Tag 1 – Die Anreise

Kurz bevor es Mittag wird verabschiede ich mich von Steffi und fahre mit der XJ noch ein wenig sorgenvoll, ob die Bremsen auch halten, zu meiner Garage. Ich hatte mir alle benötigten Sachen bereits zurechtgelegt und beginne mit dem Packen. Die Packsäcke sind schnell mit den notwendigen Utensilien gefüllt und auch die Koffer füllen sich ohne Probleme mit Kleidung und Campingzeug. Ich befestige die Koffer am Halter und schnalle danach die Packsäcke auf die XJ. Die Koffer sichere ich wie immer mit Spannriemen – ich vertraue dem über 20 Jahre alten Plastik nicht mehr so ganz – und die Packsäcke werden mit einer Gepäckspinne und noch zwei weiteren flexibelen Spanngurten gesichert.

Danach gehe ich nochmal in die Garage und suche Werkzeug für die Werkzeugrolle zusammen. Bei längeren Touren packe ich mir die Werkzeugrolle an der Gabel immer schön voll, um das erhöhte Gewicht am Heck des Motorrads zumindest ein bischen auszugleichen. Ich nehme diverse Steckschlüsseleinsätze, den Proxxon, Maulschlüssel, Kabel, Kabelbinder, Innensechskantschlüssel und noch einigen anderen Kram aus der Garage und packe alles in die Werkzeugrolle. Sie ist so voll, dass sie gerade noch zugeht, ohne unförmig auszusehen.

Los geht es voll bepackt in Balve.Noch ein Foto, noch ein Tweet und ich fahre los Richtung Autobahn nach Lüdenscheid. Das zusätzliche Gewicht ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber nach einigen Kilometern fährt sich die XJ dann doch recht gut. In Werdohl muss ich meinen ersten Zwangsstopp machen, es ist Schützenfest und just als ich Werdohl durchfahren will, kommt mir der Schützenumzug in die Quere. Die Polizei sperrt die Hauptstraße und ich muss warten. Zeit für eine Zigarette und einen Tweet. Ich kontrolliere das Gepäck und mir fällt auf, dass ich das nicht so wirklich optimal gesichert habe, die Box mit dem Elektronikzeugs droht aus der 75 Liter Rolle zu fallen also mache ich die Rolle nochmal auf und mache es so zu, dass der Wind den Verschluss nicht aufdrücken kann.

Erster Zwangstopp, Schützenfest in Werdohl.Der Schützenzug ist irgendwann vorbei und die Straße wird wieder freigegeben, ich fahre weiter den Berg hinauf Richtung Lüdenscheid. Kurz darauf erreiche ich die Autobahn und fahre auf. Ein Blick nach hinten, die Gepäckrolle ist noch zu. Scheint also zu halten. Stephan will mich auf einer Raststätte kurz hinter Olpe treffen, durch den Schützenzug bin ich spät dran, aber ich fahre trotzdem recht gemütlich meine 120 bis 130, mehr ist mir einfach zu stressig. Meinerzhagen zieht vorbei und ich erschrecke, als ich in den Rückspiegel blicke. Der Packsack ist auf. Sofort steuere ich die nächste Haltemöglichkeit an und muss feststellen, dass mein Elektronikkram nicht mehr da ist. Der Wind hat den Packsack aufgedrückt und die in einem extra Karton befindliche Helmkamera, Fotokamera, Handyboxen, Lade- und USB-Kabel ist irgendwo auf der Autobahn gelandet. Verdammte Scheiße. Ich weiß nicht, warum ich das nicht mit einem extra Spanngurt gesichert habe. Es sah zu aus und hat trotzdem nicht gehalten.

Sofort fahre ich weiter, was soll ich auch machen, wütend über mich selbst gebe ich Gas und prügele die XJ weiter über die Autobahn. Nach kurzer Zeit erreiche ich den Rastplatz und sehe Stephan schon warten. Auch Heiner und ein Freund sind gekommen um uns zu verabschieden. Sofort erzähle ich von meinem Unglück und Stephan schaut sich den Packsack an. „Der ist ja auch gar nicht richtig zu“. Dann zeigt er mir, wie der Packsack sicher zu verschließen ist – was ich einfach nicht wusste, weil den Packsäcken keine Anleitung oder sowas beilag. Naja, wieder was gelernt, aber schmerzhaft und teuer. Wir twitter und quatschen noch eine Runde und fahren dann nach einer herzlichen Verabschiedung von Heiner los Richtung Frankfurt.

Die Fahrt auf der Autobahn ist langweilig, die gemeinsam gewählte Geschwindigkeit garantiert dafür aber eine stressfreie Fahrt. Mit 110 bis 130 Km/h brausen wir Frankfurt entgegen und kurz bevor wir Metropole am Main erreichen fahren wir von der Autobahn ab auf eine gut ausgebaute Bundesstraße. Endlich ein wenig Abwechslung und als wir eine kleine Bergkuppe überfahren taucht plötzlich am Horizont die Skyline von Frankfurt auf. Ein seltsamer Anblick. Der Sinn von Hochhäusern aus Glas und Stahl bleibt mir bis heute verschlossen. Das ist wohl so wie mit SUV’s. Groß, teuer, sinnfrei.

Nach einiger Zeit fahren wir noch ein kurzes Stück Autobahn, die 250 bereits zurückgelegten Kilometer machen sich langsam bemerkbar, doch bald können wir von der Autobahn abfahren und schwenken wieder auf die Bundesstraße. Der Ort, in dem Patrick wohnt ist schnell gefunden und nach kurzer Nachfrage bei einer Passantin auch die Straße in der er wohnt. Wir wurden wohl bereits gehört – oder vielleicht hat es Patrick auch über Twitter erfahren, das wir da sind – denn eine kleine Holztür, die in eine Garage führt öffnet sich und wir bugsieren die Maschinen durch das Enge Tor und stellen sie im teilweise überdachten Innenhof ab. Die Begrüßung ist herzlich und als ich mich umsehe ist irgendwie alles so, wie ich es mir vorgestellt habe. Im Innenhof steht ein alter Käfer, der gerade Restauriert wird, Patricks SR 500, diverse Bonanzafahrräder und einige Monkeys. Hinter dem Käfer steht auch noch eine BMW K100.

Wir gehen in den Garten, wo Patrick und Alexander warten und uns mit einem Bier begrüßt. Der Grill wird angeheizt während wir Twittern und Benzin reden, ich fühle mich sofort wohl. Zwei Cocktails und einige Bier später esse ich noch eine Wurst, dann rufe ich Steffi an und berichte mein Missgeschick mit der Kamera. Sie ist ziemlich geschockt, weil auf der SD Karte der Kamera noch Bilder waren, die wichtig sind. Ich habe ein schlechtes Gewissen, bin wütend wegen meiner eigenen Blödheit. Das ist wieder mal so eine Sache, die mich noch länger beschäftigen wird, das weiß ich. Nach einiger Zeit gelingt es mir den Gedanken zu verdrängen und ich finde zurück in die Gespräche der Anderen.

Es überrascht mich, dass – obwohl wir uns nur durch Blogeinträge und Twitternachrichten kennen – die eigene Vorstellung des Charakters der Anderen ziemlich zutreffend ist. Natürlich werden wir uns auf der Tour erst näher kennenlernen, aber mein es Gefühl sagt mir, dass es passen wird. Stephan kenne ich ja schon länger, wir waren ja im letzten Jahr zusammen an der Mosel und in der Eifel, aber Alexander und Patrick habe ich heute zum ersten Mal im „Reallife“ getroffen.

Irgendwann beschließen wir ins Bett zu gehen und müde nehme ich mein Gepäck von der XJ und trage es eine steile Wendeltreppe hoch in Patricks Wohnung. Gar nicht so einfach, wenn man leicht überhopft ist, aber ich schaffe es ohne zu stürtzen, rolle meine Luftmatratze aus und finde kurz darauf in den Schlaf.

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