Der Plan war folgender: Eine billige Kamera kaufen, am Motorrad befestigen und ein paar nette Fahrvideos drehen, in denen ich "Die schönsten Motorradstrecken im Sauerland" vorstelle. Die Idee war gut, doch die Welt noch nicht bereit, denn leider stellte sich das von mir gewählte Produkt, die FlyCamOne2 als nicht einsetzbar heraus.

Gut, ich muss zugeben, dass die FlyCamOne2 eigentlich dazu gedacht ist, um mit Modellflugzeugen und -hubschraubern Flugvideos zu drehen. Da mein Bruder begeisterter Modellflieger ist, weiß ich aber, wie schnell die Modellflugzeuge teilweise sind und bin einfach davon ausgegangen, dass eine Montage der Kamera auf der Enfield keinerlei Probleme bereitet. Außerdem reizte mich der günstige Preis von rund 80 € inklusive der 2 GB Highspeed SD Karte.

Aber erstmal zu den technischen Details:

  • Die FlyCamOne2 zeichnet in einem Bildformat von 640 x 480 Pixeln (1,3 MegaPixel Kamera) im MPEG4 Format bei 25 Bildern pro Sekunde auf
  • Der Akku wird in drei Stunden per USB vollgeladen und hält etwa 40 bis 60 Minuten
  • Es wird eine HighSpeed SD Karte (maximal 2 GB) zur Aufzeichnung der Videodaten benötigt, 2 GB reichen für ca. 2,5 Stunden Filmmaterial
  • Es gibt verschiedene Aufzeichnungsmodi, die per Bedienknopf gewählt werden können
  • Rudimentäres Befestigungsmaterial wird mitgeliefert
  • Die Kamera ist etwa so groß wie kleines Mobiltelefon und wiegt fast nichts
  • Das Objektiv ist um 90° schwenkbar

Also ist die Kamera wirklich optimal geeignet, um sie an einem Motorrad anzubringen und der Preis ist unschlagbar günstig.

Leider hat die Kamera bei mir allerdings überhaupt nicht funktioniert. Nach einigen Tests mit Aufnahmen bei denen ich die Kamera in der Hand hielt, schien alles bestens zu funktionieren, sogar die Qualität war bei ausreichender Beleuchtung brauchbar (wobei brauchbar nicht "gut" bedeutet).

Sobald ich die Kamera jedoch an der Enfield montiert hatte und während der Fahrt aufgezeichnete, sank die Bildrate immer auf sagenhafte 2 Bilder pro Sekunde. So konnte ich mir dann ein 30 minütiges Video ansehen, das 1 Minute in extremer Zeitlupe zeigte.

Ich führte das zuerst auf die Vibrationen der Enfield zurück, da das Bild immer ein wenig "schwabbelig" war. Also habe ich die Kamera mit einer Packung Taschentücher gedämpft angebracht, was das "Schwabbeln" auch vollkommen verschwinden ließ. Ich habe dann ein paar Trockenübungen gemacht, ohne das ich gefahren bin, die Aufzeichnung funktionierte einwandfrei, doch bei Aufnahmen während der Fahrt waren die Videos wieder auf 2 BPS reduziert.

Letzten Freitag war Stephan Fritsch von Mopeten.TV zu Besuch und er meinte, dass der Kompressionschip der Kamera wohl zu langsam ist, um die Menge der Bildinformationen während des Fahrens schnell genug zu komprimieren, was letztendlich auf den geringen Preis der FlyCamOne2 zurückzuführen ist. Und das will ich auch noch hinzufügen: Die Verarbeitung der FlyCamOne2 ist in der Tat recht billig. Das Ding sieht auf den ersten Blick zwar nicht schlecht aus, aber die Qualität der Kamera ist grenzwertig, denn Aufnahmen in einem beleuchteten Raum erzeugen bereits ein heftiges Rauschen der Videobilder. Auch bei Außenaufnahmen schwächelt die FlyCamOne2, denn helle Bereich wie der Himmel sind oft überbelichtet, dunkle Bereiche wie Schatten von Bäumen und Sträuchern unterbelichtet. Da macht sogar mein Mobiltelefon bessere Aufnahmen (hey, da kommt mir eine Idee...).

WIrklich sehr schade, aber ich werde die Kamera morgen zurückschicken. Das Projekt "Die schönsten Motorradstrecken im Sauerland" muss also noch ein wenig warten, bis ich eine geeignete Kamera gefunden habe, wobei ich mich aktuell für die Oregon ATC-3000 interessiere.

Ich werde weiter über meine ersten Video Gehversuche berichten und kann hoffentlich bald meine wunderschöne (Motorrad)Heimat per Video vorstellen.