Es gibt Motorräder und es gibt Motorräder. Beide fahren sie, aber eines der Beiden ist zu einem Kultmotorrad mit langer Tradition geworden. Der Kult drückt sich dabei oft durch die Vielfältigkeit der Umbauten aus und davon gibt es bei der SR 500 wohl jede Menge, obwohl sich das Motorrad in der Bauzeit von 1978 bis 1999 nur sehr geringfügig verändert hat. Und als 400 ccm Variante (bedingt durch Steuerregelungen) ist die Yamaha SR in Japan heute noch käuflich zu erwerben.
Obwohl die SR 500 direkt von der sehr erfolgreichen XT 500 abgeleitet wurde, sind es zwei ungleiche Schwestern: Die XT 500 wurde für den Geländeeinsatz konzipiert (XT = Cross Trial), die SR für den Einsatz auf der Straße. Die Bezeichnung “SR” steht für “Single Road” und erinnert gerade in der späteren Modellvariante (48T mit Trommelbremse und Speichenrädern) an die klassischen britischen Motorräder, wie Enfield, BSA und Norton.
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Meine Motorradgeschichte beginnt mit den 50 Kubikzentimetern einer Simson S51, die ich auch im Winter gefahren bin. Leider hatte ich damals aber noch keinen Motorradführerschein und auch keine entsprechende Kleidung, die im Allgemeinen und im Besonderen irgendwie wintertauglich gewesen wäre. Aber ich will an diesem Abend unbedingt noch nach Werdohl in meine Stammkneipe, mich mit Freunden treffen, obwohl es schweinekalt ist und ein wenig schneit.
Da erinnere ich mich an die alte Lederkombi aus den 80ern, die mir mein Onkel, der leider seine Motorradleidenschaft aufgab, irgendwann mal geschenkt hat. So eine Vollederkombi ist doch bestimmt wärmer als eine Jeans denke ich mir und krame das formschöne Teil aus dem Kleiderschrank. Hm, sexy, weiße und rote Streifen, die quer über das Oberteil laufen und Blitze stilisieren, dicke Protektoren an Schultern, Ellenbogen und Knien. Naja, aus den 80ern halt und übrigens von Schuh.
Also zwänge ich mich in die Kombi, für die ich eigentlich ein wenig zu lang bin, aber es geht gerade noch. Dann runter und rauf auf die Reng-Deng-Deng. Und in der Tat: Ich friere zwar, aber es ist zu ertragen. Im Alt Werdohl angekommen machen wir dann was wir so machen. Billiard spielen, qutaschen, was essen, trinken. Vielleicht noch eine Runde Dart. Die Zeit verfliegt.
Irgendwann mache ich mich wieder auf den Weg nach Hause, aber ich fahre mit der Reng-Deng-Deng noch an der Tankstelle vorbei, weil der Tank mal wieder befüllt werden möchte und ich noch Kippen und Bier brauche. Da kommt ein Mann auf mich zu.
“Ist das eine Simson?”. Ich nicke. “S51″, sage ich ihm.
“So ein Ding hatte ich auch mal, unverwüstlich und schnell. Locker 70. Kein Problem. Naja, gute Fahrt noch!”
Er dreht sich um und wendet sich wieder seinem Auto zu, blickt dann aber nochmal zurück.
“Aber eine Sache noch”, und nach einer kleinen Gedenkpause, “meinste eigentlich nicht, du bist ein wenig overdressed?”
Tja, das war sie, meine Motorradsaison 2008, nun kommt bald der harte Winter, ich friere jetzt schon. Als kleinen Abschluss, habe ich alle Bilder, die ich dieses Jahr gemacht habe zu einem dreiminütigen Schnelldurchlauf zusammengefügt. Bitte mit Ton hören, sonst wirkt es nicht. Ich wünsche angenehme Unterhaltung.
Musik: “Spacecake”, PurePipe
Ich muss sagen, dass mir diese Saison sehr gut getan hat, nach dem ganzen Stress mit meiner zukünftigen Exfrau im Frühjahr. Ich war insgesamt auf 7 Treffen, die allesamt schön waren und es tat gut, nette Leute kennenzulernen und Neues zu erleben. Eine neue Erfahrung war auch, dass ich diesmal alleine auf 6 Treffen gefahren bin, ohne Jemanden, den ich kannte – was ich sehr empfehlen kann, denn so wirst du gezwungen auf die Menschen zuzugehen. Fand ich jedenfalls eine schöne Erfahrung, hat mich insgesamt zu einem besseren Menschen gemacht.
In den letzten 6 Monaten bin ich knapp über 15.000 Kilometer gefahren, mit der Yamaha ca. 10.000 und mit der Enfield etwas mehr als 5.500 Kilometer. Bei der Yamaha XJ 650 gab’s keinerlei Probleme, bei der Enfield ist mir beim Kilometerstand von 18.000 irgendwas im Motor kaputt gegangen, was es ist weiß ich noch nicht, wird sich aber bald zeigen. Die MZ stand nach dem letzten Winter ohne TÜV in der Garage, wird aber gerade wieder frisch gemacht.
Schönstes Treffen war das Gespanntreffen in Neuerkerode, weil das etwas völlig Neues war. Einerseits kannte ich dort wirklich Niemanden, andererseits das Fahren mit behinderten Menschen. Aus diesem Treffen konnte ich wirklich sehr viel positives ziehen und es hat mir noch lange im Kopf nachgeklungen. Herausragend war aber auch die Tour mit Mopeten.TV durch die Eifel und an die Mosel. Die restlichen Treffen, wie das XJ Forentreffen, die verschiedenen Enfieldtreffen und das Dieselmotorradtreffen in Hamm, will ich aber dadurch keinesfalls schlechtreden, im Gegenteil, diese Treffen waren wie immer wunderschön und es freut mich, dass ich einige Menschen noch besser kennengelernt habe.
Jetzt bin ich dann erstmal in der Garage, die MZ für den TÜV vorbereiten, damit ich ein ordentliches Winterfahrzeug habe. Obwohl… ich schaue da gerade an einer 650er Ural mit Beiwagen, aber ist noch nichts in trockenen Tüchern. Erstmal ansehen den Hobel, gefällt mir aber ganz gut. Nächsten Montag fahr ich wohl hin.
Also Daumen drücken, damit ich mir nächstes Jahr keine FZR 1000 kaufen muss! ;-)
PS: Die noch ausstehenden Berichte zum Enfieldtreffen in Weiskirchen und Verden, sowie den Bericht zum Dieselmotorradtreffen in Hamm reiche ich noch nach. Die Zeit ist im Moment leider etwas knapp bemessen. Das Video gibt’s übrigens auch bei YouTube.

Royal Enfield Bullet, geboren 1954, verstorben 2007. Ihre herausragendste Eigenschaft war Kontiunität.
53 Jahre wurde die Bullet in Ihrer bis heute erhaltenen Form gebaut, doch das Schreckgespenst des Klimawandels hat ihr letztendlich eine weitere Zukunft in dieser Form versagt. Sie war das Privileg einen nagelneuen Oldtimer kaufen zu können, ein Motorrad, das die hohe Ingenierskunst der britischen Motorradmanufakturen in den 50er Jahren wiederspiegelt, deren Virtuosität auch im Jahr 2007 noch beindruckt hat. Und übrigens auch das meistgebaute Motorrad und kontinuierlichste Motorrad der Welt, das es nie nötig hatte Geschwindigkeitsrekorde zu brechen und lieber die Herzen der Fahrerinnen und Fahrer mit ihrer einzigartigen Schönheit und Eleganz eroberte. Und übrigens auch Basis für das erste und lange Zeit einzige in Serie gebaute Dieselmotorrad der Welt. Ich verneige mich in nachdenklicher Trauer mit einem weinenden und einem lachenden Auge vor der Königin der Motorräder. Und ich weiß: Born, to be back again. Royal Enfield, die Legende lebt.
Ich lese derzeit ein Buch, dass ich allen die sich für Reisen mit dem Motorrad interessieren wärmstens ans Herz legen möchte: “Jupiters Fahrt” von Ted Simon ist ein zeitlos schönes, philosphisch und ehrliches Buch, das von der Reise mit einer Triumph um die Welt berichtet.
Und dabei lernt der Leser nicht nur die Menschen am Wegesrand der Reise kennen, sondern auch den Autor und ich muss sagen: Mir ist er sympatisch, der nachdenkliche Mann, für den während seiner Fahrt der Weg immer mehr zum Ziel wird. Ted findet einfache Wahrheiten wie, dass die Reise nicht die Anzahl der gefahrenen Kilometer ausmacht, sondern die Anzahl der Stopps und die Menschen, die man während der Zeit in der nicht gefahren wird trifft. Oder die simple Aussage, das man sich vom Regen nicht vereinnahmen lassen darf und gerade dies kann ich als Allwetter- und Winterfahrer absolut nachvollziehen.
Was mich an dem Buch auch sehr begeistert, ist die Zuversicht mit der Ted vorgeht, der auf seinem Weg natürlich einige Male anhalten muss, weil ein Kolben defekt ist, oder ihm einfach mal wieder das Benzin ausgeht. Aber er lässt sich nicht unterkriegen und lernt der Hilfe anderer Menschen zu vertrauen. Ich habe beim Lesen fast den Eindruck gewonnen, dass wir Menschen, bis auf einige gemeingefährliche Ausnahmen, gar nicht so übel sind und das die Angst gegenüber dem und den Fremden in der Regel unbegründet ist.
Und mir gefällt, dass “Jupiters Fahrt” mehr ist als ein interessant geschriebener Reisebericht. Ich mag die philosophischen Betrachtungen der Reise und des Lebens ansich, die Ted Simon immer wieder findet und manchmal scheint es gar, als sei er nicht nur einfach ein Mann, der mit einer Triumph um die Welt fährt, sondern als sei er in seinen Gedanken auf einer Reise zu sich selbst und je weiter er von seinem Zuhause entfernt ist, je näher kommt er seiner eigenen ganz persönlichen Wahrheit.
Fazit: Ein wirklich tolles Buch, lesenswert, kurzweilig, zeitlos, auch geeignet für Leser, die mit dem Thema Motorradreisen vielleicht nicht ganz so viel am Hut haben.

