Scheiße, was wird das für ein geniales Wochenende. Freitag mit dem Motorrad zur Honda Akademie Hondas testen, am Abend dann weiter nach Stuttgart, am Samstag zum Wheelie-Training und dort lernen das Vorderrad in der Luft zu halten und am Sonntag wieder zurück. Also werde ich drei Tage lang nichts anderes machen als Motorradfahren. Außer Abends natürlich, da wird gechillt.

Am Freitag morgen stehe ich also um kurz nach 6 auf und fahre mit der KLX zum neuen Haus, weil da noch die Luftmatratze und der Schlafsack liegt. Dann geht es zügig weiter Richtung Lüdenscheid, wo ich auf die A45 fahre. Autobahn fahren ist ätzend, vor allem mit unzureichendem Gerät, aber es geht nicht anders, denn ich will spätestens um 10 Uhr in Erlensee ankommen, sonst würde ich einfach zu viel verpassen. Mit der KLX ist die Autobahn, bis auf die wirklich unbequeme Enduro Sitzbank, gerade noch erträglich, da ich dauerhaft zwischen 110 und 120 fahren kann.

Rein zufällig mit Stephan getroffen

Zufällig Stephan getroffen, der mich fotografiert hat. :-)

Als ich meinen ersten Tankstopp am Rasthof Siegerland einlegen muss, staune ich nicht schlecht, als ich plötzlich eine mir wohlbekannte MZ Baghira samt Kaffee schlürfendem Fahrer entdecke: Es ist Stephan! Die Freude ist natürlich groß, dass wir uns ohne Absprache ganz zufällig getroffen haben und wir beschließen den Rest der Strecke gemeinsam zu fahren. Also hänge ich mich an den Auspuff der MZ, muss aber schon bald einen Parkplatz ansteuern, denn mir ist so schweinekalt, dass ich einen Pullover anziehen muss. Die Griffheizung läuft bereits den ganzen Morgen, warm ist es noch nicht. Der Rest der Fahrt verläuft unspektakulär und um kurz vor 10 erreichen wir die Honda Akademie in Erlensee.

An der Honda Akademie sehe ich viele bekannte Gesichter und wen ich noch nicht kenne, der stellt sich vor. Wie lustig es ist, fast die komplette Mopped-Timeline mal im Reallife vor sich zu sehen. Selbst Dennis vom MoppedBlog hat es aus Hamburg geschafft, und sogar Mike ist mit seiner gebrochenen Hand dabei – zwar mit dem Auto, aber das nenne ich Einsatz.

Nach der Anmeldung schnappen wir uns die ersten Motorräder: Ich teste die neue CBR 250 R und Dennis wählt das gleiche Modell. Die 250er wird für mich ein interessanter Vergleich zu meiner KLX, da die Leistungsdaten ja durchaus ähnlich sind, wenn es sich auch um zwei völlig verschiedene Motorradtypen handelt. Zudem ist meine KLX ja noch ein wenig optimiert, ich bin gespannt, ob sich das bemerkbar macht gegenüber den 26 PS der Honda.

Honda CBR600R

Honda CBR250R, Quelle: Honda

Schon beim Aufsteigen gefällt mir die Leichtigkeit der Maschine – die wiegt fast nichts und fühlt sich gut an, wenn die Knie die Maschine im Stand hin und her drücken. Das bestätigt sich auch beim losfahren, die CBR 250 R fühlt sich für mich sofort vertraut an, lässt sich prima lenken und fahren. In den ersten Kurven macht mir die Kleine sofort richtig Spaß und was wirklich richtig richtig gut ist an der Maschine: Die Bremse! Die packt echt derbe gut zu, obwohl es nicht mal eine Doppelscheibe ist und falls der Fahrer mal zu kraftvoll am Bremshebel zieht, regelt das ABS den Rest. Einziges Manko, genau wie bei meiner 250er KLX, ist die doch etwas untertriebene Leistung. 26,4 PS ziehen wirklich nicht die Wurst vom Brot und ein 250er Motor kann mehr! Über kurz oder lang wird es für die CBR 250 R vermutlich auch einen PowerCommander geben. Ich persönlich denke, dass 30 bis 32 PS für die kleine CBR optimal sind, dann wäre sie perfekt. Eben so wie bei der KLX, die jetzt mit der Leistungsoptimierung einfach richtig klasse ist und sich anfühlt wie es seien sollte. Aber Leistung ist eben auch relativ, wer sich für die CBR 250 R interessiert, der sollte eine Probefahrt machen und prüfen, ob die Leistung ausreichend ist.

Honda CBR600RR

Honda CBR600RR, Quelle: Honda

Als nächstes schnappe ich mir die CBR 600 RR, also die große Schwester der CBR 250. Die 600 RR will ich unbedingt fahren, weil ich dazu im letzten Jahr nicht gekommen bin. Letztes Jahr hatte ich dafür die Fireblade unter dem Popo und nun will ich unbedingt wissen, warum Dennis so auf 600er abfährt – irgendwas muss wohl dran sein. Also rollen wir in einer größeren Gruppe vom Hof und auf der langen geraden Straße, die von der Honda Akademie wegführt ziehe ich mal am Kabel. Ja, da passiert was, die hat gut Bums. Nach den ersten Kurven weiß ich dann auch, warum Dennis eine R6 fährt: Die CBR 600 RR ist handlicher als die Fireblade, sie lässt sich besser in die Kurve schmeißen und liegt dort auch besser. Die Fireblade war letztes Jahr etwas anstrengender zu fahren und ich hatte mit dem Aufstellmoment zu kämpfen. Das ist bei der 600er absolut nicht der Fall, die fährt sich spielend leicht, hat Leistung wie blöde und bremst saugut. Die Sitzposition ist auch für meine Größe von 194 cm noch angenehm, die Instrumente ist übersichtlich und der Sound ebenfalls lecker. An der CBR 600 RR ist mir wirklich nichts unangenehm aufgefallen – schöne Maschine. Die Fireblade kann ich dieses Jahr leider nicht direkt im Anschluss nochmal zum Vergleich testen, die wurde leider etwas unsanft abgelegt. Dem Fahrer ist zwar nichts passiert, aber die Maschine hat doch einiges abbekommen und wird mit dem Schandkarren gebracht.

Nach dem vortrefflichen Mittagessen wollen Stephan, Dennis und ich noch ein Ründchen drehen, aber es sind leider fast alle Motorräder gerade draußen und so probieren wir mal die Roller aus. Dennis schnappt sich den Zoomer, ein 50 Kubik Roller mit einer Vmax von 45 Km/h, Stephans Wahl fällt auf einen großen Roller und ich nehme einen 125er. Und der lässt sich gar nicht mal schlecht fahren. Draufsetzen, Gas geben, losrollen und die Landschaft genießen. Die Sitzposition ist dabei Rollertypisch sehr angenehm. Anfürsich also ein wirklich nettes Zweirad, wenn es eben kein Roller wäre. 125er Roller sind pfui bah und werden nur von Opas gefahren, die noch den alten Klasse 3 Führerschein von vor 1981 haben. Nein mal Ernst: Ein 125er Roller oder was größeres ist echt gut fahrbar, auch wenn natürlich einige Motorradfahrer ein leichte Aversion dagegen haben. Hauptsache es rollt!

Ready to race

Ready to race: MoppedBlog gegen Das Motorrad Blog ;-)

Wir tauschen die Roller untereinander und ich muss mich schließlich auf den Zoomer setzen, den ich für einen Roller gar nicht schlecht finde, weil wenig Plastik dran ist. Dumm ist nur, dass das Teil wirklich nur 45 fährt. Der Motor kann und will mehr, aber genau bei 45 setzt punktgenau die Drossel ein und Schluss ist mit lustig. Drecks Gesetzgebung. Roller sollten wie in der DDR früher legal 60 fahren dürfen, damit sie im Stadtverkehr mitschwimmen können. Das wäre auch für die Autofahrer besser, stressfreier und somit angenehmer.

Aber irgendwie muss der Zoomer doch schneller fahren. Also versuche ich es mit einem alten Trick: Bergab und kleinmachen. Keine Chance. Die Elektronik dreht mir gnadenlos den Hahn zu. Aber Stephan hat eine gute Idee: Er legt einfach den Fuß an meinen Gepäckträger und gibt mit dem großen Roller Gas: 55 Km/h. Wir jubeln und fühlen uns wie Outlaws, weil wir die 45 Km/h Grenze durchbrochen haben. Wäre ja auch gelacht gewesen!

Honda Asimo

Honda Asimo, Quelle: Honda

Um 14 Uhr besuchen wir dann die Asimo Vorführung. Asimo ist ein humanoider Roboter von Honda, der eine lange Entwicklungsgeschichte hinter sich hat und inzwischen sogar kleine Aufgaben autonom erledigen kann. Nach einer Videopräsentation über die Entwicklungsgeschichte wird vorgeführt was Asimo alles kann: Gehen, rennen, Treppensteigen. Abgefahren, aber auch irgendwie ein wenig gruselig. Mitten in der Vorführung kommt Asimo genau auf mich und Dennis zugelaufen und als ich versuche hinter die dunkle Abdeckung seines Gesichts zu blicken, läuft mir ein kalter Schauer über den Rücken. Ich bemerke, dass es Dennis ähnlich geht. Einerseits bin ich ja schon ziemlich nerdig und fasziniert von der Technik und der Programmierung, aber andererseits denke ich dann auch immer ganz irrational an so Dinge wie Skynet, Hal, I Robot, Megatron, Maximilian, Terminator, die Bombe aus Darkstar, Bishop, Replikanten, Vectrocon Spinnen, M.A.R.K. 13, Warbeast, Screamers, die Borgs, AMEE, scheiße ich merke gerade ich schau zuviele Nerd-Filme. Aber ich steh halt drauf und wenn dann so ein Asimo Roboter Dings auf mich zu rennt, dann kommt das eben hoch. Trotzdem ist die Vorstellung interessant. Erstaunlich, was bereits möglich ist.

Nach der Asimo Vorführung haben wir endlich die Chance die neue Crossrunner zu fahren. Auf diese Maschine bin ich ja schon sehr gespannt: 100 PS, aufrechte Sitzposition, Honda V4 Motor, 240 Kilo – das könnte ein echtes Fahreisen sein. Und sie sieht gut aus, eine Varadero in schön könnte man meinen. Das ändert sich leider schlagartig, als ich die Crossrunner besteige. Das Cockpit gefällt mir nicht, neben dem zentralen Instrument sind rechts wie links zwei „Löcher“, wo nichts ist. Das wirkt irgendwie komisch. Auch der digitale Drehzahlmesser ist schlecht abzulesen, überhaupt gefallen mir die neuen digitalen Instrumente von Honda nicht, da sie allesamt nicht sehr gut lesbar sind. Die Anzeige des Drehzahlmessers ist zu nah am Rand und wenn der einen Schatten wirft, dann sehe ich nichts mehr von dem Balken. Das Instrument ist gar nicht (oder nur unzureichend?) hintergrundbeleuchtet. Das ist selbst bei meiner KLX besser gelöst: Die Hintergrundbeleuchtung ist so hell, dass ich die Instrumente immer gut ablesen kann, egal ob es hell oder dunkel ist.

Honda Crossrunner

Honda Crossrunner, Quelle: Honda

Diese kleinen Mängel werden aber dann durch die Sitzposition wieder wett gemacht, denn die Crossrunner fährt sich hervorragend und erinnert mich an das angenehme Handling der TransAlp, nur einen Tick sportlicher, besser, kraftvoller. Auch Sound mäßig hat die Crossrunner einiges zu bieten, wird der digitale Schieber im nicht vorhandenen Vergaser auf Anschlag gehoben, dann faucht die Crossrunner mächtig los und sprintet mit ordentlich Vortrieb in Richtung nächster Kurve, wo dann die Bremsen die Maschine gut dosierbar verzögern und ein leichter Impuls am Lenker die Schräglage einleitet. Und das eben alles in der angenehmsten Position, die es beim Motorradfahren gibt: Aufrecht. Einzig der Kniewinkel könnte bei längeren Touren problematisch werden, da er durch die recht weit hinten sitzenden Fußrasten doch eher in Richtung Sport geht, als in Richtung Tourer. Das zu testen war zeitmäßig aber leider nicht drin.

Aber mit Scheibe und Koffern wirkt sie ziemlich wuchtbrummig.

Aber mit Scheibe und Koffern wirkt sie ziemlich wuchtbrummig. Quelle: Honda

Natürlich hat die Crossrunner, wie inzwischen bei Honda üblich, das Combined ABS System. Dies hat den Vorteil, dass beim Bremsen immer mit beiden Bremsen gebremst wird, auch wenn du nur eine Bremse betätigst – das System regelt das elektronisch. Da ABS bei Motorrädern ja (leider, aus Gründen) innerhalb der EU zur Pflicht wird, ist Honda hier gut aufgestellt. Selbst die CBR 250 hat ja bereits das Combined ABS.

Nach der Crossrunner ist dann leider die Veranstaltung vorbei, als wir wieder auf den Hof fahren, wird bereits abgebaut. Die Mopped-Timeline sitzt dann noch ein wenig zusammen und quatscht, aber schließlich müssen wir noch nach Stuttgart zum morgigen Wheelie-Training von Lothar Schauer. Die Frage ob wir über die Autobahn fahren sollen verneine ich wehement, das hatte ich heute schon in ausreichender Dosis. Also machen Stephan, Alex, Micha – der uns noch ein Stück des Weges begleitet – und ich uns auf den Weg. Der erste Teil der Strecke ist echt langweilig, aber nach einigen Kilometern wird es dann irgendwann doch interessant. Wir fahren den Neckar entlang, genießen in der Abendsonne die wunderschöne Landschaft und kommen auf der Bundesstraße dennoch zügig voran. Einzig mein Helm macht Probleme, die Frisur trägt zu sehr auf, weil meine  Dreads an den Ansätzen dicker geworden sind. Davon bekomme ich richtig unangenehme Kopfschmerzen, da muss ich unbedingt etwas unternehmen.

Irgendwann erreichen wir endlich Stuttgart und finden relativ zügig den Weg zu Tanneliese und Andi, von denen wir an der Garage herzlich empfangen werden. Patrick und Boris von  der Handwaschpastenranch sind ebenfalls bereits zugegen, die beiden sind mit den Fuffies angereist, um die Maschienchen für die Alpen Ausfahrt zu testen. Nach einem leckeren Chili quatschen wir noch gemütlich beim Bier, es ist schön, dass die alte Twitaly Bande mal wieder komplett ist, doch irgendwann siegt der anstrengende Tag und wir hauen uns in die Falle.

Ich merke, dass ich total erschöpft bin. Es war ein anstrengender, aber auch unglaublich schöner und intensiver Tag. Fast 14 Stunden Motorrad fahren – und das nicht nur stumpf stupide, sondern dabei während dem Honda Event noch tolle neue Erfahrung machen, das ist etwas was mir gefällt. Aber anstrengend ist es trotzdem. Und morgen das gleiche noch mal. Wheelen. Ich muss schlafen. Jetzt.

PS: Eigene Fotos reiche ich nach. Bin ich aufgrund der Renovierung noch nicht zu gekommen. Ich habe ein paar Fotos von Stephan und die Bilder von Honda verwendet.