War ja klar, ich bin es von der Enfield ja bereits gewöhnt, dass der Gaszug des öfteren reißt. Im Schnitt übrigens alle 3250 Kilometer und immer an der selben Stelle: Direkt hinter dem Lötnippel, der im Gasgriff eingehängt ist. Da bringt auch ordentliche Schmierung nichts, mit der ich versucht habe dem Problem entgegenzuwirken, und auch ein Bearbeiten der Führung für den Zug führte offensichtlich nicht zum gewünschten Erfolg.

Letzten Sonntag war es dann mal wieder soweit, ich hatte mich mit einem Bandkollegen zu einer kleinen Ruhrpotttour verabredet und kurz hinter der Dortmunder Innenstadt ereilte er mich dann: Der Griff ins Leere. Aber alles kein Problem, dachte ich mir, wozu hatte ich denn in meiner unendlichen Weisheit wenige Wochen zuvor ein Bowdenzugreparaturset bei Polo gekauft. Aber ganz so unproblematisch war das dann doch nicht.

Erstes Problem: Vergaserkappe lässt sich nicht abschrauben, ohne den Tank zumindest am hinteren Ende anzuheben. Leider sind die Schrauben, um die hintere Befestigung zu lösen, aber nur gut zu erreichen, wenn die Sitzbank zumindest vorne losgeschraubt wird. Dann kann diese nämlich hochgeklappt werden und die Schrauben am Tank sind ohne Fingerakrobatik zu erreichen. Gesagt getan. Vergaserkappe ab, Geraffel raus, den alten Zug entfernen, den Neuen einhängen und das Geraffel wieder rein. Schön wär's, denn der Zug ließ sich nicht in den Nadelschieber einhängen, weil der Lötnippel zu lang war. Also Multifunktionstool raus und abgefeilt, bis er dann passte. Toll, diese Multifunktionstools.

Nach dem Zusammenbau des Vergasers musste ich dann den Zug durch die Hülle schieben, doch auch hier klemmte es und klappte nicht sofort, aber schlussendlich erschien der neue Zug dann irgendwann oben am Ausgang des Mantels. Der kniffelige Teil folgte: Die Sache mit der Länge. Ist der Zug zu lang, wird eine ordentliche Gasannahme schwierig, ist er zu kurz hat das Dauervollgas zur Folge.

Aber ich bin ja kreativ und mit der Fähigkeit Augenmaß zu nehmen ausgestattet und so wusste ich nach einer präzisen Schätzung natürlich genau, wo ich den Schraubnippel aus dem Reparaturset anzubringen habe. Geschätzt, geschraubt... nun muss nur noch der überflüssige Teil des Zuges weg, damit er in die Aufnahme des Gasgriffes eingehängt werden kann.

Der Griff zum Multifunktionstool war erneut vonnöten, da ich sonst keine Zange dabei hatte, doch hier schon ein weiteres Problem: Nach dem Abknipsen wird definitiv noch etwas Kabel überstehen, weil die Zange des Multifunktionstools ein Abknipsen direkt hinter dem Ende des Lötnippels bauartbedingt nicht zulässt. Naja... erstmal drauf geschissen, um die Feinheiten kann ich mich ja auch später kümmern.

Leider unterlag ich dem Irrtum, mein Multifunktionstool wäre Qualitätsware und würde etwas aushalten, doch nach dem ersten beherzten Knipsversuch musste ich einen erneuten Schicksalsschlag hinnehmen: Das Gelenk der Zange brach in der Mitte durch. Was blieb mir also übrig? Richtig: Wird Metall gebogen, bricht es irgendwann.

Nun, diese Theorie lässt sich sogar in die Praxis umsetzen, allerdings erwähnt die Theorie nicht, dass der Biegevorgang ungefähr 100 Mal wiederholt werden muss, bevor etwas bricht, aber ich bin ja nicht nur weise, sondern auch ausdauernd und irgendwann ist der Widerstand aller einzelnen Drähte des Zugs gebrochen und ich kann mich endlich meinem nächsten Problem widmen: Da steht noch Kabel über und ich krieg DEN VERDAMMTEN NIPPEL NICHT IN DIE ***** LASCHE GEFENTERT!

Nach einer beruhigenden Zigarette kommt mir dann die mal wieder grandiose Idee, ich könnte doch mit den Resten des Multifunktionstools doch einfach das überstehende Geraffel wegfeilen. Ergebnis: Nette Theorie, doch praktisch nicht durchführbar. Aber mit dem Messer die Drähte einzeln umbiegen, das klappt und mit ordentlich Ballistol ist der Nippel dann irgendwann in der Aufnahme des Gasgriffes eingehängt.

Der Griff ist schnell wieder zusammengebaut und nach einer ersten Probedrehung stelle ich fest, das meine Schätzung ziemlich perfekt war. Es fehlen lediglich 2 Zentimeter. Glücklicherweise nicht in der Länge und so kann ich am Vergaser einfach die Einstellschraube für den Zug herausdrehen und just, als es nicht mehr weitergeht ist die Länge sogar dann wirklich perfekt. Ankicken, probegas - läuft wieder. Hat ja auch nur eine Stunde gedauert, ein Spitzenschnitt. Wenigstens den Tank und die Sitzbank bekomme ich ohne Probleme wieder festgeschraubt.

Was habe ich an diesem Tag gelernt?

 

  • Pack dir einen stabilen Seitenschneider ins Bordwerkzeug
  • Kürze den neuen Zug anhand der Länge des Alten bevor du den Schraubnippel montierst
  • Verlege den Gaszug über weniger Umwege vom Vergaser zum Gasgriff
  • Multifunktionstools sind keine stabilen Werkzeuge
  • Finde endlich eine dauerhafte Lösung, die den Verschleiß an Gaszügen verringert