Wegen meines Umzugs bin ich ja in letzter Zeit zu nicht wirklich viel gekommen – ein Haus renovieren und zwei Haushalte zusammenlegen, nebenher noch Arbeiten, das ist eine recht zeitraubende Angelegenheit – aber der Umzug hatte auch einen Vorteil: Ich musste zwangsweise meine 650er Ural wieder zum Laufen bekommen, weil das gute Stück in der neuen Garage ihren Platz einnehmen sollte.

Akutes Problem dabei: Kein Zündfunke und dummerweise eine vergnatzte Schraube am Deckel der Zündung. Aber ich habe mir abgewöhnt beim Russen zimperlich zu sein, die noch gute Schraube ist fix herausgedreht und der Deckel mit dem Schraubendreher und einem Montiereisen aufgehebelt. Dann säge ich die Schraube mit dem durchgerödelten Kopf mit einer kleinen Eisensäge einfach durch. Dauert ein wenig, aber geht nicht anders, weil die Schraube auf der Beiwagenseite einfach zu schlecht zu erreichen ist, um sie auszubohren, oder einen Bit einzuschlagen.

Als der Deckel endlich runter ist zeigt sich dann, wie gewieft die russischen Motorraderbauer sind: Im Deckel sind mehrere blinde vergossene Durchgänge für Schrauben vorgesehen, während im Motorblock die passenden Gewinde dazu vollständig vorhanden sind. Ich brauche also nur einen dieser blinden Durchgänge im Deckel aufbohren und kann auf der Seite eine neue Schraube setzen, bis die wieder rundgedreht ist. Klasse!

Aber erstmal die Zündung durchmessen, also den Multimeter an Masse und an das Kabel des Unterbrechers und feststellen, dass beim Durchdrehen des Motors bei geöffnetem Unterbrecher keine Spannung und bei geschlossenem Unterbrecher die richtige Spannung anliegt, aber die Kerzen trotzdem nicht funken wollen. Es könnte verschiedene Ursachen haben: Unterbrecherkontaktabstand, Zündkondensator, Zündspule – im Grunde alles, was zwischen Zündkerzen und Unterbrecher liegt. Ich spiele nochmal ein wenig mit dem Kickstarter rum und stelle fest, dass es bei ungefähr einem von 30 Kicks gelegentlich mal funkt.

Irgendein Gefühl lässt mich auf den Unterbrecher tippen, also drehe ich den Motor erstmal in den oberen Totpunkt. Das ist bei der Ural ziemlich einfach, denn auf der Schwungscheibe ist eine entsprechende Markierung, die mit einer Kerbe am Schauloch in Übereinstimmung gebracht wird. Nun ist der Motor im OT. Theoretisch. Wenn die Schwungscheibe richtig markiert und richtig eingebaut wurde. Ich vertraue da einfach auf mein Glück.

Im oberen Totpunkt der Kolben ist gleichzeitig im Leerlauf auch der Zündzeitpunkt, eine geniale Sache, weil die Einstellerei ohne Messwerkzeuge gemacht werden kann. Um die Funktion der Zündung besser testen zu können löse ich den Fliehkraftregler, auf dem auch der Zündungsnocken sitzt. Wird die zentrale Schraube gelöst, lässt sich der Fliehkraftregler samt Nocken mit der Hand bewegen und die Funktion des Unterbrechers kann so erstmal mit dem Auge beurteilt werden. Ich drehe als den Nocken vor und zurück, der Unterbrecher öffnet und schließt, der Abstand scheint auch ziemlich in Ordnung zu sein, aber es kommt kein Zündfunke an den Kerzen an.

Es hilft nicht. Ich baue den Fliehkraftregler samt Nocken aus und bewege den Unterbrecher von Hand, beobachte dabei die Zündkerzen, die mit einem Mal funken, als hätten sie nie etwas anderes getan. Also das ganze Spiel rückwärts und den Fliegkraftregler wieder rein, mit dem Ergebnis: Es funkt nicht mehr. Ich fingere ein wenig am Unterbrecher herum und stelle fest, dass dieser nicht immer richtig schließt, wenn er durch den Zündnocken bewegt wird. Drücke ich den Unterbrecher herunter und drehe dann den Nocken weiter, dann entsteht auch ein Zündfunke.

Okay, nun weiß ich woran es liegt, aber blöderweise habe ich keinen Ersatzunterbrecher da, weswegen der im Moment eingebaute Unterbrecher wohl noch eine Chance kriegen muss. Nach dem ich das abgehalfterte Ding ausgebaut habe, sehe ich mir die Kontakte an und wundere mich nicht mehr, warum das nicht funktioniert hat: Die Kontakte weisen starken Abbrand auf, sind total verschmutzt und auch nicht mehr eben. Nach dem groben Reinigen bringe ich die Kontakte mit der Feile des Leatherman wieder in Form. Dann baue ich den Unterbrecher wieder ein und setze den Fliehkraftregler auf die Zündwelle. Die Prüfung durch die Bewegung von Hand: Es funkt wie blöde, genau so wie es sein soll.

Dann reguliere ich noch den Unterbrecherkontaktabstand auf 0,45 Millimeter und schraube den Fliehkraftregler wieder an. Danach löse ich die drei Schrauben der Zündanlage und drehe diese solange, bis der Zündzeitpunkt erreicht ist und schraube das Ganze wieder fest. Der Zündzeitpunkt liegt nun „genau“ im oberen Totpunkt des Motors und ich hoffe, dass der frisch geölte Fliehkraftregler den Zündzeitpunkt beim Hochdrehen auch schön Richtung früh verschiebt. Also ran an den Kickerstarter, Benzinhahn auf, drei mal ohne Zündung kicken, einmal mit: Die Katjuscha läuft. Ich liebe Kontaktzündungen!

Kontaktzündungen sind zwar wartungsintensiver, aber im Endeffekt auch mal eben am Straßenrand reparierbar, denn so kompliziert ist das alles ja nicht und die Ersatzteile haben ein geringes Packmaß. Kondensator und Unterbrecher, wenn man es gut meint auch noch einen Fliehkraftregler – das passt sogar in die Hosentasche.

Auf der anschließenden Probefahrt in die neue Garage muckt der Russe noch ein wenig – vermutlich, weil die Kontakte doch noch nicht ganz aufeinander passen – aber nach 20 Kilometer Fahrt verschwinden die Fehlzündungen beim kräftigen Gasgeben und plötzlich läuft die Ural so gut wie nie zuvor.

Und seitdem springt sie auch wieder jeden Morgen mit dem ersten Kick an.

Gestern Abend ist mir übrigens die FZR hingefallen. Nach 3 Wochen Umzug, 10 Stunden Arbeit und 2 Tagen keine Zeit etwas zu essen, ist mir einfach die Kraft ausgegangen. Klatsch, lag sie auf dem Bürgersteig. Ist nichts passiert, nur ein Blinkerglas muss getaped werden. Gut, dass ich jetzt wieder ein fahrbereites Gespann habe. Damit kann sowas nicht passieren. Umfallen unmöglich! Zumindest im Stand…