Tja, da hast du den ganzen Seitenwagen voll mit Werkzeug und Ersatzteilen und dennoch: Genau das Werkzeug das gerade gebraucht wird liegt wo? Natürlich! In der Garage. Bewahrheitet hat sich diese Theorie leider heute morgen, als mir wie bereits erwartet der Gleitstein der Gasgriffkette an der Ural in zwei Teile gebrochen ist. Ich hatte den Gleitstein umarbeiten müssen, damit der Einzelgaszug mit Verteiler passte. Allerdings bin ich bei der Bastelei an dem kleinen Metallteil etwas grob vorgegangen, so dass das Material etwas zuviel gelitten hat und irgendwann brechen musste. Ich habe es dennoch eingebaut und mir eine Ersatzkette samt Gleitstein in den Seitenwagen gelegt, um bei der Aufgabe des umgearbeiteten Teils schnell wieder auf der Straße zu sein.

Gasgriffkette mit Gleitstein by Ural-Zentrale.deAls dann heute morgen endlich das verhuddelte Teil mit einem leisen Knacken das zeitliche segnet, denke ich noch: "Kein Problem, hast ja Ersatz dabei". Der Plan ist einfach: Gasgriff zerlegen und den Lötnippel des Bowdenzugs so zurechtfeilen, so dass er in den ungeänderten Originalgleitstein passt - hätte ich übrigens sofort so machen sollen - zusammenbauen, fertig. Also Werkzeug raus, Lenkerstulpe ab und ran an den Feind. Alles kein Problem, bis ich dann zum Arbeitsschritt komme, wo ich eine Feile brauche. Und wo liegt die? Huch! In der Garage. Auf der Werkbank. Wo auch sonst? Ich habe einfach vergessen die ins Bordwerkzeug zu legen. Ich versuche dann das Blei des Lötnippels mit meinem Taschenmesser abzuschälen, das funktioniert auch, aber der Materialabtrag ist derart gering, dass ich vermutlich noch bis zum Abend brauche. Nee, das funktioniert nicht.

Dann die Erleuchtung: 5 Gehminuten von hier ist doch ein ATU Laden und ein Hellweg Baumarkt. Also verstaue ich Werkzeug und Teile im Seitenwagen und laufe los. Wer mal eine Metallfeile braucht: Bei ATU gibt es sowas nicht, aber im Baumarkt. Wenn man denn dann die richtige Abteilung findet. Warum sind Baumärkte eigentlich entgegen jeglicher praktischen Logik sortiert?

Ein kleines Metallfeilenset im Gepäck gehe ich dann zurück zur Ural und feile den Lötnippel am Bowdenzug rundherum ein wenig ab, bis er passt. Leider lässt sich der Zug nur in den Gleitstein einhängen, wenn die Züge unten am Schieber der Vergaser ausgehangen werden, also entferne ich noch die Schieber, hänge die Züge aus und kann dann den Zug oben so weit aus der Armatur schieben, dass ich den Lötnippel problemlos durch die Lasche in den Gleitstein drücken kann. Dann noch die Kette wieder am Gasgriff montieren, alles zusammenbauen, Schieber wieder in die Dell`Ortos, Zuglänge und Standgas synchron einstellen, danach kann ich endlich wieder Gas geben. Zum Schluss montiere ich Spiegel und Lenkerstulpe und fahre zur Arbeit.

Tja, was soll ich noch sagen? An einer Feile wird es nächstes Mal nicht scheitern, aber vermutlich an irgendeinem anderen exotischen Werkzeug, dass nicht Bestandteil meines umfangreichen Bordwerkzeugs ist. Vielleicht packe ich doch besser mal alles ein, was ich so finden kann... im Seitenwagen ist ja Platz. Aber vermutlich wird das auch nicht helfen, denn es bleibt dabei: Das Werkzeug das gebraucht wird, liegt immer in der Garage.

Habe ich eigentlich schon die Geschichte erzählt, wo mir die Hauptdüse des rechten Vergasers in einen 50 Zentimeter hohen Schneehaufen gefallen ist? Könnte ein Klassiker werden...