Nein, es geht nicht um den Jahreswechsel, aber trotzdem um gefährliche Chinakracher, die sogenannten „Pocket Bikes“. Gleich vorweg: Ich will Niemandem den Spaß an diesen durchaus lustigen Gefährten nehmen, aber kürzlich lief im Radio ein Bericht, der die niedlichen Gefährte in einem nicht mehr ganz so glanzvollen Licht erscheinen lässt. Wer sich also dem Vergnügen hingibt ein Pocket Bike zu fahren, sollte sich jedoch der möglichen Konsequenzen bewusst sein, wenn dies nicht im gesetzlichen Rahmen geschieht.

Das die Chinakracher nicht für den öffentlichen Straßenverkehr zugelassen sind, dürfte wohl bekannt sein. Der Betrieb kann also nur auf der Kartbahn oder eben auf dem Privatgrundstück – der Fachterminus lautet hier „im nichtöffentlichen Verkehrsraum“ – erfolgen. Lässt man es dennoch im Bereich der StVo ordentlich chinakrachen und wird von den freundlichen Helfern in Grün bemerkt, sind die Folgen fatal: Fahren ohne Versicherungsschutz (Höchststrafe 1 Jahr Gefängnis, 6 Punkte) und Fahren ohne Zulassung (Ordnungswidrigkeit, 3 Punkte) – das flenst.
Und wehe dem, der keinen Motorradführerschein besitzt, und dessen Chinakracher über 60 Km/h fährt, was übrigens gerne durch einen kostenpflichtigen Test auf dem Prüfstand festgestellt wird: Auch das flenst und wird großzügig als „Fahren ohne Führerschein“ ausgelegt. Selbiges gilt übrigens für jugendliche Klasse M Piloten, wenn die Geschwindigkeit des Minimopeds die 45 Km/h Grenze übersteigt.
Nicht weniger wissenswert ist, dass der Parkplatz des Aldi um die Ecke zwar Privatgelände, jedoch zum öffentlichen Verkehrsraum zählt, also obacht. Ein Gelände gilt nur als nichtöffentlich, wenn es durch einen Zaun umschlossen und die Zufahrt abgesperrt ist.

Wer also Probleme mit den Grünen vermeiden will, fährt nur in abgesperrten Bereichen, so sind Probleme mit dem Verkehrsrecht ausgeschlossen, bleibt jedoch leider noch ein anderer Rechtsbereich, der von den Chinakrachern tangiert wird: Das Versicherungsrecht. Im Falle eines Unfalles kommt die Versicherung nämlich in der Regel nicht für Schäden auf, da die Privathaftpflicht dies nicht abdeckt. Und auch das kann teuer werden, besonders dann, wenn Dritte beteiligt sind.

Was Spaß macht ist, so wie das Leben selbst, nicht immer ungefährlich und Risiken sind wohl dazu da, um sie abzuwägen. Etwas, dass sich auch auf das Motorradfahren übertragen lässt und jeder Mensch sollte selbst entscheiden welche Risiken er eingeht, dazu ist jedoch wichtig, dass die Risiken und Folgen überhaupt bekannt sind.

Das Risiko bei den billigen Chinakrachern ist ganz klar die teilweise mangelhafte Verarbeitung. Und hier sei mir der Vergleich mit nicht zugelassenem Feuerwerk gestattet: Es ist zwar schön billig, aber man kann sich auch schnell die Finger verbrennen. Wer es also krachen lassen will, der möge wenigstens zu einem Qualitätsböller greifen.

Denn auch bei den Pocket Bikes gibt Markenhersteller (Polini, Blata, …) und eben den billigen Schrott aus China mit teilweise erheblichen Mängeln an wichtigen Teilen, wie Rahmen und Bremsen. Warum sollte ein Chinakracher besser sein, als ein Baumarktroller? Eine weitere Frage ist auch, warum die Pocket Bikes aus Fernost nur ein Zehntel von dem kosten, wie die Produkte von namenhaften Herstellern?

Ich erwähnte es schon: Risiken sind dazu da, um abgewogen zu werden. Wer also doch zur günstigen Alternative greift, sollte vor dem Fahren das Gerät überprüfen. Funktioniert die Bremse? Sind die Schweißnähte am Rahmen in Ordnung? Können die Gräten auch nicht in die Kette gelangen? Kann der blöd verlegte Krümmer nicht vielleicht doch den Benzinschlauch entzünden? Kann man das Ding überhaupt steuern? Wie sieht es aus mit scharfen Kanten?

Und was, wenn etwas nicht in Ordnung ist? Sollte es sich nicht um einen Gebraucht- oder Privatkauf handeln, ist ein Umtausch möglich – oder es werden alle Bedenken über Bord geworfen. Risikoabwägung. Hatten wir ja schon.

Problem ist nur, dass anscheinend gerade Minderjährige auf die Chinakracher abfahren, weil sie so günstig, nein billig sind. Ich möchte nicht ausschließen, dass es auch Minderjährige gibt, die mit den Gefährten verantwortungsbewusst umgehen, aber wer sich im Internet ein wenig durch die entsprechenden Foren gräbt wird feststellen, dass da doch teilweise recht wenig über Risiken und Folgen nachgedacht wird:

„Ich habe schon fest geplant, daß ich sobald ich meinen Lederkombi habe mein bike schnappe und mitten durch unsere stadt heize! Die Bullen können ihr gefährt nämlich nicht so über nen zaun heben und weiter bügeln. Das wird n mega fun! Freu mich jetzt schon drauf.“

Ganz besonders dufte fand ich die Erzählung dieses bildungsfernen Mitbürgers:

„Da bin ich vor ner Weile mal von so nem Hilfspolizisten (der allein unterwegs war) verfolgt worden. Dreh mich so um und wunder mich warum der Depp so dicht hinter mir herfährt – und auf einmal tut der sich so n blaues Licht (à la Alarm für Cobra11) auf s Dach.
Ab da hab ich Stoff gegeben-nur war dem sein Jeep halt schneller als ich mit meinen 50 km/h ….
Hab angehalten, gewartet bis er ausgestiegen is…dann wieder Vollgas gegeben….des hab ich 3x gemacht bis ich in der Nähe von nem Wohngebiet war….da hab ich mich dann durch n paar Seitenstraßen und schmalen Wegen wo kein Auto durchpasst dünne gemacht…“

Es gab schon mehrere Todesfälle, weil auf der Straße gefahren wurde, oder weil die Technik versagt hat. Bedingt durch die geringe Höhe sind die Pocket Bikes leicht zu übersehen und bei einer Kollision mit einem Auto trifft es meistens den Kopf. Und wen es bei 70 Km/h vom Bock wirft, der wird selbst mit Schutzkleidung sicherlich nicht nur leichte Verletzungen davontragen. Das ist bei Pocket Bikes nicht anders als bei Motorrädern.

Wenn es nicht so zynisch und traurig wäre, könnten die Chinakracher auch als „darwinistische Selektionsmaschinen in Reinform“ bezeichnet werden. Die Leute, die sich wirklich mit diesem Billigschrott auf befahrene Straßen trauen, sind entweder einfach nur dämlich, oder haben ein sehr tiefes Vertrauen in ihren Gott.

Ergo: Risiken abwägen und richtig entscheiden – lieber etwas mehr Geld investieren und auch auf nichtöffentlichem Gelände Schutzkleidung benutzen. Damit ist das Versicherungsproblem allerdings immer noch nicht gelöst.

PS: Ich wollte mit diesem Beitrag NICHT den Zeigefinger erheben, sondern nur auf die Risiken hinweisen. Muss jeder selber wissen was er riskiert und was nicht.