Letzten Freitag, 8:30 Uhr morgens. Ich wache auf, voller freudiger Erregung. Heute geht’s los. 250 Kilometer mit der Enfield. Zum Enfieldtreffen 2007. Ein Event, auf das ich mich schon seit einem Jahr freue. Ich wache auf, weil Thomas mich anruft und fragt wann wir los wollen. Elf Uhr sage ich. Er ist einverstanden und legt auf. Ich stehe auf und gehe erstmal duschen. Dann ziehe ich langsam alle Klamotten an und packe meinen Kram zusammen. Noch Öl aus dem 5 Liter Kanister abfüllen, 20W50 hab ich jetzt nämlich drin, mal sehen, was das bringt. Nochmal alles überprüfen am Motorrad, Bowdenzüge mit Öl versorgen und sowas.

Um 10 nach 11 ruft Thomas an, er braucht noch ein wenig. Irgendwie kriegt er sein Gepäck nicht so wirklich festgeschnallt. Macht ja nichts… wir haben Zeit also setze ich mich in die Dose meiner Fastfrau und rauche noch ein paar Zigaretten. Es regnet. Aber naja, ich hatte nichts anderes erwartet, denn die ganzen Tage vorher sah es schon ziemlich beschissen aus. Der Regen ist für mich aber nicht wirklich ein Problem, denn in weiser Voraussicht habe ich mir am Abend vorher noch bei Tante Louise eine Regenjacke geholt. Wie sich später herausgestellt hat war das eine Spitzen Idee.

Um 12 Uhr kommt Thomas dann angerollert, wir schmeißen seinen Kram in Anjas Auto, die später nachkommen wird und düsen los. Die Strecke habe ich mir ja schon vorher gut überlegt und ausgedruckt, also sind wir Ruckzuck im Hönnetal und tauchen in die schönen Strecken des Sauerlands ein. Über Balve geht es an der Sorpe vorbei, Richtung Winterberg und wir nehmen unseren ersten größeren Berg. Im Tal durchfahren wir dann das kleine Städtchen Finnentrop, danach geht’s über die Bundesstraße weiter Richtung Olpe, aber kurz vorher biegen wir ab Richtigung Siegen. Und ehe man sich versieht sind wir auch schon im Siegerland – mit wunderbaren Berg- und Talfahrten, nur wir merken leider, dass es Freitag ist. Der Verkehr ist recht dicht und in den Städchen entlang der Bundestraße, prallen wir immer wieder auf kleinere Staus. Es ist etwas nervig, aber da wir es eh nicht eilig haben zu ertragen.

Dann erreichen wir Siegen und stehen erstmal im Stau. Die Idee von der Bundesstraße abzufahren entpuppt sich als Schuß, der nach hinten losgeht, weil wir uns dick verfahren und 2 Mal an der selben Stelle vorbeikommen. Also erstmal anhalten, eine Rauchen, pinkeln und den Tankwart fragen, wie es nun weiter geht. Der freundliche Mann weiß Rat und schickt uns wieder auf die Reise und ab nun kommen wir wieder gut voran.

Die Enfields laufen sehr gut, auch meine – ich bin vom neuen Öl sehr überrascht. Ich bin vorher immer 15W40 gefahren und habe nun zum ersten Mal 20W50 ausprobiert. Auf jeden Fall hören sich die Ventile mit diesem etwas dickflüssigeren Öl wesentlich gesünder an. Das Klickern ist nicht mehr so schrecklich metallisch, sondern dumpfer, was meine Nerven wirklich beruhigt. Nach dem Kolbenfresser im letzten Jahr bin ich nämlich immer noch wieder auf 100% per du mit meiner Enfield. Ich bin zwar trotz gefressenem Kolben noch 1200 Kilometer weit gekommen ohne liegenzubleiben, aber das war schon ein Schlag. Seitdem bin ich der dicken Inderin gegenüber immer etwas vorsichtig und mißtrauisch gewesen. Autobahn war seit dem Vorfall für mich absolut tabu und wird es auch erstmal bleiben.

Wir fahren jetzt immer Richtung Limburg über Berge und durch Täler, wirklich schöne Strecken dabei. Kurz vor Limburg müssen wir leider eine Zeitraubende Umleitung nehmen, weil die Bundesstraße gesperrt ist, aber schließlich erreichen wir Diez. Leider sind wir kurz vor Diez noch in ein sehr heftiges Gewitter geraden, aber nun ist es ja nicht mehr weit. Leider nehmen wir die falsche Ausfahrt an der Bundesstraße und fahren noch einmal in die falsche Richtung, was wir aber schnell merken, umdrehen und dann doch die richtige Route finden. Dann sehen wir plötzlich kleine Schilder auf denen in roter Schrift „ENFIELD“ steht und schon sind wir da. Zeit einen Blick auf die Uhr zu werfen: 19 Uhr. Kurz nach 12 sind wir los – 7 Stunden Landstraße – mit einigen Unterbrechungen natürlich. Das ist okay.

Die Domäne HohenfelsAlso erstmal orientieren, einen „Äppelwoi“ probieren und ein wenig schwätzen. Es sind schon recht viele Enfields da, es werden Zelte aufgebaut und der Regengott macht auch eine Pause. Kurz darauf kommt auch Anja dann endlich an und wir laden die Klamotten aus und gehen danach erstmal was spachteln. Danach noch eine kurze Runde über den Platz, ein paar bekannte Gesichter entdecken, Guten Tag sagen und dann am Feuer ein paar Bier zischen. Spätestens zu dem Zeitpunkt war sie wieder da – die typisch entspannte Enfield Atmosphäre. Liegt vermutlich daran, dass wir unsere Enfields fast immer entspannt fahren und sich das auf uns überträgt.
Nach dem dritten Bier kann ich mich allerdings nicht mehr gegen die Müdigkeit wehren und wir legen uns schlafen.

Das mit den Getränken war übrigens sehr nett organisiert: Unter einem Zelt standen Kästen voll mit Bier, Wasser und was es noch so gibt und zudem ein ca. 50 Liter Fass mit selbstgemachtem Äpplewoi. Auf einem Tisch eine Schale und daneben ein Zettel: Bier 1 Euro, Äppelwoi 20 Cent und so weiter. Also wirklich faire Preise und wer sich etwas genommen hat, schmiss einfach das Geld in die Schale und gut.
Auch der Platz an sich war recht gut für unsere Zwecke geeignet. Es gab ausreichend Platz zum Zelten, Wasch- und Duschmöglichkeiten und eine angeschlossene Gastronomie waren ebenfalls vorhanden.

Am nächsten Morgen stehen wir relativ früh aus, um möglichst nichts zu verpassen. Also schnell gefrühstückt und noch kurz den Tank auffüllen gefahren. Danach informieren wir uns über die vier angebotenen Ausfahrten. Es gibt eine Tour für die Enfields, die etwas schneller bewegt werden wollen, also ab 500cc aufwärts, aber da ich ja mit Anja hintendrauf fahren möchte ist das natürlich nichts für uns. Wir entscheiden uns für die gemütliche 75 Kilometer Tour.

Dann beginnt es leider ziemlich heftig zu regnen und die Ausfahrten werden wegen dem Regen um ungefähr eine halbe Stunde verschoben. In dem leichten Chaos verpassen Anja und ich dann den Start unserer Tour und fahren deshalb dann einfach die 50 Kilometer Ausfahrt mit. Der Start der Ausfahrt verzögert sich dann nochmal ein wenig, weil die Maschine des Tourführers nicht starten will. Die Kerze ist wohl ein wenig zu feucht geworden – ob vom Regen oder von zuvielen Tritten auf den Kickstartet lasse ich an dieser Stelle offen, aber nachdem eine neue Kerze in den Zylinder geschraubt ist, springt die Enfield dann doch noch an und wir tuckern los.

Kurz vor der Ausfahrt. Anja und ich sind auch auf dem Bild. :-) Die Ausfahrt gestaltet sich als sehr angenehm, er wird nicht schnell, aber auch nicht zu langsam gefahren. Nur die Berge hinauf ist es teilweise recht unangenehm, da die Steigungen doch teilweise recht heftig sind. 15 Prozent und mehr, mit Sozia, da muss ich einfach Vollgas fahren, aber ich sehe es als Feuerprobe. Wenn die Enfield das übersteht, dann schaffe ich es ohne Probleme nach Dresden und zurück.
Die Enfield hält natürlich durch, das Wetter übrigens auch und erst, als wir in eine Gaststätte zum Mittagessen einkehren fängt es wieder an zu regnen. Perfektes Timing. Wir bestellen uns Toast Hawaii und einen Jägertoast, weil wir nur eine Kleinigkeit Essen wollen, aber als die Teller gebracht werden, überraschen sie uns mit riesigen Portionen. Nach dem Essen machen wir uns auf die Rückfahrt. Es geht wieder die Berge hinauf, aber nicht mehr so steil wie zu Beginn der Ausfahrt. Und typischerweise ist das bei Bergen ja ein recht beständiges Prinzip: Wenn du rauffährst, fährst du auch irgendwann wieder runter. Nach rund 2 bis 3 Stunden – ich schau bei sowas selten auf die Uhr – sind wir dann wieder an der Burg und Anja und ich beschließen spontan die Tour noch ein wenig auszudehnen und fahren noch ein wenig durch die Gegend.

Weil wir nichts wirklich interessantes finden, außer einer Hochzeitsgesellschaft auf einer anderen Burg und einen Märchenwald, der sich als Kinderspielplatz im Wald entpuppt, fahren wir schlussendlich einfach in eine Eisdiele. Bevor wir uns von dort wieder auf den Weg machen kontrolliere ich noch das Öl und muss mit erschrecken feststellen, dass die Enfield durch die Bergschinderei 250 ml Öl verbraucht hat. Ich fülle das Öl schnell nach und wir fahren zurück.

Ein 6-Zylinder Adler Gespann. Der Kracher!Wie uns erzählt wird, haben wir während unsere kleinen Zusatztour ein echtes Unikat verpasst: Ein 6 Zylinder Adler Gespann. Thomas hat aber ein Foto gemacht und ich muss gestehen: Das Ding hätte ich wirklich sehr gerne live und in Farbe gesehen. 6 Zylinder in einem Motorrad sind ja allgemein recht selten, aber 6 Zylinder in einem Oldtimermotorrad, das sieht man wirklich nicht alle Tage. Es muss auch ein irrer Sound sein, der bei dieser Maschine aus den Rohren tönt. Vielleicht beim nächsten Mal.

Nachdem wir noch ein wenig über den Platz geschaut haben setzen wir uns ins Zelt, zischen ein paar Bier und quatschen ausgiebig. Später gehe ich mit Thomas nochmal eine Runde und wir Treffen durch einen Zufall noch einen Enfieldfahrer aus Unna, und wie sich später herausstellt fährt er jeden Tag bei uns vor der Haustür vorbei. Das erzählt Anja mir nämlich jetzt schon seit einem halben Jahr, das oft jemand bei uns mit einer hellblauen Enfield herfährt. Eine Robin Diesel übrigens. Wie klein die Welt doch manchmal ist.
Nach einem sehr angenehmen geselligen Abend fallen wir dann irgendwann erschöpft ins Bett.

Enfield mit V-MotorGeschraubt werden muss immer.Der Schwan

Am nächsten Morgen packen wir in Ruhe unseren Kram und fahren dann gemütlich los. Die Rückfahrt verläuft ziemlich unspektakulär, wir verfahren uns nichteinmal und sind nach 5 Stunden wieder in Dortmund. Eine sehr angenehme Rückfahrt, weil beide Maschinen wieder wunderbar funktionierten und die Straßen im Sauer- und Siegerland wirklich toll zu fahren sind.Tja, das war das Enfield Treffen 2007. Schön war es und wird es nächstes Jahr bestimmt wieder. Mein Dank gilt natürlich den Organisatoren insbesondere Jochen Sommer samt Familienanhang und auch den Betreibern der Domäne, die uns herzlich willkommen geheißen haben. Auch Thomas möchte ich an dieser Stelle nochmal danken, dass er mit mir über die Landstraße zum Treffen ist und die Geduld bewiesen hat nicht schneller als 80 zu fahren, obwohl er das mit seiner Bullet Electra könnte.