Ab dem 01.01.2007 ist die Zulassung eines Neumotorrads in Deutschland nur noch möglich, wenn es der Euro-3-Schadstoffnorm entspricht. Für Kleinserien, von denen nicht mehr als 5000 Fahrzeuge im Jahr produziert werden, ist durch eine Ausnahmeregelung die Zulassung noch bis zum 01.01.2008 möglich, doch dann ist auch für diese definitiv Schluss. Von dieser Neuregelung betroffen sind im Grunde alle Fahrzeuge, die noch mit Vergasern ausgerüstet sind, z.B. die Royal Enfield Bullet, die Kawasaki W650, die Urals und Dneprs und einige Enduros wie die Suzuki DR400SM.

Ich sehe das mit einem lachenden und mit einem weinenden Auge, denn einerseits ist es zu begrüßen, das die Motorradhersteller dazu gebracht werden, etwas für den Klimaschutz zu machen, denn leider ist der Ausstoß von Schadstoffen bei Motorrädern tatsächlich um ein vielfaches höher, als bei einem Pkw. Allerdings muss hier auch fairerweise gesagt werden, dass es wesentlich weniger Motorräder gibt als Pkw und zudem mit Motorrädern in der Regel auch weniger Kilometer zurückgelegt werden – aber sei’s drum: Je weniger Schadstoffe, um so besser.

Leider ist diese Maßnahme auch sehr starr und restriktiv, wodurch bestimmte Arten von Motorrädern in Zukunft in Deutschland nicht mehr zugelassen werden können. Am Beispiel Royal Enfield und Ural/Dnepr zeigt die neue Regelung dann leider ihre hässliche Fratze der EU Bürokratie: Für Enfield, Ural und Dnepr ist wenn nicht schon 2007, dann spätestens 2008 Schluss. Was die EU nicht interessiert: Gerade an nicht sehr stark vertretenen Marken hängen auch Existenzen, die jetzt in Gefahr sind. Die großen Marken (KaYaHoSu und HD) interessiert die Richtlinie im Grunde nicht, da alle neueren Modelle vom Motorkonzept her mit Direkteinspritzung arbeiten und so die Euro-3-Norm spielend erreichen. Die kleinen Marken können bei dieser Entwicklung aber nur schwer mitziehen, da teilweise das Knowhow und auch die Finanzen dafür nicht vorhanden sind. Auch die wenigen Dieselmotorräder (als Beispiel: Sommer Enfield Diesel) sind von der Neuregelung betroffen und in ihrer Existenz bedroht – obwohl diese Motorräder extrem wenig Treibstoff verbrauchen.

Derzeit sind knapp 4 Millionen Motorräder in Deutschland zugelassen und ca. 1600 davon sind Royal Enfields. Bei dieser Verhältnissmäßigkeit muss nach der Sinnhaftigkeit der neuen Regelung gefragt werden. Ist es wirklich sinnvoll sich beim Thema Abgaspolitik so restriktiv zu verhalten, wenn dadurch kleine Motorradhändler und -hersteller so existentiell bedroht werden? Eine sinnvolle Sonderregelung wäre hier angebrachter und nicht eine Politik, die sich gegen eine kleine Gruppe von Bürgern richtet. Eine Möglichkeit wäre gewesen die Zulassungszahlen zu beschränken: Es können nur maximal X (z.B. 300) Fahrzeuge je Hersteller mit Euro-2-Norm zugelassen werden. Das Kraftfahrzeugbundesamt erhebt schon seit Jahren detaillierte Statistiken, eine solche Variante ist technisch kein Problem und wäre gegenüber den Händlern und Herstellern der kleinen Marken eine faire Lösung und diese könnten ihre Existenz aufrecht erhalten.

Da die „Kleinen“ keine Lobby haben, sehe ich allerdings wenig Chancen, dass nachgebessert wird. Und das ist in meinen Augen wirklich traurig. Einige wirklich tolle Motorräder werden vom Markt verschwinden. Und das nicht wegen mangelnder Nachfrage, nein, sie werden praktisch per Gesetz verboten.