Hossa, es ist wirklich schon das 10. Mal, dass sich die Dieselmotorrad-Verrückten (im positiven Sinn) in Hamm Treffen. Und ich bin das 5. Mal dabei. Aber diesmal ist es etwas besonderes: War ich doch die letzten 4 Jahre mit meiner Benzin Enfield oder mit der Yamaha da, bin ich nun das erste Mal mit meinem eigenen Dieselmotorrad auf dem Treffen. Und scheiße, das rockt! Aber von vorne...Am Freitag habe ich mir Urlaub genommen, um schonmal packen zu können, schließlich fahre ich nicht alleine auf das Treffen in Hamm, nö, die Holde kommt mit und auch unser Jüngster und der Kleine einer Freundin. Geplant war, dass die beiden Großen Kids auch mit von der Partie sind, doch Beide sind stark erkältet und da es nachts doch schon recht frisch wird, dürfen die Großen ein Wochenende sturmfrei genießen.

Als erstes lege ich im Wohnzimmer schonmal alles zusammen, was für's zelten benötigt wird: Zwei Zelte, Schlafsäcke und diverser nützlicher Kleinkram, wie eine Taschenschlampe und sowas. Ich freue mich unglaublich auf das Treffen, vorallem auch, weil die Road-Blogger am Samstag vorbeischauen wollen und weil Alex und Yves samt Anhang vorbeischauen wollen. Das ist cool, kann ich den Benzinverbrennern doch hoffentlich so die Dieselphilosophie näher bringen, dafür ist Hamm ideal, weil es dort einfach so abgefahrene Schüsseln zu betrachten gibt.

Irgendwann trudelt Steffi ein und bringt gleich den Jüngsten unserer Freundin mit. Ich packe den Kofferraum des Autos mit den Klamotten voll: Campingzubehör und einen Kasten Pilsbier. Der ist echt notwendig, denn in Hamm auf dem Brauhof gibt's nur das selbstgebraute Bier und aus den vergangenen Jahren weiß ich, dass dieses Bier nicht wirklich meinen Geschmack trifft - zu hefig.

Und dann geht's schon los, ich fahre mit der Diesel Enfield voraus und Steffi mit dem Auto hinterher. Der frisch montierte Fahrradtacho lässt mich grinsen, vorallem weil ich den Dacia mit 7 mal mehr PS gelegentlich abhänge. Gemessene Höchstgeschwindigkeit: ca. 100 Km/h - für 11 PS genau nach meinem Geschmack.

Allerdings ist die Fahrt viel zu kurz, nach nur 45 Minuten Landstraße haben wir den Platz erreicht. Und dummerweise fängt es just in dem Moment an zu schiffen. Also packen wir noch nicht aus und gehen erstmal in's Wirtshaus, bestellen etwas zu essen und warten bis der Regen nachlässt. Und tatsächlich: Nach dem Essen wird das Wetter freundlicher und wir können endlich die Zelte aufbauen. Die Kinder sind kurz darauf auch schon im Zelt und Steffi und ich können uns noch ein wenig in den Biergarten der Wirtschaft setzen. Schon nach kurzer Zeit treffen wir auf Bernd und Thomas und zischen entspannt ein paar Feierabendbiere. Wir quatschen noch einige Zeit, bis uns die Müdigkeit übermannt und wir verschwinden im Zelt.

Am nächsten Morgen sind wir früh wach, schließlich erwarten wir die Teilnehmer der Road-Blog Tour 2010 - also diese ca. 8 bis 10 "Spacken", wie sie sich selbst bezeichnen, die es echt wagen in 36 Stunden so ca. 2000 Kilometer mit der neuen Honda VFR mit Doppelkupplungsgetriebe (aka Automatik) zu fahren. Und die sind echt so bekloppt und besuchen uns auf dem Dieseltreffen. Unvergleichlicher könnte es ja nicht sein, so eine Honda mit um die 170 PS und so eine Diesel Enfield mit 11 PS (am Rad... eher 9), aber darum geht's ja auch gar nicht. Es geht ja mehr darum, dass sich die bloggenden Moppedfahrer in Deutschland mal besser kennenlernen. Deswegen fahren die Road-Blogger einfach alles ab, was irgendwie im Internet über die Leidenschaft Mopped zu fahren berichtet und da bin ich wohl das untere Ende des Extrems mit meinem dieseligen Dieselkraftrad. Klar wird man mit einem solchen Motorrad belächelt, aber wenn ich dann erzähle, dass meine Reichweite mit so ca. 18 Liter Diesel ungefähr 1.000 Kilometer beträgt, ist das Staunen dann doch oft groß.

Die Road-Blogger lassen nicht lange auf sich warten, so um halb zehn trudeln sie ein und es ist schon ein imposanter Anblick, wenn 10 niegelnagelneue Honda VFRs über den Rasen auf unsere mini Zeltstadt zurollen. Jochen ist da und Stephan und natürlich Aaron von Honda und viele neue Gesichter, die ich noch nicht kenne, abgesehen von den Blog-Beiträgen und Twitter-Tweets: Halt Sozialmediazeugs real, immer wieder ein spaßiges Erlebnis.

Natürlich muss ich erstmal die Diesel vorführen, Interesse erweckt der Seilzugstarter, der an einen Rasenmäher erinnert. Danach darf ich noch ein paar Sachen in Stephans Kamera blubbern, was mir relativ gut von der Hand geht - die #Twitaly Tour hat mich da ein wenig geschult. Oder vielleicht bin ich auch einfach viel zu entspannt, um mich zu zieren.

Dann gehen wir mit den Road-Bloggern Frühstücken. Ich drücke zwei Euro ab und kann dafür Kaffee trinken so viel ich will. Ein fairer Preis für den ich in kurzer Zeit viel frisches Koffein in meinen Kreislauf pumpen kann. Doch so schnell sie gekommen sind, so schnell müssen sie auch weiter. Hamburg wartet. Dort treffen sich die Road-Blogger mit den Jungs von der Handwaschpastenranch, die dort mit ihren Bonanzafahrrädern unterwegs sind.

Nachdem sich der Trubel gelegt hat, bleibt endlich etwas mehr Zeit sich mit Rene zu unterhalten, der ebenfalls mit Zelt angereist ist. Rene wohnt keine 15 Kilometer von uns entfernt und ich habe ihn erst kürzlich via Twitter kennengelernt. Irgendwie haben wir beide es total verpeilt, dass wir im Grunde Nachbarn sind und als uns das aufgefallen ist, haben wir uns kurzerhand getroffen. Er baut gerade eine SR 250 zu einem schicken Bobber um, ich bin schon auf das Ergebnis des Projekts gespannt.

Nach einer weiteren Stunde trudelt dann endlich auch Alexander ein. Im Schlepptau: Yves mit SR 500 und seiner Freundin Marina, deren Motorrad durch einen mit Strasssteinen stilsicher besetzten Soziushaltegriff besticht. Nach einer freundschaftlichen Begrüßung chillen wir eine Runde ab, lernen uns kennen und quatschen über dies und das. Es ist immer wieder erstaunlich wie diese Sozial-Media Bande doch zusammen passt: Du kennst die Leute im Grunde nicht, weißt aber einfach, dass es passt. Kurzum: Wir haben einen schönen Nachmittag. Die Kinder spielen, ich unterhalte mich mit vielen anderen Dieseltreibern und stelle mit großer Freude fest, dass ich den Ölfilter meines Lombardini Motors getrost ignorieren kann. Wechseln zwecklos: Ist eh nur ein Grobfilter.

Die Atmosphäre ist herrlich chillig und ich fahre mit Rene noch ein kleines Ründchen, um Kippen zu besorgen und Kleinigkeiten einzukaufen. Wir cruisen also Richtung Hamm und genießen das herrliche Wetter an diesem Samstag. War der Freitag noch so scheiße, der Samstag haut es raus: Sonne satt und kaum Wolken am Himmel. Einfach nur schön.

Als wir zurück sind, wird erstmal ein Pils geköpft. Gemütlich hocken wir neben den Zelten und genießen den Tag, die Sonne und die chillige Umgebung. Bevor Steffi zum Klassentreffen fährt, häkelt sie mir nochmal die Dreads nach. Leider muss uns kurz darauf Rene verlassen, da er nur einen Tagesausflug geplant hatte. Nach einer herzlichen Verabschiedung sind Alex, Yves, Marina und ich allein. Naja und die beiden Jäuster sind natürlich auch noch da. Wir trinken ein paar Bier, quatschen über Gott und die Unterwelt und nachdem die Kinder im Zelt verschwunden sind haben wir die grandiose Idee ein Feuer zu entfachen.

Leicht strunkelig wie wir sind, also zumindest ich kann das von mir behaupten, vielleicht nicht die beste Idee. Egal, Yves ist nüchtern und organisiert bei den Briten von nebenan erstmal einen Klappspaten. Mit diesem hebt er die Grasdecke ab, so dass wir ohne Probleme feuern können und am nächsten Morgen das Loch mit dem Gras wieder bedecken können.

Danach wird Holz gesammelt. Im Wald. Und ich erwähnte bereits, dass es einen Tag zuvor ziemlich CAPS-LOCK Wetter gab: Es hatte geSHIFT ohne Ende! Das Holz ist also gut durchnässt. Folglich will es nach unseren ersten regulären Anzündversuchen auch nicht so recht brennen. Eigentlich qualmt es nur. Aber wir sind ja nicht auf den Kopf gefallen, schließlich haben wir jede Menge Brandbeschleuniger in unseren Tanks. Schnell wird der Gülle von Alex ein wenig des heiligen Saftes entnommen und in die Feuerstelle geopfert. Das Ergebnis ist leider frustierend: Es brennt kurz und heftig, dann erlischt das Feuer. Da hilft nur eins: Mein Diesel muss ran. Auch hier lässt sich der Sprit problemlos aus dem Tank abzapfen, aber das Ergebnis ist noch unbefriedigender als beim Benzin. Es passiert nämlich gar nichts.

Ein paar Bier und ein paar Versuche später tut sich immer noch nichts. Ich habe inzwischen das noch leicht brennende Feuer sogar einmal mit Benzin gelöscht. Kein Witz: Ich kippe eine satte Ladung Benzin in die Glut und was passiert? Es zischt, als hätte ich Wasser in die Feuerstelle geschüttet. Was für eine Verarsche!

Glücklicherweise kommt irgendwann Steffi von ihrem Klassentreffen zurück und sie erbarmt sich zusammen mit Marina uns Männern unter die Arme zu greifen. Also organsierien sie ein wenig Stroh. Echt nicht viel, aber es lang, um das Feuer tatsächlich in Gang zu bekommen. Merke: Diesel, Benzin, Spiritus, alles wertlos, wenn du nur eine handvoll Stroh hast.

Als das Feuer endlich brennt dauert es keine 20 Minuten, dann bin ich so müde, dass ich mich mit Steffi ins Zelt verkrieche. Alex fallen auch schon die Augen zu und der Rest wird wohl auch nicht mehr lang durchhalten. Feuer macht müde. Vielleicht auch der Umstand, dass wir zwei Stunden lang versucht haben das Feuer überhaupt in Gang zu bekommen und uns dabei das ein oder andere Bier genehmigt haben. Im Zelt falle ich schnell in einen komatösen Schlaf.

Der nächste Morgen beginnt wieder recht früh, aber immerhin mit gutem Wetter. So können wir in aller Ruhe unser Zelt abbauen, alles verstauen und uns gemächlich auf die Rückfahrt vorbereiten. Der Moment des Abschieds kommt unausweichlich, aber wir sehen uns ja bestimmt bald alle mal wieder. Auf irgendeinem Treffen, auf irgendeiner Tour. Ein schönes Treffen war es, Glück mit dem Wetter, gute Gespräche und vorallem alles easy und gemütlich.

Und einen Sonnenbrand im Gesicht habe ich mir auch geholt. Was will man mehr?

PS: Alex hat auch einen schönen Bericht geschrieben und im Gegensatz zu mir sogar Fotos gemacht (wofür ich zu faul war).