Helmkameras liegen derzeit im Trend, auch ich hatte mich ja bereits vor einiger Zeit mit diesem Thema beschäftigt. Die Kollegen von Mopeten.TV haben dem Thema sogar eine eigene sehr informative Sendung gewidmet, zu der ich mit diesem Beitrag noch etwas beisteuern will: Ich habe mir eine Oregon Scientific Action Cam ATC 5000 gekauft, das Topmodel der ATC Serie. Am Wochenende vor meinem Urlaub habe ich sie zum ersten Mal getestet.

Etwas unschön im Blister verpackt kommt die Kamera bei mir an, aber es ist ja der Inhalt, der zählt: Die Kamera, diverses Befestigungsmaterial, Webcamstativ, Treiber CD, USB/AV Kabel, Fernbedienung und - was ich wichtig finde - Batterien. Eine Speicherkarte wird nicht mitgeliefert, weswegen ich mir eine 4 GB Karte mitbestellt habe, was auch die maximal verarbeitbare Größe der ATC 5000 darstellt. Mit dieser Kapazität können aber immerhin über 2 Stunden Material bei bester Qualität aufgezeichnet werden. Die Batterielaufzeit beträgt in etwa 4 bis 6 Stunden. Akkus sind angebracht.

Der erste optische Eindruck der Kamera ist gut, sieht stabil und kompakt aus und ist doch mit rund 130 Gramm (ohne Batterien) sehr leicht. Vorne sitzt das Objektiv hinter einer Glasscheibe geschützt, hinten ist ein kleines aber völlig ausreichendes 3,8 cm breites Display. Der Knopf um die Aufnahme zu starten und zu stoppen ist groß genug, um ihn auch mit Winterhandschuhen zu betätigen, die Knöpfe zur Einstellung und Menüführung der Kamera sind hingegen nur mit den Fingern zu bedienen, was ich aber nicht als Nachteil sehe, da die Konfiguration ja nicht während des Betriebs vorgenommen werden muss.

Beim Einsetzen der Batterien fällt mir etwas negativ auf: Das Batteriefach ist mit einer Schraube verschlossen, die nur mit einem Messer, oder einem Schraubendreher herausgedreht werden kann, mit dem Fingernagel ist es nicht möglich. Zum Batteriewechsel wird also Werkzeug benötigt, das finde ich persönlich nicht gut durchdacht und unpraktisch, es fährt ja nicht Jeder so alte Kisten wie ich und hat immer die halbe Werkstatt in den Seitentaschen. Die Speicherkarte ist allerdings ohne Probleme einzusetzen, der Verschluss des Deckels, der das Batteriefach und die Aufnahme der Karte abdeckt und abdichtet rastet fest ein, macht einen robusten Eindruck. Es sieht wirklich so aus, als wäre die Kamera wie angegeben bis 3 Meter wasserdicht. Also sind Regenfahrten kein Problem.

Als ich die Kamera einschaltet, meldet diese sich mit einem sehr lauten Pieps, das Display beginnt zu leuchten und zeigt kurze Zeit später das, was das Objektiv aufnimmt. Die Aufnahme sieht auf den ersten Blick gut aus, aber die endgültige Qualität kann natürlich erst im Feldversuch getestet werden. Was mich stört: Das laute Piepsen, das die Kamera bei jedem Tastendruck von sich gibt, sowie die Tatsache, dass die Tasten recht lange gedrückt werden müssen, bis die Funktion aufgerufen wird. Für den Outdoorbereich ist das sicherlich sinnvoll, aber nicht, wenn die Kamera fest am Motorrad montiert betrieben wird. Ich navigiere durch das einfache Menü und bin erfreut, dass sich das nervige Gepiepse abestellen lässt. Dann die erste Aufnahme im Wohnzimmer: Mit einem langen Tastendruck auf die Start/Stopp Taste beginnt die Kamera mit der Aufzeichnung, was auch im Display angezeigt wird. Ein erneutes Drücken beendet die Aufnahme. Ich wechsle wieder ins Menü und spiele das Video ab - sieht gut aus, und sogar der Ton wird über einen internen Lautsprecher mit ausgegeben.

Um die Kamera nun im Realbetrieb zu testen montiere ich sie am linken Blinker meiner Yamaha XJ 650, was mit dem mitglieferten Befestigungsmaterial kein Problem ist und einige fummelige Minuten später sitzt die Kamera fest an ihrem Platz. Hier zeigt sich bereits die Stärke der ATC 5000: Durch das Display ist die Kamera sehr gut und problemlos auszurichten, das ist wirklich eine tolle Sache. Das genaue Ausrichten ist übrigens sehr einfach, wenn ihr euch ca. 1 Meter vor eine Wand oder eine Auto stellt und das Licht einschaltet - ist der Lichtkegel genau in der Mitte des Displays, dann passt es sehr gut. Die Höhenausrichtung kann danach ganz nach dem persönliche Geschmack vorgenommen werden. Das Display hilft übrigens auch sehr dabei, schöne Plätze zu finden, wo ihr die Kamera anbringen könnt, um interessante Einstellungen aufzunehmen.

Ich starte also die Aufnahme und fahre los, ein paar schöne Strecken abfahren und hoffe, dass der diesige Himmel unterwegs noch ein wenig aufklart, denn Licht muss im ausreichenden Umfang vorhanden sein, sonst werden die Aufnahmen vermutlich nicht so schön. Gut zwei Stunden fahre ich kleine Nebenstrecken ab und treffe schließlich wieder Zuhause ein. Nun geht es daran, die Kamera zum ersten Mal mit dem PC zu verbinden, um das Video auf die Festplatte zu kopieren und zu sichten.

Die USB Verbindung ist hergestellt und die Treiberinstallation verläuft auf meinem alten Windows XP Rechner ohne Probleme, mit neustem Servicepack muss sogar nichtmal die Treiber CD eingelegt werden. Ich öffne das Laufwerk der Kamera und kopiere die 1,5 GB große AVI Datei auf meine Festplatte. Nachdem der Kopiervorgang abgeschlossen ist, sehe ich mir die Datei im Videoplayer an und die Qualität ist für meinen Geschmack ganz gut. Ich sichte das Material weiter und stelle dennoch einige Schwächen der ATC fest: Die Soundaufname ist nur bis ca. 60 Km/h erträglich, bei höheren Geschwindigkeiten sind nur noch stark rauschende Windgeräusche zu vernehmen. Zudem ist die Blende der Kamera recht langsam und passt sich dem Wechsel von Dunkel nach Hell nur zögerlich an. Ansonsten ist das Bild aber okay, die Auflösung beträgt 640x480 Pixel bei einer Bildrate von 25 Bildern pro Sekunde.

Ein weiteres Problem bei Aufnahmen mit dem Motorrad sind die Erschütterungen, gerade wenn es etwas schneller als 100 Km/h zu geht. Die Kamera nimmt fest montiert jeden Stoß auf und das Bild wackelt. Hier muss einfach etwas gebastelt werden, eine Packung Taschentücher sollte als Puffer bereits einiges der Stöße abfangen, das hat ja bereits bei meinem ersten Helmkameratest mit der FlyCamOne funktioniert. Ob die mitglieferte Gummiunterlage da hilft, kann ich nicht sagen, aber ich denke nicht wirklich, dass dies bereits ausreicht. Wer es komplett ohne Stöße haben will, kann die Kamera aber auch einfach am Helm montieren, der Körper selbst fängt die Stöße nämlich immer noch am besten ab.

Ich schneide das Testvideo zusammen, unterlege es mit Musik von PurePipe, kürze meine Fahrt auf eine wesentliche Aufnahme, die alle angesprochenen Probleme demonstriert. Leider muss ich das Video zwei mal Rendern, weil Pinnacle VideoSpin mir das nicht im FLV Format exportiert. Scheiß Programm. Also muss ich es als AVI exportieren und danach mit einem FLV Encoder wieder encodieren. Qualitätseinbußen sind da natürlich vorprogrammiert. Die Qualität ist also eigentlich ein wenig besser, als im folgenden Testvideo, bei dessen Betrachtung ich viel Spaß wünsche.

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Mein Fazit: Für mich wird die ATC 5000 reichen, da ich nur hier und da ein paar Strecken im schönen Sauerland vorstellen will, um Anreize zum Nachfahren zu schaffen. Für den professionellen Einsatz ist die Kamera sicherlich nicht unbedingt geeignet. Dafür bietet sie aber wirklich ein gutes Preis-/Leistungsverhältnis und den Vorteil einer kleinen und leicht "all in one" Kamera mit eingebautem Display und Aufzeichnungsmedium.

Das günstigste Angebot für den Kauf einer ATC 5000 habe ich übrigens beim "Warsteiner Fotosversand" gefunden, dort kostet die Kamera statt der UVP des Herstellers von 200,- lediglich 149,- Euro und die Speicherkarte gibt's dort auch günstig für 20 Euro dazu. (Hinweis: Dies ist KEINE Werbung, sondern eine redaktionelle Information!)

Das Helmkamera Einsteigerpaket für rund 170 Euro: Ich bin zufrieden mit dem, was ich für den Preis bekommen haben. Jetzt werde ich mal versuchen ein paar schöne Aufnahmen hinzubekommen.

Man sieht sich. ;-)

Weitere Links zum Thema:

- Videoequipment für's Motorrad
- Vorstellung der Chasecam PDR100GF