Batterien sind Verschleißmaterialien, die nur bei guter Pflege lange halten. Da die eh schon angeschlagene Batterie meiner XJ 650 vor zwei Tagen aufgrund der Kälte und Nässe nun endgültig die Grätsche gemacht hat, habe ich gestern Abend die neue Batterie mit Säure befüllt, über Nacht geladen und heute morgen eingebaut. Die XJ ist dann auch sofort angesprungen, also scheine ich wohl alles richtig gemacht zu haben.

Beim Befüllen der neuen Batterie mit Schwefelsäure bin ich wie folgt vorgegangen:

  • Bei geschlossenen Räumen für gute Belüftung (Durchzug!) sorgen, da bei der Reaktion der Schwefelsäure Knallgas entsteht
  • Kippe aus, Kerzen aus, Kamin und Lagerfeuer löschen - oder am Besten das Ganze gleich an der frischen Luft machen
  • Handschuhe an, Schutzbrille auf, bei Kontakt mit Schwefelsäure SOFORT mit viel Wasser spülen!
  • Verschlussstopfen der Entlüftung entfernen
  • Verschlussstopfen der Kammern mit einem Schraubendreher aushebeln und entfernen
  • Batterie auf eine ebene, säurebeständige Fläche stellen (bei mir: Spüle)
  • Jede Kammer vorsichtig bis zur "Min"-Markierung mit Säure füllen
  • Nach einigen Minuten Wartezeit bis in die Mitte zwischen "Min" und "Max" nachfüllen
  • Verschlussstopfen der Kammern wieder einsetzen und leicht festklopfen
  • Entlüftungsschlauch auf die Entlüftung aufstecken
  • Die Batterie über Nacht ans Ladegerät hängen
  • Sollte der Säurestand nach dem Laden nicht stimmt, mit destilliertem Wasser auffüllen (war bei mir nicht nötig)

Beim Einbau der neuen Batterie sollte folgendes beachtet werden:

  • Der Entlüftungsschlauch muss so verlegt werden, dass er möglichst an Metallteilen (Rahmen, Schwinge, etc) VORBEI führt und nicht darauf endet, Korrosionsgefahr!
  • Die Pole sollten mit Polfett (oder einfach Vaseline) vor Feuchtigkeit und Korrosion geschützt werden
  • Die Batterie sollte fest sitzen und sich im Batteriekasten nicht durch Erschütterungen bewegen, die Batterie könnte sonst kaputt gehen
  • Beim Verkabeln erst "+" anschließen, danach die Masse ("-") Verbindung herstellen und vorher Ringe und Uhren abnehmen, um nicht durch einen dummen Zufall einen Kurzschluss zu verursachen

Nun noch ein paar Tipps zur Pflege der Motorradbatterie, damit sie lange ihren Dienst verrichten kann:

  • Regelmäßig (~ alle 4 Wochen) den Füllstand der Batterie kontrollieren und bei Bedarf mit destilliertem Wasser den Füllstand korrigieren
  • Bei längeren Standzeiten die Batterie ausbauen und an ein Batterieerhaltungsgerät anschließen oder regelmäßig (~ 1 mal pro Woche) laden

Es muss aber übrigens nicht immer gleich eine neue Batterie fällig sein. Die alte Batterie der XJ wurde einfach nicht richtig gepflegt, der Säurestand war viel zu niedrig, einige Kammern sogar fast leer. Aber auch solche Batterien können mit ein wenig Glück wieder in Betrieb genommen werden. Hierzu muss die Batterie gründlich ausgespült, dann neu befüllt und geladen werden. Die Batterie wird zwar nicht unbedingt ihre volle Leistung wiedererlangen, kann aber trotzdem noch gut funktionieren. Ein Versuch ist es allemal wert, denn Schwefelsäure für die Neubefüllung ist wesentlich billiger als gleich eine neue Batterie zu kaufen.

Wer mal mit einer schwachen Batterie liegen bleibt, muss nicht gleich den ADAC rufen: Solange die Batterie nicht total tot ist, und nur zuwenig Saft für den Anlasser hat, kann das Motorrad meist problemlos angeschoben werden. Also: Licht aus, zweiten Gang einlegen, Kupplung ziehen, kräftig schieben, Kupplung relativ zügig kommen lassen und wenn der Motor anspringt natürlich sofort wieder ziehen. So bin ich mit der XJ übrigens auch in den 2 Tagen ohne richtige Batterie immer wieder vom Hof gekommen. Hält fitt, ist auf Dauer aber eher nervig und die Kollegen schauen so komisch. ;-)

Jetzt muss ich bei der XJ nur noch einen Kerzenstecker erneuern, der hatte nämlich Feuchtigkeit gezogen, als es so heftig geschneit hat und meinte dann, den Funken nicht mehr an die Zündkerze abgeben zu müssen, sondern direkt auf den Ventildeckel. Dreizylinder finde ich zwar auch interessant, aber nicht unbedingt, wenn eigentlich doch vier Zylinder vorhanden sind. Einige Minuten im Stand zu warten, reichte übrigens, um den Stecker mit Hilfe der Motorhitze so weit zu trocknen, dass er wieder tat, was er sollte.