. Die Beschleunigung ist echt in Ordnung, weil das Drehmoment stimmt. Doch nicht nur der PKW Verkehr bremst mich, auch ein paar dieser Wochenend-Biker. Der Gruppe voran eine Frau mit einem Streetfighter. Genauso brutal wie das Ding aussieht fährt sie allerdings nicht. Eigentlich trägt sie das Ding um jede Kurve, so dass ich mit meinen 11 PS genervt im dritten Gang hinterherfahren muss. Und da zeigt sich wieder: Pferdestärken sind nicht alles.

Nachdem ich das Hönnetal hinter mich gebracht habe, erreiche ich Balve, wo ich das Haus meiner Eltern ansteuere, denen ich den Diesel noch kurz zeigen wollte. Als ich da bin, kommt mein Vater heraus und er ist sichtlich begeistert. Sowas sieht man eben nicht alle Tage. Nach einem Stubie mache ich mich wieder auf den Weg und steuere endlich die Heimatgarage an, tief erfüllt von dem Gefühl endlich wieder eine Enfield zu fahren. Wie habe ich das vermisst. Allein die natürliche Geschwindigkeitsbegrenzung auf maximal 90 Km/h. Der Langsame sieht mehr. Der Langsame fühlt mehr. Enfieldfahren ist für mich wie Kiffen, nur ohne Nebenwirkungen. Dieses Motorrad, die Menschen, die Situationen, die ich damit verbinde, manchmal fehlen selbst mir die Worte. Made like a gun, runs like a bullet.

Und nun lasse ich Bilder sprechen. Ein Video und weitere Details folgen in Kürze.