Tag 2 – Ab in den Schwarzwald

Am nächsten Morgen erwache ich relativ früh, schlummere aber noch einige Male weg, bevor ich wirklich aufstehe. Dann gibt’s erstmal Kaffee und ein kleines Frühstück, dass sich bei mir aber gewohnheitsmäßig auf zwei bis drei Kaffee und einige Zigaretten beschränkt. Morgens essen ist einfach nicht mein Ding, es sei denn am Wochenende – da ist es schön gemütlich beisammen zu sitzen und zu frühstücken. Nachdem wir ein wenig gequatscht haben, besprechen wir unsere heutige Tagestour zum Titisee in den Schwarzwald, wobei wir immer wieder kritisch aus dem Fenster sehen, denn es schifft ganz schön, doch kurz bevor wir losfahren hört es auf zu regnen, aber der Himmel bleibt von grauen Wolken verhangen.

Ich packe mein Zeug, trage alles die Wendeltreppe hinunter in die Garage und bepacke wie die Anderen mein Motorrad. Kurz zuvor hat Stephan noch ein paar Szenen für Mopeten.TV gedreht. Der Verlust der Kameras geistert mir noch immer im Kopf rum und immer wieder packt mich der Groll und verdunkelt kurzzeitig meine Stimmung. Das ärgert mich dann noch zusätzlich, weil ich eigentlich gut drauf sein will. Hey, wir sind auf Tour, wir fahren nach Italien, da sollte ich mir wegen so etwas erstmal keine weiteren Gedanken machen. Aber ich kann es nicht wegschieben, es wird noch etwas Zeit brauchen meinen Ärger zu verarbeiten.

Als die XJ – diesmal sicher, ohne Gefahr etwas zu verlieren – bepackt ist, schieben wir unsere Maschinen durch die enge Holztür auf die Straße und fahren los. Der erste Stopp folgt bereits nach wenigen hunderten Meter: Die Geldbörse will noch mit Bargeld gefüllt werden. Aber dann rollen wir endgültig dem Schwarzwald entgegen, wohl alle voller Hoffnung, dass es nicht wieder anfangen wird zu regnen.

Den ersten Teil der Strecke fahren wir über die A5, um ein wenig Kilometer zu machen, aber in Baden-Baden fahren wir von der Autobahn ab und schwenken auf die Schwarzwaldhochstraße, die ich bereits von meinem ersten Enfieldtreffen in Schönau kenne. Eine landschaftliche wie fahrerisch wunderschöne Strecke durch bergiges Terrain verziert mit langezogenen Kurven, wobei in jeder durchfahrenen Ortschaft ein Schild steht, auf dem “Die größte Kuckucksuhr der Welt 100 Meter rechts” oder ähnliches zu lesen ist. Einige Male halten wir an, um zu filmen und zu fotographieren, bis es anfängt zu regnen. Also halten wir erneut, streifen den Regenschutz über und ziehen weiter. Nach einiger Zeit kommen wir in eine größere Stadt, wo wir beschließen Rast zu machen.

Rast im Schwarzwald, es gab Döner.Nachdem die Motorräder auf dem Bürgersteig geparkt sind gehen wir gemeinsam Richtung Innenstadt und freuen uns darüber, dass der Regen langsam nachlässt. Wir finden eine Pizzeria, in der wir jedoch leider nichts zu essen bekommen, weil der Koch laut Aussage der Bedienung Mittagspause hat. Verwundert gehen wir zu einem Dönerladen, wo man uns selbstverständlich – ich meine, wer kommt auf die idiotische Idee in einem Restaurant eine Mittagspause einzuführen, ist das nicht sowas beklopptes wie Lederfransen an einer Hayabusa? – freundlich bedient und uns 4 erstklassige Dönerteller serviert. Während des Essen quatschen und twittern wir, Patrick erzählt noch, dass er vor Jahren mal an einem Campingplatz am Titisee war, und ein wenig später schlendern wir wieder in Richtung Motorräder.

Am zweiten Tag genießen wir die Schwarzwald Hochstraße.Wir fahren weiter die Schwarzwaldhochstraße und nähern uns unweigerlich unserem Tagesziel, dem Titisee. Es ist für mich ein wenig seltsam wieder hier zu sein. Im Schwarzwald war ich auf meinem ersten Motorradtreffen überhaupt und das auch noch mit meinem ersten Motorrad, der Enfield. Damals war saugeiles Wetter und der Kolben ist mir auf der Hinfahrt gefressen, aber ich bin trotzdem hin – war ein richtiges Abenteuer. Doch das Ganze hat für mich auch einen bitteren Beigeschmack, denn am Titisee war ich damals mit meiner damaligen Freundin und meiner inzwischen zukünftigen Ex-Frau. Die Vergangenheit ruhen lassen zu können ist ein Segen, der mir leider nicht immer vergönnt ist, oft geistern mir negative Gefühle von vor Jahren noch heute im Kopf herum und packen mich manchmal einen kleinen Moment und mir wird schwermütig und seufzerisch zu mute. Und dann noch die Sache mit den verlorenen Kameras. So richtig gut drauf bin ich nicht, obwohl ich versuche mich auf’s Fahren zu konzentrieren und meinen Spaß zu haben. Das Wetter tut allerdings sein übriges dazu, meine Stimmung zu dämpfen. Scheiß Regen. Da macht das Fahren keinen richtigen Spaß.

Am Abend erreichen wir dann den von Stephan vorgeschlagenen Camping Platz Weierhof, der direkt am See liegt. Glücklicherweise hat es inzwischen aufgehört zu regnen und die Sonne kommt hervor. Wir werden freundlich empfangen und bekommen einen Platz zugewiesen, wo wir unsere Maschinen parken und unsere Zelte aufschlagen können. Patrick meint noch, dass der Campingplatz der Campingplatz sei, auf dem er vor Jahren gewesen ist. Interessanter Zufall.

Wir befreien die Motorräder von der Last und beginnen mit dem Zeltaufbau. Ich bin so froh, dass ich mit das Quick Erect Zelt gekauft habe, denn noch nie habe ich ein Zelt so schnell aufgebaut, wie dieses. Einfach auf dem Boden schmeißen, die vier integrierten Stangen ausklappen, hochziehen, zusammendrücken und das Zelt steht. Dann noch das kleine Zeltdach festmachen, Heringe in den… Heringe? Oh. Ich habe meine Heringe vergessen, doch Patrick hat glücklicherweise noch genau 4 Stück übrig.

Erster Einsatz des Enders: Abendkaffee.Als das Zelt steht räume ich meinen Kram in den Innenraum, entrolle die Luftmatratze und den Schlafsack, packe danach den Benzinkocher aus und koche uns erstmal einen Kaffee, nachdem der Kocher mit von der Yamaha abgezapftem Sprit befüllt ist. Patrick organisiert derweil ein paar Dosen Becks und ich trinke schließlich parallel Bier und Kaffee. Komische Mischung, aber Wodga Red Bull ist ja irgendwie auch nichts anderes.

Danach gehen wir in das Mini-Restaurant des Campingplatzes, wo die anderen eine Suppe und ich ein paar Pommes esse. Die Pommes sind leider ziemlich versalzen, so dass ich nach etwa dreiviertel der Portion die weitere Nahrungsaufnahme verweigere. Ein Bier spülts runter.

Nach dem Essen holen wir am Kiosk noch ein paar Bier und ich muss für Mopeten.TV noch etwas in die Kamera sprechen, wobei Alexander uns fotographiert. Ich bin einfach zu erschöpft, um irgendwelche Hemmungen zu haben und wider erwarten müssen wir nur einmal drehen.

Nach einem Telefonat mit Steffi gehe ich dann ein paar Bier und Gespräche später ins Zelt. Mit dem Telefon höre ich noch ein wenig Musik, schlafe dann aber ziemlich schnell ein.

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