Steve McQueen ist mir im Gedächtnis geblieben, weil ich als Jugendlicher den Film “Gesprengte Ketten” gesehen habe und diesen sehr mochte. Die Melodie des Hauptthemas der Musik in diesem Film ist auf ewig in meine Erinnerung eingebrannt und ebenfalls der legendäre Stunt von Steve McQueen (bzw. Bud Ekins), als er versucht mit einem Motorrad über die Schweizer Grenze in die Freiheit zu springen. Es gelingt ihm nicht, er stürzt und landet im Stacheldraht von Nazi Deutschland. Wissenswertes Detail: Steve McQueen hat das Drehbuch von “Gesprengte Ketten” umschreiben lassen, damit er in diesem Film Motorrad fahren konnte. Seine Leidenschaft für Motorräder hat er Anfang der siebziger Jahre in einem besonderen Film zum Ausdruck gebracht: On Any Sunday.

Steve McQueen spielt am Strand

Steve McQueen spielt am Strand

Die Dokumentation “On Any Sunday” (dt. Titel “Teufelskerle auf heißen Feuerstühlen”) wurde von Steve McQueen finanziert und er spielte in einigen Szenen sogar selbst mit, Regisseur war Bruce Brown. Teils wird im Film die Motorrad Rennszene der USA Anfang der siebziger Jahre dargestellt, teilweise wird aber auch Steve McQueens Motorrad Affinität thematisiert. Ein interessanter Einblick, eine Momentaufnahme in der Geschichte der Motorräder und die Darstellung McQueens Strebens mehr zu sein, als nur ein bekannter Schauspieler.

“On Any Sunday” behandelt verschiedene Themen, einige dramatisch, einige heiter, andere emotional und die Kameratechnik ist wegweisend. Viele Einstellungen sind in Zeitlupe und mit viel Zoom gedreht und das ganz ohne Spezialkamera. Statt 12 Volt Batterien wurden einfach 24 Volt Batterien in die Kamera gesteckt, damit der Motor schneller lief. Ein einfacher aber gut funktionierender Trick. Vermutlich fuhr Bruce Brown auch eine Husqvarna und war deshalb so ein Improvisationstalent.

Die Dokumentation beginnt damit, dass verschiedene Motorräder und Motocross Rennen gezeigt werden. Danach fahren Kinder mit ihren Fahrrädern ebenso wild über Parcoure und eifern den Motorradfahrern nach. Wer fällt steht wieder auf und weiter geht es. Wirklich sehr schön anzuschauen und witzig.

Als nächstes werden Straßenrennen und Dirt Track Rennen (Aschebahn) gezeigt, gefolgt von einem Einblick in das Leben eines Dirt Track Rennfahrers (Malcolm Smith). Hier fand ich wirklich erstaunlich, wie hart das Leben der frühen Motorradrennfahrer war. Die Bezahlung war im Vergleich mit dem Aufwand mieserabel. Die Fahrer mussten selbst von Rennen zu Rennen reisen und die Maschine auch oft noch selbst beschrauben. Es wird auch ein wenig über Steve McQueens Engagement für den Endurosport berichtet.

Dann werden einige exotischere Motorrad Sportarten vorgestellt: Seitenwagen-, Drag- und Eisspeedway-Rennen. Die Eis-Rennen sind irre! Im Grunde genau wie auf der Aschebahn, eben nur auf einer Eisfläche, die Reifen mit Spikes bestückt. Was bei einem Sturz passieren kann, nun, die Vorstellung überlasse ich jedem selbst.

Im Anschluss wird über die legendären Hochgeschwindigkeitsfahren auf den Bonneville Salt Flats in Utah berichtet. Hier gilt es den Weltrekord zu knacken und unweigerlich muss ich an den Film “The Worlds Fastest Indian” (dt. “Mit Herz und Hand”) denken, in dem sich auch vieles der Geschichte um Maximalgeschwindigkeit dreht. Auch ein schöner Film.

Nach den Rekordjägern wird noch über eine andere in den USA sehr populäre Sportart berichtet: Hill climbing. Ich sehe ja solche Videos gerne auf YouTube und der Charakter dieser Sportart wird auch in der Dokumentation entsprechend dargestellt: Unterhaltsam bis bekloppt, ein wenig schräg, eben genau wie Hill climbing selbst. Sehr beachtlich übrigens, als Malcolm Smith da mit seinem Scrambler hochbrettert und es beim zweiten Versuch wirklich weit schafft. Noch beachtlicher allerdings, dass er mit dem Motorrad den Berg auch wieder runter fährt.

Die Abschlussszenen sind dann nochmal ein optischer Hochgenuss: Steve McQueen und seine Kumpels fahren einfach so zum Spaß in der Wüste rum, maulen sich, lachen sich scheckig, steigen wieder auf und fahren entspannt weiter. Beeindruckend, wie locker Steve McQueen ist, wenn er auf einem Motorrad sitzt, schließlich ist er nicht gerade für ein ruhiges Gemüt bekannt. Die letzte Szene – auf YouTube übrigens sehr beliebt und bekannt – schließt die Dokumentation dann ruhig mit schönen Bildern ab: Die Motorradfreunde fahren im Sonnenuntergang mit ihren Scramblern am Strand herum, drehen Kreise, haben Freude.

Was für eine Hommage an das Motorradfahren, was für ein detaillierter Einblick in eine Saison US amerikanischer Motorrad Geschichte und das auch noch mit Steve McQueen! Ich bin wirklich begeistert von der Doku. Irgendwie war das “Die Wüste lebt“, was ich als Kind geliebt habe, nur eben mit Motorrädern. Unterhaltsam, dramatisch und visuell hervorragend. Ich schrieb es ja bereits auf Facebook: Das ist erstklassiger 70er Jahre Motorcycle Porn!

Der Film hat übrigens in der USA einen großen Einfluss gehabt. Galt Motorradfahren damals doch nur als etwas das “böse Jungs” machen, wurden die Zuschauer durch diesen Film aufgeklärt. Motorradfahren macht Spaß und süchtig! Zudem hat der Film wesentlich zur Verbreitung des BMX Sports beigetragen (BMX = Bicycle motocross), denn im Intro werden Kinder auf Bonanza Fahrrädern gezeigt, die über eine Enduropiste radeln und die Endurofahrer nachahmen. Damit war der Grundstein für BMX gelegt.

McQueen auf dem Cover der "Sports Illustrated"

McQueen auf dem Cover der "Sports Illustrated"

Es gibt nicht viele Filme, die Motorradfahren als zentrales Thema haben und nur ganz wenige davon kann ich empfehlen. “Biker Boyz” z.B. ist so gerade noch an der Grenze, aber “Hart am Limit” ist übelster Kernschrott. Was bleibt da noch? Nun gut, “Easy Rider”, aber der Film ist eigentlich auch scheiße, wenn er nicht Kult wäre, weil er sich so schrecklich lange zieht. Dann gibt es da noch “Ghostrider”, cooler Streifen, aber kein wirklicher Motorradfilm. “Mit Herz und Hand” ist natürlich genial, und ohne Frage einer der schönsten und familientauglichsten Filme, in dem es auch um Motorradfahren geht, aber “On Any Sunday” spielt nochmal in einer anderen Liga, weil es eben eine Dokumentation ist. Mir ist nichts vergleichbares bekannt. Deswegen mein abschließendes Urteil: SollteMuss man gesehen haben!

Einen Kritikpunkt habe ich aber noch: Die deutsche Synchro! Da werden zwei Interviews (Malcolm Smith / Steve McQueen) extra mit einem total peinlichen amerikanischen Akzent gesprochen. Das hätte man sich auch schenken können, aber gut, so war das vielleicht in den Siebzigern. Wer also des gesprochenen englischen Wortes mächtig ist, sollte die UK Version kaufen.

Und hier könnt ihr die DVD bestellen:

Viel Spaß!

PS: Gerade bei Racemoto.com gefunden – Ein 5 Minuten commercial für Honda von Steve McQueen. Irgendwie ist der Kerl bei Bloggern gerade besonders beliebt. :-)