Manchmal ist es ja wirklich zum brechen: Ich meine, ich schraube ja wirklich gerne und mit Leidenschaft, aber nachdem ich die letzten drei Tage jeden Abend bis um zehn in der Garage rumgehangen habe, bin ich nun doch ein wenig frustriert.

Die MZ steht derzeit ohne Vorderrad da, weil die Gabel sifft und ich das vorm TüV unbedingt noch erledigen muss. Ich hatte angefangen das zu reparieren, doch leider kam mir dann die Enfield in die Quere. Letztes Wochenende auf dem Enfieldtreffen fing es während der Ausfahrt an: Ein Rasseln, eindeutig Metall auf Metall drang mit jedem Kilometer immer lauter und lauter in meine Ohren. Gut, die Antriebskette war ziemlich lose, ich dachte das Geräusch kommt von dort, doch nachdem ich die Kette gespannt habe, leider keine Änderung. Also Ventilspiel prüfen, aber auch da ist alles in Ordnung. Dann dachte ich, es könnte eine zu lose Primärkette sein, also Öl kaufen, Primärkasten auf, Kette nachspannen, Deckel zu Öl rein, Geräusch immer noch da. Dann die Ventildeckel runter, auch hier alles in Ordnung, alle typischen Rappelschrauben kontrolliert, nichts, verdammt!

Nun habe ich festgestellt, dass das Scheppern aus dem Bereich des Zylinders zu kommen scheint. Leider ist das Geräusch im Stand nicht leicht zu lokalisieren, aber ich denke es muss irgendwas mit dem unteren Teil des Kolbens, oder mit dem oberen Teil des Pleuls zu tun haben. Möglicherweise ein Kolbenbolzen ohne Sicherung, der lustig an den Zylinderwänden hin und her tanzt, oder ein ausgeschlagenes Lager, vielleicht auch ein gebrochener Ölabstreif-/Kolbenring. Wenn ich viel Pech habe auch was mit der Kurbelwelle.

Diese Feststellung bedeutet natürlich das vorzeitige Saisonende für die Enfield, obwohl sie bis auf das Geräusch ganz normal fährt. Um’s mal klar zu sagen: Verdammte scheiße. Da hab ich das Ding gerade so richtig gut im Griff, toll optimiert, sogar einen töften Auspuff gefunden, und dann sowas. Schade, wirklich schade. Aber sei’s drum: Kopf runter, Zylinder runter, mal sehen, was sich mir offenbaren wird. Hauptsache nichts am Pleul, ich will den Motor nicht spalten müssen. Und wenn, dann höchstens mit der Axt!

Und die Yamaha XJ? Ihr habt den Reifen ja gesehen, aber wenigstens hier hat sich eine Lösung ergeben. Ich habe gestern Siggi vom XJ Treffen angerufen und treffe mich heute Abend mit ihm, er schenkt mir eine alte Felge mit fast neuem Reifen im Tausch gegen meine Felge. Ein rettender Strohalm in der stürmischen See. Also habe ich gestern das Hinterrad aus der Yamaha gebaut, was XJ typisch natürlich total problemlos und einfach ging, und ins Auto meiner Mutter geschmissen. Ja, richtig gelesen, ins Auto. Normalerweise hätte ich das Rad auf die Enfield geschnallt, aber das wollte und konnte ich dem Zylinder einfach nicht zumuten.

Der Plan ist also folgender: Heute die Yamaha wieder fahrfertig machen, dann die Gabel der MZ reparieren und die MZ durch den TüV bringen. Dann habe ich zwei funktionierende Motorräder, komme immer irgendwie zur Arbeit, zu Treffen und zu Steffi, auch wenn ein Motorrad einen Defekt hat. Danach kann ich in Ruhe den Schaden an der Enfield begutachten und hoffentlich schnell und kostengünstig beheben.

Übrigens wieder ein Argument, sich noch ein Viertmopped zuzulegen. Im Moment reizt mich eine Yamaha FZR1000 Baujahr ’91 ziemlich stark. Aber mal abwarten, die 750er Ural Tourist ist noch nicht ganz vom Tisch.

Aber sonst geht’s mir übrigens gut. Ist nur etwas seltsam, dass ich mir um die Enfield ähnlich Sorgen machen kann, wie um meine Katze.